Verschwörungstheorien - Weshalb glauben wir daran?

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 (Image: Pixabay © CC0)

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Terroranschlag, Pandemie, Naturkatastrophe, Tod einer Berühmtheit, technologische Innovation... Heutzutage gibt jedes wichtige Ereignis Anlass zu alternativen Erklärungsversuchen, die neben der offiziellen Version kursieren. Pascal Wagner-Egger, Forschender an der Universität Freiburg, hat ein neues Buch veröffentlicht, in dem er - gestützt auf psychologische Untersuchungen - der Frage nachgeht, weshalb die meisten von uns zuweilen von solchen alternativen Theorien fasziniert sind und gewisse Personen eher daran glauben als andere.

Die Forschungsarbeit von Pascal Wagner-Egger führt drei Gründe an, weshalb der Verschwörungsglaube symptomatisch für unsere Zeit ist. Ein erster Grund ist die zunehmende Vertikalisierung unserer Gesellschaften im Zuge der Globalisierung: Die Entstehung zahlreicher supranationaler Institutionen (EU, NATO, UNO usw.) sowie der weite Graben zwischen Reich und Arm geben den Menschen in unseren Demokratien den Eindruck, ihr Schicksal nicht mehr in der Hand zu haben, was Gefühle der Anomie (Kontrollverlust, Hass der Eliten usw.) nährt. Ein zweiter Grund ist die immense Kommunikationsmacht des Internets, welche die Verbreitung von Verschwörungstheorien in einer Weise begünstigt, die vor wenigen Jahren noch unvorstellbar war. Schliesslich ist der Verschwörungsglaube eine moderne Version uralter Denkarten des homo sapiens, die man in religiösen oder paranormalen Überzeugungen wiederfindet.

In seinem Wert ’Psychologie des croyances aux théories du complot’ hinterfragt der Autor die Rationalität dieser Theorien: Sind sie glaubwürdig oder muss man sich vor ihnen hüten? Sind sie richtig oder falsch? Er deckt die Schwachstellen der verschwörerischen Argumentation mithilfe eines logischen Ansatzes auf. Indem er die Philosophie der angewandten Wissenschaften auf Überzeugungen anwendet, zeigt er die Grenzen zwischen Wissenschaft und Glaube auf und ermöglicht so eine klare Unterscheidung zwischen Untersuchungen und Verschwörungstheorien. Dieses Buch erlaubt es überdies, sich über die wissenschaftliche Methodik, das Phänomen des übertriebenen Zweifels und dessen Auswirkungen auf die Demokratie Gedanken zu machen.

Die Pandemie im Fokus
Rund um die Pandemie ranken sich unzählige Verschwörungstheorien. Derartige Theorien haben in ungewissen und beängstigenden Zeiten (Kriege, Terroranschläge, Tod von Berühmtheiten), wenn die Gerüchteküche brodelt und allerlei Irrglauben herumgeboten wird, Hochkonjunktur. ’Die Pandemie, deren Dauer nicht absehbar ist, verändert unser Leben auf dramatische Weise. Dies erhöht das Bedürfnis nach alternativen Formen der Gewissheit, wohingegen Ungewissheit der Wissenschaft inhärent ist’, erklärt Pascal Wagner-Egger. ’Ausserdem bieten die unzähligen Aspekte der Pandemie reichen Nährboden für diverse Verschwörungstheorien: angefangen beim Ursprung des Virus über die Impfungen und die Masken bis hin zu den vorübergehenden Freiheitseinschränkungen.’

Psychologie des croyances aux théories du complot, Presses universitaires de Grenoble, www.pug.fr, ISBN 978‘2’7061‘4982’5

Pascal Wagner-Egger ist Forschungsund Lehrbeauftragter für soziale Psychologie und Statistik an der Universität Freiburg. Er ist Co-Leiter der Organisationseinheit für Psycholinguistik und angewandte Sozialpsychologie. Im Überschneidungsfeld dieser beiden Fachbereiche gilt sein Interesse insbesondere alltäglichen Überzeugungen und Überlegungen. Seine Forschungsarbeit verbindet die Kognitionsmit der Sozialpsychologie. Dieses Buch ist eine erweiterte Fassung seiner vor der Pandemie (Ende 2019) verfassten Doktorarbeit.

Sie können sich Ihr Exemplar am 10. Mai ab 14.00 Uhr im Garten des Instituts für Psychologie am Standort Regina Mundi, route de Faucigny 2, 1700 Freiburg, signieren lassen.

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