Erderwärmung versenkt Meteoriten

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Ein Antarktischer Meteorit (HUT 18036), der noch eingesammelt und erforscht werd
Ein Antarktischer Meteorit (HUT 18036), der noch eingesammelt und erforscht werden kann. (Foto: Katherine Joy, The University of Manchester)
Über 300’000 Meteoriten liegen auf dem antarktischen Eis. Mit jedem zehntel Grad globaler Erderwärmung versinken Tausende dieser Träger eines beispiellosen Informationsreichtums über unser Sonnensystem. WSL und Forschende empfehlen, deren Bergung voranzutreiben.

Die Antarktis birgt einen wertvollen Schatz von rund 300’000 Meteoriten, die auf der Eisoberfläche liegen geblieben sind. Doch schon bald könnten viele von ihnen verschwunden sein. So zeigt eine neue Studie, dass mit jedem Zehntel Grad, um das die globale Lufttemperatur ansteigt, 5000 bis 12’000 Meteoriten von der Oberfläche des Eisschildes verloren gehen - sie sinken ein. Bis 2050 wird so etwa ein Viertel der Meteoriten nicht mehr auf der Eisoberfläche zu finden sein, bis 2100 könnten es bei einem Szenario mit starker Erwärmung sogar drei Viertel sein.

Mit dem Verlust der Meteoriten geht viel Wissen verloren, denn sie sind einzigartige ausserirdische Objekte. «Sie geben Aufschluss über den Ursprung des Lebens auf der Erde oder über die Entstehung des Mondes und andere Himmelskörper», sagt der an der Studie beteiligte Glaziologe Daniel Farinotti von der Forschungsanstalt Wald, Schnee und Landschaft WSL sowie der ETH Zürich.

Deshalb rät Co-Studienleiter und Glaziologe Harry Zekollari von der WSL und ETH Zürich, die Bergung der antarktischen Meteoriten jetzt voranzutreiben. «Derzeit verschwinden fünfmal mehr Meteoriten von der Oberfläche der Antarktis als geborgen werden können», sagt Zekollari. «Um dieses wertvolle extraterrestrische Material zu sichern, müssen wir die Bergung antarktischer Meteoriten intensivieren und koordinieren, bevor wir sie durch den Klimawandel verlieren.» Ähnlich, wie dies bereits mit dem Sammeln von Eisbohrkernen aus schwindenden Gletschern oder dem Beproben von Korallenriffen geschehe, bevor diese ausbleichen. Noch wichtiger sei allerdings die rasche Reduzierung der Treibhausgasemissionen, um die Erderwärmung zu reduzieren und so die meisten der noch nicht geborgenen antarktischen Meteoriten langfristig zu erhalten.

Dass die Meteoriten versinken, hat unter anderem mit ihrer dunklen Farbe zu tun. «Selbst bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt erwärmen sich die dunklen Meteoriten in der Sonne so stark, dass sie das Eis direkt unter dem Meteoriten schmelzen können. Durch diesen Prozess erzeugt der warme Meteorit eine Mulde im Eis und verschwindet mit der Zeit vollständig unter der Oberfläche», sagt Veronica Tollenaar, Co-Leiterin der Studie von der Université libre de Bruxelles. Wenn die Temperaturen in der Atmosphäre steigen, erhöhe sich zudem die Oberflächentemperatur des Eises, was diesen Prozess beschleunigt, da weniger Wärme von den Meteoriten benötigt werde, um das Eis lokal zu schmelzen.

Zur Berechnung der zu erwartenden Verlusten setzten die Forschenden künstliche Intelligenz ein. Die Studie ist in der renommierten Fachzeitschrift Nature erschienen.