Dachwasser trinken und mit Abwasser duschen

Aussenansicht

Aussenansicht

Self ist eine energie- und wasserunabhängige Raumzelle zum Wohnen und Arbeiten. Das gemeinsame Projekt von Empa, Eawag und der Zürcher Hochschule der Künste wird morgen Dienstag, 12. Januar 2010, das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt - an der Swissbau in Basel.

Self soll zeigen, wie heute mit modernsten Gebäudekonzepten praktisch ohne externe Energiezufuhr und mit einem internen Wasserkreislauf ohne Abstriche am Komfort gelebt werden kann. Kaum etwas an Self entspricht dem heutigen «Stand der Technik». Fast alles besteht aus eigens entworfenen und konzipierten Komponenten, so etwa die Gebäudehülle mit Sandwichplatten aus glasfaserverstärktem Kunststoff und die Wärmedämmung mit hoch isolierenden Vakuumpaneelen. Ein Wärmetauscher wärmt die Frischluft mit der Abluft vor, die Filtration des Regenwassers zu Trinkwasser nutzt nur die Schwerkraft. Die Wasserstofftechnologie wird im Praxiseinsatz fürs Kochen und Heizen erprobt. Solarzellen auf dem Dach liefern den nötigen Strom zur Synthese des Wasserstoffs. Zwischengespeichert wird dieser dann in mit Metallhydriden gefüllten Behältern, eine Neuentwicklung der Empa.

Niederdruck Membrantechnologie als Chance

Die Eawag hat das Wasserkonzept für self mitentwickelt und umgesetzt. Denn dezentrale Systeme zur Trinkwasseraufbereitung und zum Abwasserrecycling könnten einen grossen Beitrag leisten zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele. Die Chance dazu bietet vor allem die an der Eawag erforschte Niederdruck-Membrantechnologie. Die vielversprechenden Resultate aus Dübendorf zeigen, dass die Ultrafiltration (Filtration durch Membranen mit Porenweiten von 0.002 bis 0.05 µm) ohne wartungsaufwändige und energieintensive Pumpen nur mit der Schwerkraft betrieben werden kann. Im Bereich der Trinkwasseraufbereitung ist das Verfahren bereits so weit, dass erste Pilotanlagen von grossen Herstellern in Betrieb sind. Im Bereich der Membranbio-Kleinkläranlagen muss der Praxiseinsatz von self erst noch zeigen, wie robust ein solches System ist. Der kaum Kühlschrank grosse Membranbioreaktor im engen Technikraum des Containers soll das Abwasser aus Küche und Dusche soweit recyclieren, dass es für dieselben Anwendungen und die Toilettenspülung erneut verwendet werden kann. Einzig das stark verschmutzte Toilettenabwasser aus der Wasser sparenden Toilette wird dem Kreislauf entnommen.

Zahlreiche Projektpartner

Das Konzept zu self wurde von der Empa in Zusammenarbeit mit der Eawag, Studenten der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK und des Studienganges Energie der FHNW entwickelt. An der Umsetzung sind rund 20 Industriepartner beteiligt. self, mit seinem ganz eigenen Design, verbindet ein modernes Wohn- und Arbeitskonzept mit praktischer Forschung und gezielten Informationen für Fachleute.
(Autor: Andri Bryner)

Weitere Informationen

Weitere Bilder

© Eawag; honorarfreie Verwendung nur in Zusammenhang mit einer Berichterstattung zum Projekt self - keine Archivierung.

Der Ultramembranfilter zur Aufbereitung von Regenwasser
zu Trinkwasser.

Der enge Technikraum in self. Links die Metallhybridspeicher
für den Wasserstoff, in der Mitte die Kleinstkläranlage (mit
sichtbarem Membranmodul) und der Brauchwassertank,
rechts der Wärmespeicher.

Montage des Membranbioreaktors für das Brauchwasserrecycling.

Das Membranfiltermodul für den Membranbio-Kläranlage.