Die bewegte Geschichte eines Superjägers

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Der Wanderfalke hat einen perfekt stromlinienförmigen Körper. Er gilt als das sc

Der Wanderfalke hat einen perfekt stromlinienförmigen Körper. Er gilt als das schnellste Tier der Welt und kann im Sturzflug auf mehr als 200 km/h beschleunigen! Foto © Ralph Martin

Der Wanderfalke hat in der Schweiz eine bewegte Geschichte: Wegen Pestiziden fast ausgestorben, erlebte er nach deren Verbot ein Comeback. Nun holen aber neue Gefahren das schnellste Tier der Welt ein.

Sempach. - Wer jetzt in der Nähe von Felswänden spazieren geht, kann mit viel Glück balzende Wanderfalken entdecken. Lautstark vollführen die Partner Sturzflüge und festigen so ihre Paarbindung. Dieses eindrückliche Naturschauspiel wäre um ein Haar aus der Schweiz verschwunden: In den 1960er und 1970er Jahren ging der Bestand des Wanderfalken weltweit wegen des massiven Einsatzes von DDT und verwandter Pestizide stark zurück. Wenige Jahre später wurden die Umweltgifte verboten und der Wanderfalke unter Schutz gestellt, worauf seine Bestände zu einer spektakulären Rückkehr ansetzten.

Diese Entwicklung liess sich auch in der Schweiz beobachten, wo 1971 ausserhalb des Alpenraums nur noch ein erfolgreiches Brutpaar gefunden werden konnte. Heute wird der Bestand des Wanderfalken wieder auf rund 300 Paare geschätzt. Die Bestandsentwicklung des Wanderfalken ist in der Schweiz insbesondere dank der Zählungen durch Freiwillige so gut bekannt. In der Westschweiz beispielsweise erstreckt sich die Zählreihe über die vergangenen 60 Jahre und ist somit eine der längsten Populationsstudien der Welt!

Alles gut also? Mitnichten! Seit einigen Jahren ist der Bestand wieder rückläufig, sodass der Wanderfalke auf die Rote Liste gesetzt werden musste und neu als «verletzlich» gilt. Besonders gut dokumentiert ist der Sinkflug des Wanderfalken im Jurabogen, wo der Bestand in etwas mehr als den letzten 10 Jahren um rund 20 % zurückging, wie eine neue Studie der Vogelwarte basierend auf Daten engagierter Zählerinnen und Zählern zeigt.

Zu den Rückgangsursachen gehört die an sich erfreuliche Zunahme des Uhus, der ein natürlich Fressfeind des Wanderfalken ist. Aber auch der Mensch macht dem schnellen Jäger zu schaffen. Ein zunehmendes Phänomen und entschieden zu bekämpfen ist die illegale gezielte Vergiftung, die in den letzten Jahren Schlagzeilen machte. Die Vogelwarte engagiert sich daher in der Arbeitsgruppe Wanderfalke, die von BirdLife Schweiz koordiniert wird. Aber auch Störungen durch Freizeitaktivitäten an Brutfelsen sind ein ernstzunehmendes Problem, denn sie können dazu führen, dass die Vögel ihre Brut aufgeben. Die Vogelwarte setzt sich mit Partnern dafür ein, Konflikte zwischen Erholungssuchenden und Felsbrütern wie dem Wanderfalken zu entschärfen, so dass wir auch in Zukunft die eindrückliche Balz der Wanderfalken erleben können.


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