Die Biotech-Violine tritt ins Rampenlicht

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Irina Pak spielt auf der Biotech-Violine im NEST in Dübendorf - mit sichtlicher

Irina Pak spielt auf der Biotech-Violine im NEST in Dübendorf - mit sichtlicher Begeisterung. Bild: Empa

Es ist erstaunlich, welche zauberhaften Klänge sich aus einem Stück Holz, das mit Pilzen behandelt wurde, entlocken lassen. Die Biotech-Geige, deren Klangholz mit einem an der Empa entwickelten Verfahren behandelt wurde, geht ab sofort mit der Geigerin Irina Pak auf die Konzertbühne.

Aus dem Labor auf die Konzertbühne - diesen Schritt macht nun die Mycowood-Geige «Caspar Hauser II». In einem langjährigen Forschungsprojekt hatte das Team um Forscher Francis Schwarze ein Verfahren entwickelt, bei dem ein Weissfäule-Pilz dazu gebracht wird, Holzzellen gezielt abzubauen. Das Verfahren erlaubt es, die akustischen Eigenschaften des Klangholzes zu verändern. Auf diese Weise wurde im «Cellulose & Wood Materials» Labor der Empa in St. Gallen auch jenes sogenannte Mycowood hergestellt, das der «Caspar Hauser II» ihren Körper gab. Das Instrument ist eine exakte Kopie einer Guarneri-Violine aus dem Jahr 1724. Die antike Meistergeige wurde von Guarneri del Gesù (1698 -1744) gebaut, der wie sein Zeitgenosse Stradivari im italienischen Cremona Instrumente erschuf, die wegen ihres besonderen Klangs begehrt (und entsprechend teuer) sind. Erste vergleichende akustische Analysen vom Original und seiner Biotech-Kopie sind bereits erfolgversprechend verlaufen.

Hörprobe zum Vergleich: Das gleiche Musikstück wird auf einer unbehandelten Geige und einem Instrument, das neun Monate in einer Pilzlösung inkubiert wurde, gespielt. Bild: Empa

Damit die «Caspar Hauser II» zu ihrem aussergewöhnlichen Körper auch eine einzigartige Seele entwickeln kann, soll das Instrument ab jetzt durch konsequentes Spielen in den kommenden Jahren seinen Klang entfalten dürfen. Die Geigerin Irina Pak vom Tonhalle-Orchester Zürich konnte das Instrument kürzlich an der Empa in Dübendorf als Leihobjekt entgegennehmen. Von seinem «Geburtsort» aus darf die Biotech-Geige nun für fünf Jahre mit Irina Pak ins Rampenlicht treten. Während dieser Zeit wird auch die Entwicklung der Klangqualität bei regelmässigen Hörproben ermittelt. «Ich freue mich sehr, dass die Geige nun ihre Wiege im Labor verlässt und sich auf der Bühne mit einer ausgezeichneten Musikerin beweisen darf», sagt Forscher Francis Schwarze.

Irina Pak spielt an der Empa in Dübendorf zum ersten Mal auf der «Caspar Hauser II». Video: Empa

Irina Pak spielt auf der Biotech-Violine im NEST in Dübendorf - mit sichtlicher Begeisterung. Bild: Empa

Walter Fischli, Stiftungsratspräsident der gleichnamigen Stiftung in Allschwil (BL), hatte der Empa zuvor die Mycowood-Geige «Caspar Hauser II» als Schenkung Überreicht. Die Stiftung unterstützt das Forschungsprojekt an der Empa seit langer Zeit und ist bestrebt, mit dem Bau von Mycowood-Geigen Nachwuchstalente zu fördern. Zur Feier der Übergabe an die Empa hatte Irina Pak bereits Gelegenheit gehabt, die Biotech-Violine kennenzulernen. Die Violinistin entlockte der neuen Geige dabei zeitgenössische Klänge sowie Barockmelodien aus der Bauzeit der Originalgeige.

Das interdisziplinäre Projekt zielt darauf ab, die akustischen Eigenschaften von Klangholz reproduzierbar und unter standardisierten Bedingungen zu verbessern. Mit dieser Art der Biotech-Holzmodifikation könnten zudem Lieferengpässe bei wertvollen Klanghölzern vermieden werden, so Schwarze. Ziel sei es, gutes Ausgangsmaterial in ausserordentliches Klangholz zu verwandeln und so den traditionellen Musikinstrumentenbau in Europa zu fördern.


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