Die ETH am WEF - RETHINKING Creativity

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Das Projekt «Walking Canvas» haucht Leinwänden Leben ein und lässt sie herumwand

Das Projekt «Walking Canvas» haucht Leinwänden Leben ein und lässt sie herumwandern - mit individuellen Laufstilen und der menschenähnlichen Eigenschaft, beschäftigt zu wirken und ein Ziel zu haben. (alle Bilder: Andreas Eggenberger)

Bereits zum vierten Mal präsentierte sich die ETH Zürich vom 21. bis 24. Januar am WEF in Davos. Unter dem Slogan «RETHINKING Creativity» widmete sich die diesjährige Ausstellung den Schnittstellen zwischen Kunst und Wissenschaft. Beide werden von der menschlichen Kreativität angetrieben.

Am Himmel dröhnt das Helikoptergeschwader des amerikanischen Präsidenten, auf der Strasse stehen schwarze Limousinen Stossstange an Stossstange und auf dem Trottoir protestiert eine junge Frau nach dem Vorbild Gretas gegen den aktuellen Stand der Klimapolitik. Die Jahrestagung des WEF in Davos vereint Gegensätze auf engstem Raum und sorgt für ein wuseliges Durcheinander in der höchstgelegenen Stadt Europas.

Chaotisch geht es auch im Pavillon der ETH Zürich vor den Toren des offiziellen Jahrestreffens des WEF zu und her. Schon kurz nach der Eröffnung der Ausstellung «RETHINKING Creativity» am Dienstagmittag ist der Raum bis an die Kapazitätsgrenze gefüllt. Mehrere Schulklassen, Gäste des WEF sowie Anwohnerinnen und Anwohner drängen sich um die Ausstellungsstücke. «Interdisziplinarität ist der Schlüsselbegriff, der die diesjährige Ausstellung der ETH am WEF beschreibt», sagt ETH-Präsident Joël Mesot anlässlich der Eröffnung. «Unsere Exponate reichen vom Quanten-Computing über die Robotik bis hin zu einem gestrickten Piano und führen damit Kunst und Technologie zusammen.»

Das Mysterium der Quanten

In der Mitte des Raumes hängt der «Pond of Possibilities» von der Decke - der Teich der Möglichkeiten. Dieser illustriert anhand von Wellen im Wasser und deren Interferenz wie ein Quantencomputer viele Möglichkeiten parallel auslotet, um die am Ende die richtige Antwort zu finden. Die Besucherinnen und Besucher beeinflussen die Interferenzen, indem sie selektiv Hindernisse platzieren und so "Algorithmen" entwerfen.

Der Teich ist nur eine von vielen Installationen zum Thema Quanten-Computing. Mit der tatkräftigen Unterstützung von Designern haben Forschende der ETH die Kernkonzepte der Quantenphysik erlebbar gemacht. Noch am Abend des Eröffnungstages bemüht sich ein Expertenpanel anlässlich der Veranstaltung «Demystifying Quantum» dem Publikum die Welt der Quantenphysik näher zu bringen, doch, so bringt es der Quantenphysiker Jonathan Home auf den Punkt: «Quantenmechanik folgt Regeln jenseits unserer Erlebniswelt.» Das Mysterium bleibt uns zumindest vorläufig erhalten.

Chaos als Nährboden für neue Ideen

Das Eintauchen in neue Welten und chaotische Zustände verlangen nach neuen Denkansätzen. Damit bilden sie den Ausgangspunkt eines kreativen Prozesses. Davon ist zumindest Joe Paradiso überzeugt (Hier finden Sie den ETH-Podcast mit Joe Paradiso). Für den Leiter des MIT Media Lab steht fest: «Kreativität braucht Unordnung. Ideen entstehen in chaotischen Umgebungen». Dabei kombinieren Menschen vorhandenes Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen, um neues zu erschaffen - seien es Betonsäulen aus dem 3D-Drucker, Klaviere aus dem Webstuhl oder Industrieroboter, die mit Puppen spielen.

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Markus Gross