Die Seroprävalenz in der Region Basel ist auf 21% gestiegen

    -     English
Swiss TPH Study Nurses nehmen einer Studienteilnehmerin Blut für den Antikörpert

Swiss TPH Study Nurses nehmen einer Studienteilnehmerin Blut für den Antikörpertest ab. Foto: Layla Hasler, Swiss TPH

In den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft wurden bei rund 21% der erwachsenen Be-völkerung Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Im Vergleich zum letzten Herbst ist die Seroprävalenz damit deutlich gestiegen. Die COVCO-Basel Studie des Schweizerischen Tropenund Public Health-Instituts (Swiss TPH) veröffentlicht auch erstmals vorläufige Ergebnisse zu den Auswirkungen der Pandemie und der Eindämmungsmassnahmen auf das Wohlbefinden und den Lebensstil der Bevölkerung.

Die COVCO-Basel Studie untersucht als Teil des schweizweiten Forschungsprogrammes «Corona Immunitas» die Ausbreitung von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung. Darüber hinaus analysiert COVCO-Basel die Auswirkungen der Eindämmungsmassnahmen auf das Wohlbefinden der Bevölkerung in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Die Forscherinnen und Forscher des Swiss TPH haben die Auswirkungen der Pandemie für den Zeitraum Juli 2020 bis Januar 2021 ausgewertet und können zugleich die neusten Ergebnisse zur Verbreitung der Antikörper (Seroprävalenz) bis März 2021 präsentieren.

Verlauf von COVID-19

Die Seroprävalenz hat in der zweiten Corona-Welle stark zugenommen und ist von 6% (Stand Oktober 2020) über 13% (Mitte Februar 2021) auf 21% (Stand Mitte März 2021) gestiegen. Im Kanton Basel-Stadt weisen aktuell 24 % der Bevölkerung Antikörper auf, während es im Kanton Basel-Landschaft 19% sind. Die Zunahme des positiven Antikörperstatus widerspiegelt auch den Effekt der Impfungen. Bis Mitte Januar 2021 lag die Seroprävalenz bei den über 75-jährigen Personen bei 8%, Mitte Februar 2021 bereits bei 53% und bis Mitte März ist sie auf 81% (Basel-Stadt: 86%, Basel-Landschaft: 76%) gestiegen.

Hinweise auf Re-infektionen oder anhaltende Infektionen gab es im Studienzeitraum wenige: Nur 4 von 340 Personen mit einem positiven Corona-Test oder positivem Antikörper-Test hatten mehr als zwei Monate später einen erneut oder immer noch positiven Rachenabstrich.

Von 243 Personen, die über einen positiven Rachenabstrich berichteten, wurden 7% hospitalisiert und 1% wurde auf die Intensivstation verlegt.

Auswirkungen der Eindämmungsmassnahmen

Über 80% aller Studienteilnehmenden stuften die vom Bundesrat getroffenen Eindämmungsmassnahmen als gerechtfertigt ein. Positiv wurden Auswirkungen der Eindämmungsmassnahmen im privaten Bereich eingestuft - beispielsweise mehr Zeit für die Familie oder Hobbys zu haben - aber im Allgemeinen überwog die Meinung, dass die Pandemie negative Auswirkungen habe. Sorgen bereiteten den Teilnehmenden vor allem die Einschränkungen in Bezug auf das Reisen und im kulturellen Bereich. Bei den erwerbstätigen Teilnehmenden zeigten sich über 80% zufrieden mit der Arbeit, aber rund 6% hatten Angst, ihre Arbeit zu verlieren. Während bei den nicht-selbstständig Erwerbstätigen 9% weniger Lohn hatten als im gleichen Monat im Jahr 2019, waren es bei den selbstständig Erwerbstätigen 33%. Bei Letzteren betrug die Lohneinbusse im Durchschnitt fast 50%.

Auswirkungen auf die psychische Gesundheit

Die COVCO-Basel Studie stellte eine Zunahme der Häufigkeit von schweren und extrem schweren Symptomen einer Depression zwischen Juli 2020 und Januar 2021 fest. Die Zunahme betraf vor allem die Alterskategorie der 18- bis 49-Jährigen und Personen mit niedrigem Haushaltseinkommen. Letztere waren am stärksten betroffen, bei dieser Bevölkerungsgruppe hat die Häufigkeit von Symptomen einer Depression von 2% auf 8% zugenommen. Auch das Stressniveau war bei Personen mit niedrigem Einkommen am höchsten und nahm tendenziell zu. «Menschen mit tiefen Einkommen sind besonders von der Pandemie betroffen, einerseits sind sie durch ihre Jobs oft stärker exponiert und haben häufiger eine Coronavirus-Infektion, andererseits leiden sie stärker unter den wirtschaftlichen Folgen der Massnahmen und haben öfters enge Wohnverhältnisse, was sich wiederum negativ auf die psychische Gesundheit auswirken kann», sagte Nicole Probst-Hensch, Leiterin des Departements Epidemiologie und Public Health am Swiss TPH und Studienleiterin von COVCO-Basel. Immer mehr in den Fokus der öffentlichen Diskussion rückt auch die Versorgung von Personen mit psychischen Problem zu Zeiten der Pandemie. Bei der COVCO-Basel Studie gaben rund 10% an, Probleme zu haben, um die Behandlung zu erhalten, und rund 10% erhielten die Behandlung virtuell. Der Prozentsatz von Personen, die aus Angst vor einer Ansteckung auf eine persönliche Behandlung verzichteten, stieg von 4% auf 12%.

Suchtprobleme nahmen zu

In Bezug auf den Lebensstil waren Veränderungen bei Bewegung, Essund Suchverhalten sichtbar. Die Studienteilnehmenden bewegten sich insgesamt weniger und verbrachten gleichzeitig pro Tag fast eine Stunde länger im Sitzen. Die Bevölkerungsgruppe der 18-49-Jährigen ernährte sich seit Beginn der Pandemie ungesünder und berichtete zunehmend über Suchtprobleme im Bereich des Essens und des Medienkonsums, sowie damit verbunden über Gewichtsprobleme. In der Altersgruppe der 50- bis 64-jährigen berichteten immer mehr Personen über ein Suchtproblem in Bezug auf Alkohol mit einer Zunahme von 5% auf 10%. «Die Folgen von weniger Bewegung, schlechterer Ernährung und Suchtproblemen können längerfristig zu chronischen Krankheiten führen, was wiederum ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf von COVID-19 sein kann. Die Pandemie zeigt den engen Zusammenhang zwischen Infektionskrankheiten und chronischen Krankheiten in vieler Hinsicht», sagte Probst-Hensch.

Die COVCO-Basel Studie läuft derzeit weiter, um das weitere Infektionsgeschehen sowie den Einfluss der fortschreitenden Impfungen und anderer Massnahmen zu überprüfen und um die langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf Wirtschaft, Gesellschaft und die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung zu untersuchen.

Über die COVCO-Basel Studie

COVCO-Basel wird vom Swiss TPH durchgeführt und von den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft mitfinanziert. Die Studie besteht einerseits aus einer Seroprävalenz Kohorte, die aufzeigt, wie viele Personen Antikörper gegen das SARS-CoV-2 aufweisen - also wie viele Personen sich bereits mit SARS-CoV-2 infiziert haben oder geimpft sind. Weiter besteht die Studie aus einer digitalen Kohorte, in welcher die Auswirkungen der Pandemie auf die Lebensumstände und das Wohlbefinden der Bevölkerung untersucht werden. Insgesamt beteiligten sich bis heute über 10’000 Personen an der Studie. COVCO-Basel wurde von Anfang an als Langzeitstudie angelegt, mit dem Ziel die Entwicklung der wirtschaftlichen und persönlichen Situation der Bevölkerung im Raum Basel während der Pandemie und auch in Abhängigkeit vom sozialen Umfeld und den Wohnverhältnissen verfolgen zu können. COVCO-Basel ist Teil des schweizweiten Forschungsprogramms «Corona Immunitas» der Swiss School of Public Health (SSPH+). Corona Immunitas ist ein wissenschaftliches Programm zur Bestimmung der SARS-CoV-2-Immunität.


This site uses cookies and analysis tools to improve the usability of the site. More information. |