Die Suche nach dem Schnepfenstrich

Mit ihrem fein gemusterten grauen und braunen Gefieder ist die Waldschnepfe herv

Mit ihrem fein gemusterten grauen und braunen Gefieder ist die Waldschnepfe hervorragend getarnt. Foto © Jürgen Schiersmann

Nicht nur früh am Morgen, wenn die ersten Vögel singen: In den kommenden Tagen werden unzählige Ornithologinnen und Ornithologen in Waldlichtungen die Abenddämmerung abwarten. Dann nämlich beginnt die Balz der Waldschnepfe. Die heimliche Waldbewohnerin lässt sich nur zählen, während die Männchen rufend umherfliegen. Die restliche Zeit verbringt sie hervorragend getarnt im Unterholz.

Ornithologinnen und Ornithologen sind die Lerchen unter den Menschen, denn meist sind sie schon früh morgens auf den Beinen und suchen in Feld und Wald nach Vögeln. Dieses und nächstes Jahr gilt dies ganz besonders, denn die Arbeiten zur Volkszählung der Vögel enden 2016. Doch auch die Eulen unter den über 3000 freiwilligen Mitarbeitenden, die sich für den Brutvogelatlas 2013-2016 engagieren, können ihren Beitrag leisten, denn manche Vögel lassen sich am besten in den frühen Nachtstunden beobachten.

Zu ihnen gehört die Waldschnepfe, eine heimliche Bewohnerin grossflächiger lichter Wälder. Sie ist nachtaktiv und mit ihrem braunen Gefieder perfekt getarnt, dass sie einzig mit viel Glück zu finden ist. Nur zur Balzzeit im Frühjahr ist sie einfach zu beobachten. Die Männchen vollführen von April bis Juli vorwiegend in der Abenddämmerung ihre Balzflüge und stossen dabei ihre typischen Balzrufe aus, meist ein ,,quorr-quorr-pitz".

Diese in der Jägersprache ,,Schnepfenstrich" genannte Balz bietet denn auch die beste Möglichkeit, die Waldschnepfen zu zählen. Die Vogelwarte hat sich für 2015 zum Ziel gesetzt, die bestehenden Waldschnepfenbestände genau zu erfassen, wofür sie auch vom Bundesamt für Umwelt BAFU unterstützt wird. Damit will die Vogelwarte im Rahmen der Volkszählung der Vögel abschätzen können, wie stark die Waldschnepfe seit den Neunzigerjahren abgenommen hat und welche Regionen verlassen wurden. Die Waldschnepfe gilt gemäss der Roten Liste der Brutvögel der Schweiz als verletzlich.

Faszinierender Zugvogel im Sinkflug
Die Bestände der Waldschnepfe nehmen in mehreren Ländern Europas ab. In der Schweiz brütet die Waldschnepfe noch regelmässig im westlichen Jura, entlang den nördlichen Voralpen und im Norden des Kantons Graubünden. Das Mittelland besiedelt die Waldschnepfe hingegen kaum mehr. Sie ist ein Zugvogel und überwintert insbesondere in Frankreich, wo sich die Zahl der Wintergäste seit 1970 ebenfalls stark reduziert hat. Gründe für diesen Rückgang sind Störungen während der Brutzeit, Verschlechterung des Lebensraums durch Verdichtung von Waldbeständen, eine intensivere Waldbewirtschaftung, Prädation durch natürliche Feinde und die starke Bejagung. Die Jagd gefährdet möglicherweise auch die Vorkommen in der Schweiz, denn die lokalen Brutvögel sind oft noch im Gebiet, wenn die Jagd am 16. September beginnt.
Der Balzruf der Waldschnepfe ist hier zu hören: www.vogelwarte.ch/waldschnepfe

Brutvogelatlas 2013-2016: Volkszählung der Brutvögel
Von 2013 bis 2016 ermittelt die Vogelwarte Sempach, wo in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein wie viele und welche Vögel brüten. Ziel dieser Zählung ist es, einen Überblick über den Zustand und den Wandel unserer Vogelwelt zu gewinnen. Weil Vögel auf vielfältige Lebensräume angewiesen sind, widerspiegelt ihre Situation diejenige der gesamten Natur und der Landschaft. Der Brutvogelatlas 2013-2016 wird zudem zeigen, in welchen Regionen und für welche Vogelarten Fördermassnahmen am dringendsten sind.
www.vogelwarte.ch/atlas