Die Wohnbevölkerung der Schweiz ist zufrieden mit der Gesundheitsversorgung

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Das Schweizer Gesundheitssystem erhält von der Wohnbevölkerung sehr gute Noten: Die grosse Mehrheit der über 18-Jährigen ist mit der Qualität der medizinischen Versorgung zufrieden. Dies geht aus der diesjährigen Umfrage hervor, die unter der Schirmherrschaft der Stiftung Commonwealth Fund in elf Ländern durchgeführt wurde. 91 Prozent erachten ihre Gesundheit als gut, sehr gut oder ausgezeichnet. Die Hälfte (49 Prozent) der Befragten leidet an mindestens einer chronischen Erkrankung. Ein Drittel der Befragten macht sich Sorgen finanzieller Art.

Die Stiftung Commonwealth Fund befragt alle drei Jahre die Wohnbevölkerung in mehreren Ländern zu deren Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem. Von den 2284 befragten Personen in der Schweiz sind rund 88 Prozent der Ansicht, dass das schweizerische Gesundheitssystem gut bis sehr gute Leistungen erbringt. Damit liegt die Schweiz vor Norwegen und Deutschland auf dem ersten Rang. Innerhalb der Schweiz bewerten die 65-jährigen und älteren Personen die Leistungen deutlich besser (95 Prozent) als die jüngeren Altersgruppen. Grössere Unterschiede in der Beurteilung gibt es auch zwischen den Sprachregionen: 67 Prozent der Befragten aus der italienischen Schweiz bewerten die Leistungen unseres Gesundheitssystems als gut bis sehr gut, was im innerschweizer Vergleich tief ist (Deutschschweiz 91 Prozent, französische Schweiz 86 Prozent).

Von den befragten Personen haben 93 Prozent eine Hausärztin bzw. einen Hausarzt oder ein Gesundheitszentrum (2016: 90 Prozent). Eine Mehrheit von 67 Prozent (2016: 64) ist sehr zufrieden mit der medizinischen Betreuung und gibt den Hausärzten und Gesundheitszentren sehr gute bis ausgezeichnete Noten. Die älteren Personen ab 65 Jahren bewerten die hausärztliche Betreuung deutlich besser als die 18-34-jährigen Personen (78 versus 57 Prozent).

49 Prozent erachten es als ziemlich schwierig oder sehr schwierig, medizinische Versorgung am Abend, am Wochenende oder an Feiertagen zu erhalten. Das sind deutlich weniger als 2016 mit 59 Prozent. 29 Prozent besuchten in den letzten zwei Jahren mindestens einmal die Notaufnahme von einem Spital. Von diesen Personen gaben 36 Prozent an, dass auch eine Hausärztin oder ein Hausarzt die Beschwerden hätte behandeln können, wenn diese verfügbar gewesen wäre. Gerade Frauen (46 Prozent) geben dies deutlich häufiger an als Männer (27 Prozent).

Die Hälfte leidet an mindestens einer chronischen Krankheit

Neun von zehn Personen (91 Prozent; 2016: 89 Prozent) bezeichnen ihren Gesundheitszustand als gut, sehr gut oder ausgezeichnet. Mit dieser Bewertung liegt die Schweiz erneut an der Spitze zusammen mit Neuseeland und Australien. Gleichzeitig leiden über 49 Prozent an mindestens einer chronischen Erkrankung (2016: 48 Prozent; 2010: 44 Prozent). Bei den älteren Personen ab 65 Jahren betrifft dies drei Viertel (73 Prozent), während es bei den 18- bis 34-jährigen Personen knapp ein Drittel (30 Prozent) betrifft. In der Schweiz gehören Bluthochdruck, psychische Erkrankungen (wie Depressionen oder Angstzustände) und Lungenkrankheiten zu den meistgenannten chronischen Krankheiten.

In der Befragung gaben zudem knapp 15 Prozent an, dass sie in den letzten 12 Monaten vor der Befragung mit einer Gesundheitsfachperson über ihre psychische Gesundheit sprechen wollten. Von ihnen hat weniger als die Hälfte (44 Prozent) auch eine Beratung oder Behandlung erhalten. Ein grosser Anteil (56 Prozent) der psychisch belasteten Personen in der Schweiz hat somit - aus welchen Gründen auch immer - keine Beratung oder Behandlung erhalten oder wahrgenommen.

Wie bereits 2016 geben 2020 wiederum 23 Prozent an, aus Kostengründen auf medizinische Leistungen wie einen Arztbesuch, eine Behandlung oder ein Medikament verzichtet zu haben. Neben Kostengründen geben viele Befragte an, dass sie abwarten wollten, ob die Beschwerden von selber abklingt oder dass sie eine medizinische Behandlung nicht für nötig hielten. Der Verzicht auf medizinische Leistungen aus Kostengründen ist in den letzten 10 Jahren gerade bei Personen mit tertiärem Bildungsabschluss stark gestiegen, während sich der Verzicht bei Personen mit tieferen Bildungsabschlüssen auf dem Niveau von 2016 stabilisiert hat. Es ist unter anderem davon auszugehen, dass in den letzten Jahren eine Sensibilisierung bezüglich der Kosten-Nutzen-Abschätzung stattgefunden hat.

Ein Drittel macht sich finanzielle Sorgen

Sorgen können die Gesundheit einer Person beeinträchtigen, besonders dann, wenn sie ein existenzielles Bedürfnis betreffen und chronischer Natur sind. In der Schweiz sorgten sich während der letzten 12 Monate vor der Befragung rund 35 Prozent der Befragten manchmal, meistens oder immer, die Miete oder Hypothek nicht bezahlen zu können, oder sie sorgten sich um ein stabiles Einkommen. Nur in den USA gaben mehr Personen an, sich finanzielle Sorgen zu machen.

Die Stiftung Commonwealth Fund lässt regelmässig eine Befragung der Bevölkerung in elf Ländern durchführen, darunter auch in der Schweiz. Die Schweiz nimmt seit 2010 an der internationalen Befragung der Stiftung Commonwealth Fund zur Gesundheitsversorgung teil. Der Commonwealth Fund ist eine private, nicht-gewinnorientierte amerikanische Stiftung, die die Förderung gut funktionierender und effizienter Gesundheitssysteme mit besserem Zugang zur Krankenversicherung und die Qualitätsverbesserung der Leistungen zum Ziel hat.

An der Erhebung 2020 «International Health Policy Survey» des Commonwealth Fund, New York (USA), beteiligten sich neben Australien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Kanada, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Schweden und den USA auch die Schweiz. Befragt wurden in der Schweiz im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit BAG 2284 Personen über 18 Jahre in den drei Sprachregionen der Schweiz.

Bundesamt für Gesundheit
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