Digitale Beratung für Kleinbauernfamilien in Afrika und Asien

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Eine Bauernfamilie in Indien erhält ein Training im Umgang mit digitalen Tools.

Eine Bauernfamilie in Indien erhält ein Training im Umgang mit digitalen Tools. © Grameen Foundation

Ein Forschungsund Innovationsprojekt der Universität Bern will mit digital gestützter landwirtschaftlicher Beratung nachhaltige Anbaumethoden von Kleinbauernfamilien in Afrika und Asien stärken und so deren Produktivität, Einkommen und Klimaresilienz verbessern. Das Projekt wird mit internationalen Partnern durchgeführt und durch das TRANSFORM Programm der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) mit 5 Millionen Franken gefördert.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern produzieren weltweit zwei Drittel aller Nahrungsmittel. Dennoch lebt die Mehrheit dieser rund 500 Millionen Menschen in Armut. Ihre Produktion ist anfällig für die Folgen des Klimawandels. Gleichzeitig haben sie nur schlechten Zugang zu Informationen über landwirtschaftliche Praktiken, mit denen sie ihre Produktion steigern, die Ressourcen schonen und ihren Lebensunterhalt sichern können.

Digital unterstützte landwirtschaftliche Beratungsdienste bieten die Chance, das zu ändern. Bisher haben sie jedoch nur einen Bruchteil der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im Globalen Süden erreicht. Erhebliche Ertragssteigerungen und eine Verbesserung der Lebensbedingungen würden sich vor allem dann erzielen lassen, wenn besonders Frauen und junge Menschen einbezogen würden: Sie machen in Afrika südlich der Sahara und Asien über 50 Prozent der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung aus.

Vor allem auch Frauen und junge Menschen ansprechen

Das Projekt ’Agripath’ beschreitet deshalb neue Wege: ’Ziel des Projektes ist es, wirksame, effiziente und weitreichende Beratungsdienste zu entwickeln, die möglichst viele Kleinbauernfamilien, insbesondere auch Frauen und junge Menschen, ansprechen’, sagt Sonja Vogt, Professorin für Nachhaltige Gesellschaftsentwicklung an der Universität Bern: ’Um dieses Ziel zu erreichen, entwickeln wir technische Innovationen, die mit Veränderungen von Einstellungen und sozialen Normen im Bereich der Landwirtschaft einhergehen.’

Damit sich eine möglichst grosse Breitenwirkung in Richtung nachhaltiger Landwirtschaft erzielen lasse, müssten alle Familienmitglieder einbezogen sein. Deshalb sei es wichtig zu verstehen, wer im Haushalt überhaupt Zugang zu einem Mobiltelefon hat, um die digitalen Beratung nutzen zu können, und wie landwirtschaftliche Entscheidungen innerhalb der Familie zustande kommen. ’Darüber hinaus konzentrieren wir uns besonders auf eine effiziente und dem jeweiligen Land und Kontext angepasste Verbreitung nachhaltiger Landwirtschaftsmethoden innerhalb von lokalen Gemeinschaften’, so Nicole Harari, Projektkoordinatorin am Centre for Development and Environment der Universität Bern.

Start mit fünf Ländern auf zwei Kontinenten und weltweite Ausweitung

Das Projekt wendet sich an 50'000 Kleinbauernfamilien in Burkina Faso, Uganda, Tansania, Indien und Nepal sowie 250 private und staatliche landwirtschaftliche Beratungsdienste. Die Skalierung der Ergebnisse in mindestens sechs weiteren Ländern wird von Beginn weg durch ein breites Partnernetzwerk bestehend aus Landwirtschaftsministerien, NGOs, dem Privatsektor und regionalen und internationalen Organisationen miteingeplant, so dass Agripath eine möglichst grosse Breitenwirkung entfaltet.

Die aus Agripath gewonnenen Erkenntnisse werden in einem Toolkit für Anbieter digitaler Beratungsdienste zur Verfügung gestellt - sowohl in den Ländern, in denen das Projekt arbeitet, als auch weltweit. Darüber hinaus unterstützt das Projekt-Konsortium langfristig digitale Anbieter bei der Umsetzung und Anwendung. Die für die Forschung genutzte und weiterentwickelte App von Farmbetter wird frei als Download verfügbar sein.

Beratung vor Ort und digitale Lösungen kombinieren

Das Projekt soll auch neue Erkenntnisse liefern, welche Art der Beratung in welchen Fällen erfolgversprechend ist. Mit Hilfe eines neuartigen ’Mixed-Methods’-Ansatzes wird das Projekt digitale Datensammlung mit Feldexperimenten und randomisierten kontrollierten Studien verbinden. Damit werden die Auswirkungen von drei Varianten auf das Verhalten der Bäuerinnen und Bauern untersucht: eine rein digitale Lösung via einer Beratungs-App, die von den Bäuerinnen und Bauern selbst genutzt wird, ein Modell, bei dem die landwirtschaftlichen Beratenden die App in der Arbeit mit den Landwirtinnen und Landwirten nutzen, sowie ein hybrides Modell, bei dem die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern die digitale Beratung selbstständig und bei Bedarf mit Unterstützung von technischen Beratungsdiensten vor Ort nutzen können. Fokusgruppen und eine breit angelegte digitale Datensammlung, mit der sich Einstellungen und Verhalten messen lassen, werden zudem länderspezifisches Wissen zu Gender und der Beteiligung junger Menschen in der nachhaltigen Landwirtschaft liefern. ’Das ist für das kontextspezifische Design des digitalen Beratungs-Tools und damit dessen Akzeptanz zentral’, unterstreicht Nicole Harari.

Enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis

Agripath ist ein Projekt des Centre for Development and Environment (CDE) und des Instituts für Soziologie - beide Universität Bern - zusammen mit der Grameen Foundation USA, der Grameen Foundation Indien, dem International Centre of Insect Physiology and Ecology icipe sowie der Farmbetter Ltd. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) unterstützt es durch das TRANSFORM Programm mit fünf Millionen Franken. Das Projekt basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Beraterinnen und Beratern der Grameen Foundation sowie dem Start-up Farmbetter Ltd. Deren App stellt anwendungsorientierte Informationen zu nachhaltigen Landwirtschaftspraktiken zur Verfügung und fördert Klimaresilienz und Produktivität der kleinbäuerlichen Betriebe in Entwicklungsländern. Das Projekt startet 2021 und läuft bis 2025.