Eawag-Forscher Eberhard Morgenroth hat Einführungsvorlesung an der ETH Zürich gehalten

Eberhard Morgenroth

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Eawag-Forscher Eberhard Morgenroth, der designierte Nachfolger von Willi Gujer für die ETH-Professur Siedlungswasserwirtschaft, hat seine öffentliche Einführungsvorlesung im Auditorium Maximum der ETH gehalten. Das Video der Vorlesung findet sich hier . Im Interview erklärt er, warum er sich für diese Stelle entschieden hat, was er an der Eawag schätzt und warum er den ehemaligen Direktor der Eawag Professor Werner Stumm gerne kennen gelernt hätte.

Warum bist du Umweltingenieur geworden?

Eigentlich wollte ich ja Windräder bauen. Meine Entscheidung für das Umweltingenieurstudium basierte auf dem Wunsch, etwas für die Umwelt, die Gesellschaft zu tun. Ich habe aber relativ schnell gemerkt, dass ein Umweltingenieur nicht viel mit Windrädern zu tun hat. Als Schulabgänger weiss man kaum, worauf man sich genau einlässt.

Bist du - auch wenn du keine Windräder baust - zufrieden mit deinem Werdegang?

Die Zufriedenheit während meiner Studienzeit war geprägt von einigen Hochs und Tiefs. Man realisiert, dass man die Welt im Grossen nicht verbessern kann. Aber ich habe es geschätzt, in meinem Studium Naturwissenschaften und Technik zu verbinden. Und dass man mit einem guten Verständnis der Grundlangen und Prinzipien eine ganze Reihe praktischer Probleme lösen kann. Das hat mich stark motiviert und geprägt.

Du wirst die Aufgaben von Willi Gujer nach seiner Pensionierung übernehmen.

Richtig. Im Moment ist die Professur überlappend besetzt. Es ist eine sehr gute Art für mich, einen Einstieg zu bekommen. Ab Februar 2011, wenn Willi in Rente geht, werde ich das alleine machen.

Seit August 2009 bist du von der ETH Zürich angestellt und hast deine Forschungsgruppe an der Eawag. Wie beurteilst du diese Situation?

Auf der einen Seite ist es nicht einfach, in zwei verbundenen, aber doch getrennten Institutionen zu wirken. Auf der anderen Seite macht gerade das die Stelle für mich attraktiv: hier die Eawag, ganz auf Forschung und die Zusammenarbeit mit der Praxis ausgerichtet und da die ETH als Hochschule. Ich möchte keine der beiden Komponenten missen.

Welche Möglichkeiten werden dir an der Eawag geboten, die du vorher nicht hattest?

Die Eawag hat sehr viel zu bieten, eine kritische Masse und die Zusammenführung vieler Disziplinen. Die Möglichkeit sich an die Naturwissenschaften, die Sozialwissenschaften und die Systemanalyse anzubinden: an der Eawag ist all das unter einem Dach und die Kolleginnen und Kollegen sind sehr aufgeschlossen für gemeinsame Arbeiten. Im aQa kommt man schnell ins Gespräch. Wichtig ist aber auch die enge Anbindung der Eawag an die Praxis. Diese Spannung zwischen Grundlagenforschung und praktischer Umsetzung macht es hier besonders interessant. Trotzdem war es eine schwierige Entscheidung von der University of Illinois wegzugehen, denn Illinois ist eine aussergewöhnlich gute Universität mit exzellenten Bedingungen.

Welche Akzente möchtest du in deiner Forschung setzen?

Einerseits möchte ich die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen an der Eawag verstärken. Anderseits geht es mir um eine vorausschauende, auf zukünftige Themen hinblickende Forschung: Wo geht die Siedlungswasserwirtschaft hin in den nächsten 10 bis 50 Jahren?

Lautet der Titel deiner Einführungsvorlesung deshalb ‘Woher sollen wir unser Wasser nehmen’?

Ja, denn mein Anspruch an die Professur ist mehr als nur gute Verfahren zu entwickeln. Es müssen ganzheitliche Lösungen gefunden werden, um sauberes Wasser für den urbanen Gebrauch zu erhalten und auch sauberes Wasser wieder in den Naturkreislauf zurück zu geben.

Anderes Thema: Wie stellst du deine Work-Life-Balance sicher?

(lacht) Meine Frau hat mir einmal ein Poster mit dem Titel ‘Keep the Balance’ geschenkt. Auf dem Bild war ein Elefant, der auf einem Ball steht. Ich weiss bis heute nicht, was sie genau damit sagen wollte. Doch zurück zu deiner Frage: ich freue mich, wenn ich etwas mit meiner Familie unternehmen kann. Wir haben drei Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren, die uns in Trab halten.

Welches Buch liegt derzeit auf deinem Nachttisch?

Die italienischen Schuhe von Henning Mankell. Es liegen aber auch öfter Krimis auf meinem Nachttisch.

Wenn du einen Wunsch frei hättest: welchen lebenden oder toten Wissenschaftler würdest du gerne treffen?

Hmm? Wer sollte das sein? Werner Stumm, ja dem wäre ich gerne mal begegnet. Er ’schwebt’ immer noch durch die Eawag-Hallen und vereint in sich die Faszination und den Enthusiasmus für Forschung und Lehre. Es ist einfach ein Genuss, mit seinen Büchern zu arbeiten. Ich kenne ihn nur aus Anekdoten und Erzählungen. Mich interessiert, was für ein Mensch er war.

Das Gespräch führte Martina Bauchrowitz.