Erstmals Zeckenkontakte im zeitlichen und räumlichen Verlauf berechnet

ZHAW-Forschende haben erstmals berechnet, wo und wie häufig in der Schweiz im Jahresverlauf Menschen und Zecken aufeinandertreffen. Dazu haben sie über eine App gesammelte Beobachtungsdaten der letzten fünf Jahre ausgewertet. Künftig soll ein Modell das aktuelle Zecken-Risikopotenzial voraussagen.

Zwei Drittel aller Zeckenkontakte wie Zeckenstiche oder -sichtungen werden im durchschnittlichen Jahresverlauf zwischen Mitte April und Mitte Juli gemeldet. Dies zeigen die über 24’000 Beobachtungsdaten der interaktiven Präventions-App «Zecke», die in den letzten fünf Jahren von den App-Nutzenden erfasst und ausgewertet wurden. Die geografische Verteilung unterscheidet sich zudem saisonal: Im Frühling stechen Zecken zuerst in tieferen Lagen des Mittellandes, bevor im April und Mai vermehrt Meldungen aus den dicht besiedelten Zentren und beliebten Ausflugsdestinationen eintreffen. Da Zecken keine Hitze vertragen, bleiben die Zeckenkontakte nach einer Pause im Hochsommer auf tiefem Niveau, bevor sie zum Winteranfang ganz wegfallen. Gemäss ZHAW-Forscher Werner Tischhauser wirkt sich die Corona-Krise indirekt auf den aktuellen Jahresverlauf ein: «Aufgrund erster Daten ist anzunehmen, dass das veränderte Bewegungsmuster der Outdoor-Aktiven öfter zum Zeckenkontakt in Naherholungsgebieten führt als in den Vorjahren.»

Erstmals konnten ZHAW-Forschende darstellen, wo und wie häufig in der Schweiz im Jahresverlauf Menschen und Zecken aufeinandertreffen. Der raumzeitlichen Animation liegen Daten der Präventions-App «Zecke» zugrunde, die durch Nutzerinnen und Nutzer ab März 2015 bis Ende 2019 eingegeben wurden. Auf Basis der über 24’000 Zecken-Beobachtungsdaten wurde mit der «Kernel Density Estimation»-Methode für den Zeitraum von 30 Tagen und den Durchschnittswerten der letzten fünf Jahren die räumliche Verteilung der menschlichen Kontakte mit Zecken berechnet. Wie sich das veränderte Reiseund Freizeitverhalten über die ganze Zeckensaison 2020 auswirkt, wird auch ein aktuelles Forschungsprojekt noch detailliert zeigen. Denn ZHAW-Forschende analysieren mit Hilfe von geografischen Informationssystemen, Data Science und künstlicher Intelligenz während zwei Jahren über die «Zecke»-App gesammelte Daten, um ein raumzeitliches Risikomodell zu entwickeln. Dieses soll das Zecken-Risikopotenzial für die kommenden zwei Wochen voraussagen können, vergleichbar mit einer Wetterprognose. Es soll beispielsweise Lehrpersonen schon in der Planungsphase einer Waldprojektwoche helfen, das Zeckenrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.

Dass die vermehrte Outdoor-Aktivität während der Corona-Krise vermutlich öfter zum Zeckenkontakt führt, verdeutlicht sich beispielsweise bei den App-Daten zu Ostern. Dann gingen 2020 ähnlich viele Meldungen ein wie im Zecken-Rekordjahr 2018. «Trotzt ausbleibendem Osterstau am Gotthard kam es nicht zum vermuteten Einbruch der Zecken-Beobachtungen. Anscheinend hatte das sommerliche Wetter auch die Tessinerinnen und Tessiner nach draussen gelockt», vermutet Tischhauser. Da Zecken aktiv sind und beim Stich FSME-Viren oder Borrelien-Bakterien übertragen können, stellt sich auch in Corona-Zeiten die Frage nach dem Schutz vor einer FSME-Infektion. Laut Tischhauser gelten auch hier die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG): «Personen aus den Risikogruppen für COVID-19 sollten sich für eine FSME-Schutzimpfung zuerst mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt telefonisch absprechen. Diejenigen, die sich erstmals gegen FSME impfen lassen oder nach zehn Jahren den Impfschutz auffrischen wollen, sollen dies unverzüglich tun.» Es gebe laut BAG zudem keine Hinweise darauf, dass sich eine FSME-Impfung bezüglich einer möglichen Corona-Infektion negativ auf das Immunsystem auswirken würde.