ETH-Alumni als Innovationskraft

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ETH-Alumni als Innovationskraft
Hoch qualifizierte Menschen sind der grösste Innovationsmotor der Schweiz. Doch was braucht es für eine erfolgreiche Innovation? Wann ist eine Idee Überhaupt innovativ? Zwölf Absolventinnen und Absolventen der ETH Zürich teilen ihre Erfahrungen und Gedanken.

«Die ETH ist mit ein Grund, weshalb die Schweiz zu den innovativsten Ländern der Welt gehört »

Dominik Blunschy ist Nationalrat (Die Mitte) und Lead Engineer bei ti&m. Er absolvierte einen Master in Informatik an der ETH Zürich.

«Die Eidgenössischen Technischen Hochschulen sind für die Schweiz unverzichtbar. Sie sind mit ein Grund, weshalb die Schweiz zu den innovativsten Ländern der Welt gehört. Neben Spitzeninstitutionen wie der ETH garantiert aber auch das duale und durchlässige Bildungssystem der Schweiz hoch qualifizierte Nachwuchskräfte. Schliesslich gehören unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen zu den zentralen Innovations­treibern der Schweiz. Damit dies so bleibt, müssen sich die Hochschulen frei von Ideologie konsequent der Wissenschaft verpflichten. Gleichzeitig müssen bürokratische Hürden für die Wirtschaft abgebaut werden, die den Raum für Innovation schmälern.»

« Die ETH hat es schon früh verstanden, Leute zu rekrutieren, die keine Angst vor neuen Ideen haben »

«Innovation ist eine Geisteshaltung. Zum einen ist es dieses Nie-zufrieden-Sein, bis etwas perfekt ist, was man als typisch schweizerische Art bezeichnen könnte und was ich persönlich nur zu gut kenne. Zum anderen ist es eine Angstfreiheit. Wie sagte noch der Komponist John Cage?

Die ETH hat es schon früh verstanden, Leute zu rekrutieren, die keine Angst vor neuen Ideen haben. Gleichzeitig hat sie erkannt, dass es nicht genügt, Forschung zu betreiben und Patente einzureichen. Zentral ist, ob sich eine neue Idee auf dem Markt durchsetzt.»

Tilla Theus ist Inhaberin und Geschäftsführerin des Architekturbüros Tilla Theus und Partner. Sie absolvierte ein Diplom in Architektur an der ETH Zürich. Ausserdem ist sie Gönnerin der ETH Foundation.

«Bildung und die Neugier sind beides Rüstzeug, das die ETH ihren Studierenden mit auf den Weg gibt»

Beatrix Rauch Schmid ist Innovation Manager bei MUVON Therapeutics. Sie a bsolvierte einen MAS in Management, Technologie und Ökonomie an der ETH Zürich.

«Was ist Innovation? Was nur Hype oder falsche Prophezeiung? Das zu unter­scheiden, ist eine Herausforderung. Es hilft hier zu schauen, was innovative Lösungen, Methoden oder Produkte tun sollen: nämlich Bedürfnisse erfüllen. Und um diese Bedürfnisse, die teils gerade erst entstehen, zu ergründen, benötigt man Bildung und die Neugier, den Status quo zu hinterfragen. Beides ist Rüstzeug, das die ETH ihren Studierenden mit auf den Weg gibt. Und noch mehr: Programme wie der Accelerator Wyss Zurich der ETH und der Uni Zürich, der unser Start-up fördert, vereinfacht es zu gründen, was wiederum die direkte Umsetzung einer Vision zur Innovation unterstützt.»

«Für mich ist Innovation das Lösen von Problemen auf neue und kreative Weise. Die kleine Grösse der Schweiz sowie unser Fokus auf weiterführende Bildung machen uns zu einem europäischen Ausreisser in Sachen Innovation. Zusätzlich bietet unsere Wirtschaftspolitik im Vergleich zu anderen Ländern gute Anreize, erfinderisch tätig zu sein und eine Firma zu gründen. Dieses Gut müssen wir mit allen Mitteln schützen. Was wir als Gesellschaft allerdings noch verbessern können, ist die Fehlerkultur. Dies kann jeder von uns tun, indem wir Unternehmertum loben und missratene Versuche und Versagen als Teil des Weges akzeptieren. Wir müssen risikofreudiger werden!»

Luca Di Tizio ist CTO bei Microcaps b. Er asolvierte einen Master in Ingenieurwissenschaften an der ETH Zürich.

Bigna Salzmann ist Sustainability & Circularity Lead bei Freitag. Sie absolvierte einen Master in Ökologie und Evolution an der ETH Zürich. Ausserdem ist sie Gönnerin der ETH Foundation.

«Innovation bedeutet, Zukunft zu kreieren und etwas noch nicht Dagewesenes zu schaffen. Dazu braucht es eine Vision und Mut, über das Existierende hinauszudenken. Und es braucht Vorbilder und Inspirationsquellen. Ich selbst versuche in meiner Arbeit, andere zu inspirieren, indem ich Bestehendes mit dem Blick auf Systeme neu denke und Wissen teile. Ich bringe Leute zusammen, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Und genau das tut auch die ETH Zürich. Sie zieht Personen aus der ganzen Welt an, die in unterschiedlichen Umgebungen aufgewachsen sind und diverse Geschichten mitbringen. Und diese Diversität ist wichtig für Innovation.»

«Radikale Innovation, das hat die ETH verstanden, braucht Grundlagenforschung und einen langen Atem. Der allein reicht aber nicht: Es braucht auch eine Frustrationstoleranz, weil die Suche nach etwas Neuem, das Wert hat, sehr wahrscheinlich nicht so verlaufen wird, wie man sich das erhofft. Ich versuche als , der Menschen in Austausch miteinander bringt, meinen Beitrag zu einer innovativen Schweiz zu leisten. Denn damit Teams innovativ sind, müssen sie eine hohe Diversität haben und gleichzeitig nicht zu divers sein. Sie müssen kreativ sein, aber auch Märkte und Bedürfnisse verstehen. Kreativität allein reicht nicht.»

Denniz Dönmez ist Director of Agile Transformation for Data, Analytics & AI und Inhaber von Enabling Structures. Er absolvierte ein Doktorat in Organisationspsychologie an der ETH Zürich.

Manuel Suter ist Stellvertretender Direktor am Bundesamt für Cybersicherheit. Er absolvierte ein Doktorat in Political Science and Government an der ETH Zürich.

«Bedrohungen treiben Innovationen in der Cybersicherheit an. Denn wenn wir neuen Herausforderungen ausgesetzt sind, müssen wir diesen mit neuartigen Ansätzen begegnen. Doch Innovationen entstehen nur dann, wenn Akteure mit unterschiedlichen Perspektiven auf Argumente anderer eingehen und die eigenen Ansätze weiterentwickeln. In der direkten Demokratie üben wir dieses Vorgehen. Der offene Dialog in der Schweiz braucht aber fundierte Fakten. Diese immer wieder zu prüfen, ist die Rolle der Wissenschaft. Die ETH als eine der weltweit führenden Universitäten ist deshalb für den Dialog und damit auch für die Innovationsfähigkeit unseres Landes unverzichtbar.»

«Innovation ist ein wichtiger Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlichen Fortschritt. Oft wird Innovation mit Erfindung gleichgesetzt. Ich bevorzuge aber eine umfassendere Sicht: erfolgreiche Innovation = Erfindung + Implementation + Diffusion. Es geht also um eine Erfindung, aber auch um deren Umsetzung und Marktdurchdringung. Die Schweiz hat ausgeprägte Stärken in vielen der Innovationstreiber, allen voran in den Bereichen Forschung, Bildung und Geld. Wo ich noch viel Potenzial sehe, ist beim Mut zum Ausprobieren - und dabei zwangsläufig auch mal zünftig zu scheitern.»

Myke Näf ist Co-Founder und Managing Partner bei Übermorgen Ventures. Er absolvierte einen Master in Informatik an der ETH Zürich.

Oriana Kraft ist Gründerin des FemTechnology Summit. Sie absolvierte einen Bachelor in Humanmedizin an der ETH Zürich.

-Ansatz für eine erfolgreiche Innovation. Was Innovation aber immer antreibt, sind das Infragestellen des Status quo, Optimismus und der Glaube, dass Dinge besser sein können, als sie es aktuell sind. Innovation ist nie passiv, sondern immer ein Tun und Interaktion. Reibung ist daher unabdingbar. Sei es in Form von Unbehagen oder Ärger. Oder aber in einem kreativen Sinne, dass verschiedene Disziplinen miteinander interagieren und unterschiedliche Perspektiven einbringen. Diese Interdisziplinarität, die auch die ETH Zürich lebt, ist ein Teil dessen, was sie zu einem innovativen Ort macht.»

«Eine Innovation muss einen signifikanten Mehrwert bieten oder bestehende Pro­bleme auf neuartige, effektivere oder effizientere Weise lösen. In meiner Arbeit versuche ich, durch direkte finanzielle oder sachliche Investitionen Projekte zu unterstützen, die die Digitalisierungsund Innovationskraft des Landes weiter stärken. Die politische Stabilität, der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten und ein reger Wissensaustausch schaffen bereits ein zuverlässiges Umfeld. Gleichzeitig zieht die Schweiz Talente aus aller Welt an, die hier grossartige Ausbildungsmöglichkeiten finden. Die ETH spielt dabei eine besonders wichtige Rolle und legt grossen Wert auf die Entwicklung zukünftiger Führungskräfte, die innovative Lösungen vorantreiben können.»

Garif Yalak ist Director Country Digital Transformation bei Cisco Systems Schweiz. Er absolvierte ein Doktorat in Bioinformatik/Biomedizin an der ETH Zürich.

Lukas Ambühl is Co-Founder und Co-CEO von Transcality. Er absolvierte einen Bachelor in Bauingenieurwissen­schaften, einen Master in Management, Technologie und Ökonomie sowie ein Doktorat in Verkehrstechnik an der ETH Zürich. Ausserdem ist er Gönner der ETH Foundation.

- ein Prozess, der in der Forschung beginnt und in der Praxis seine Fortsetzung findet. In meinem Werdegang hat die ETH Zürich eine zentrale Rolle gespielt, indem sie mir Freiheit in der Forschung und finanzielle Unterstützung durch die ETH Foundation für die Gründung eines Spin-offs bot. Dafür bin ich sehr dankbar. Denn diese Unterstützung fördert nicht nur Unternehmertum, sondern sie stärkt auch das Innovationsökosystem, indem sie mich mit anderen Forschenden und Gründer:innen vernetzt. Nur so finden risikoreiche Ideen die passende Unterstützung - und aus einem Wagnis wird eine konkrete Innovation.»

«Das Umfeld trägt wesentlich dazu bei, ob Innovation gelingt. Die ETH Zürich bietet mit ihren umfassenden Initiativen zu Entrepreneurship und Angeboten wie ETH Juniors, dem Student Project House, und dem Entrepreneur Club ein perfektes Ökosystem für Innovation und den Schritt in die Start-up-Welt. Als Alumna der ETH Juniors bin ich Teil eines riesigen Netzwerks von inspi­rierenden Menschen, die mich schon in vielen Momenten meiner Karriere unterstützt haben. Dieses Vertrauen und dieser Zusammenhalt sind es auch, die ein Team auszeichnen - neben einem offenen Mindset, geteilter Entschei­dungskompetenz und radikaler Trans­parenz.»

Rea Sodero is Co-Founder und CEO von Planlabs. Sie absolvierte einen Bachelor in Materialwissenschaft und einen Master in Management, Technologie und Ökonomie an der ETH Zürich.

Dieser Text ist in der Ausgabe 24/02 des ETH-Magazins Globe erschienen.

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