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Feierlicher Applaus zum Schluss: Nach einer intensiven ETH-Woche präsentierten d

Feierlicher Applaus zum Schluss: Nach einer intensiven ETH-Woche präsentierten die Teams am Freitag ihre Ideen für die Gesundheit von morgen. (Bild: ETH Zürich / Alessandro Della Bella )

Von Genetik über personalisierte Medizin bis hin zu Krankenversicherung und Klimawandel: An der ETH-Woche 2021 setzten sich 120 Studierende aller Studiengänge aus 31 Ländern mit dem grossen Themenkomplex «Gesundheit von morgen» auseinander.

«Es ist spannend zu sehen, in welch kurzer Zeit man sich in komplexe Probleme einarbeiten und Lösungsansätze entwickeln kann», sagt Lea Rotondi, Masterstudentin im zweiten Semester am Departement Gesundheitswissenschaften und Technik (D’HEST). Gemeinsam mit 120 anderen Studierenden aus 31 Ländern ist sie am Sonntag vor gut einer Woche in die ETH-Woche 2021 gestartet. In nur fünf Tagen mussten sich die Studierenden aufgeteilt in Teams in das umfassende Thema der «Health for Tomorrow» einarbeiten, um dann am sechsten Tag innovative Projektideen zu präsentieren.

Erstmals an zwei Standorten

Die ETH-Woche fand in diesem Jahr zum sechsten Mal statt. Dabei wurde sie erstmals als sogenannte Hub-Edition umgesetzt. Dazu waren die 15 Teams auf zwei Standorte - neun auf dem Campusgelände der ETH Zürich auf dem Hönggerberg und sechs am Universitätsspital Balgrist - aufgeteilt. Bei der Eröffnungsveranstaltung und bei Experten-Vorträgen waren sie via Live-Stream miteinander verbunden. Zur Abschlussveranstaltung kamen alle Teams auf dem Hönggerberg zusammen.

Zudem gab es diesmal erstmals eine umfangreiche Berichterstattung auf verschiedenen Social-Media-Kanälen, um das hybride Format zu ergänzen.

Innovative Ideen zu Gesundheit und Wellbeing

Mit dem Gesundheitsthema folgte die ETH-Woche auch in diesem Jahr ihrem Ursprungskonzept, Lösungsansätze für die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu entwickeln. Gesundheit und Wohlergehen für alle ist das Ziel Nummer 3.

«Gesundheit zählt zu den grossen Themen der Menschheit und umfasst verschiedene Ebenen», sagt Margrit Leuthold. Sie war am Future Health Technologies Programm am Singapore ETH Centre beteiligt und hat gemeinsam mit Wolfgang Langhans, Professor Emeritus am D’HEST, als Ideengeberin die Inhalte der Lehrveranstaltung konzipiert. «Neben der persönlichen Ebene, also den Genen und psychosozialen Faktoren, gibt es die Expertensowie die gesellschaftliche Ebene. Zudem ist Gesundheit ein wichtiger ökonomischer Faktor.» Hinzu kämen globale Aspekte bis hin zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Umwelt und Klimawandel.

Damit die Studierenden möglichst viel möglichst schnell über das Thema Gesundheit lernen konnten, standen am vergangenen Montag Exkursionen zu Unternehmen und Organisationen aus dem Gesundheitssektor an, gefolgt von einer Knowledge Fair mit Expertengesprächen am Dienstag. Um diese Inputs zusammenzuführen und Ideen zur Lösung relevanter Gesundheitsfragen zu entwickeln, wurden die Teams schliesslich am Mittwoch in das Design-Thinking eingeführt. Die gesamte Woche über standen den Teams extra ausgebildete Coaches zur Seite.

Zeitdruck und komplexer Teamprozess

Nicht allein die Menge an Informationen und der Zeitdruck stellten dabei für die Studierenden eine Herausforderung dar. «Leute aus anderen Studiengängen denken anders», stellt Michelangelo Gautschi unumwunden fest. Er steht kurz vor seinem Masterabschluss in Gesundheitswissenschaften und Technologie am D’HEST und ist persönlich vom Thema betroffen. Bei einem Unfall verlor er ein Bein, weshalb sich sein Team «Bether» dazu entschloss, eine Lösung für bequemere Prothese zu entwickeln.

«Es ist ein stark iterativer Prozess», berichtet auch Jonas Heitmayer, der ebenfalls am D’HEST sein Masterstudium absolviert. «Man redet teilweise aneinander vorbei, und sehr viel Arbeit wird wieder verworfen.»

Genau aus diesem Grund hat sich auch Teruyuki «Teru» Yamasaki für die ETH Woche angemeldet. Der Biologiestudent aus Japan ist für ein Semester an der ETH Zürich. Er möchte mehr über Technologien lernen und war besonders von den Experten vom Cybathlon begeistert.

Realisierbare neue Lösungsansätze finden

«Es war auch schwierig, einen ganz neuen Ansatz zu finden, der tatsächlich umsetzbar ist», berichtete Luana Schena. Die Geographiestudentin ist im fünften Semester ihres Bachelorstudiums und aufgrund einer Augenkrankheit so gut wie blind. Auch ihr Team «Eye of Providence» entschied sich dafür, eine Lösung für Schenas reale Probleme zu entwerfen. Es entwickelte ein Konzept für ein smartes Navigationsgerät, mit dem sich Blinde in unbekannten Gebäuden, wie zum Beispiel einem Spital, besser zurechtfinden. Mazda Farshad, medizinischer Direktor der Universitätsklinik Balgrist, zeigte sich bei der Präsentation am Abschlusstag begeistert. «Unser Spital hat wiederholt Überlegt, eine solche Lösung nicht allein für Blinde, sondern für alle Menschen mit Einschränkungen zu entwickeln.»

Wie sehr sich die Diskussionen und Anstrengungen der vergangenen Tage gelohnt haben, machte die Abschlussveranstaltung am Freitag auf dem Hönggerberg deutlich. Nachdem die Teams am Donnerstag ergänzenden Input von Expertinnen und Experten zu ihren Projektideen erhalten hatten, stellten sie diese auf kreative Weise ganz ohne Power-Point-Folien den Expertenjurys und den anderen Teams unter viel Beifall vor.

Gefeierte Präsentationen und neue Freunde

Rektorin Sarah Springman, Schirmherrin der ETH Woche, und Julia Dannath-Schuh, ETH-Vizepräsidentin für Personalentwicklung und Leadership, verkündeten dann gemeinsam die Gewinnerteams. Der Jury Award für die Teams vom Balgrist ging an Team «Eye of Providence», für den Hönggerberg an Team «Shi-er sharks», das die Krankenhaushygiene mithilfe eines fluoreszierenden Desinfektionsmittels verbessern will. Beide erhielten einen Kochtopf mit Zutaten für einen Teamabend. Das Team «Peace & Love» sah ein Schutzzelt aus innovativen Materialien für Panikattacken vor und holte den Peer-to-Peer Gesamtsieg für beide Standorte. Es kann sich über eine Yogastunde und einen gemeinsamen Brunch freuen. Team 4 «No Pressure» wurde mit ihrer App für personalisierte, holistische Medizin zweiter und konnte sich ebenfalls über den mittlerweile traditionellen Kochtopf freuen.

Auch wenn die anderen Teams keinen Preis mit nach Hause nehmen konnten, gingen alle Teilnehmenden nach dieser, wie es Florian Rittiner formulierte, «super langen und intensiven Woche» mit neuen Ideen und disziplinenübergreifenden Kontakten nach Hause. «Ich habe in kurzer Zeit ganz viele Leute kennengelernt», freut sich Austauschstudent «Teru» Yamasaki. Und Jonas Heitmayer sagt: «Ich Überlege, im nächsten Jahr wieder mit dabei zu sein.»

Inken De Wit

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