Feinste Handarbeit

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Die Bronzehand von Prêles inklusive eines nachträglich im Grab gefundenen Finger

Die Bronzehand von Prêles inklusive eines nachträglich im Grab gefundenen Fingers. P. Joner, Archäologischer Dienst des Kantons Bern

Beim archäologischen Dienst des Kantons Bern staunte man im Herbst 2017 nicht schlecht, als dort zwei Privatpersonen einen verkrusteten Metallklumpen ablieferten. Darin verbarg sich ein sensationeller Fund: Die Bronzehand von Prêles, verziert mit einem Band aus Gold, sollte sich als älteste Bronzeplastik eines menschlichen Körperteils in Mitteleuropa herausstellen. Doch woher stammten die Metalle des Sensationsfunds? Empa-Forschende waren an der Untersuchung beteiligt.

Marianne Senn von der Empa-Abteilung «Advanced Analytical Technologies» kennt sich aus mit Metallen. Als führende Forscherin im Bereich der Archäo-Metallurgie hat sie schon zahlreiche Analysen an historisch wertvollen Relikten durchgeführt. So auch an der Bronzehand von Prêles. Mit einem fachmännischen Blick durch das Mikroskop konnte sie rasch erkennen, dass das Metall gegossen wurde - eine für damals fortschrittliche Technologie. Darauf deutet die Struktur der Dendriten unter dem polarisierten Licht hin.

Senn und dem Team war es dann überlassen, die «inneren Werte» des Artefaktes an die Oberfläche zu holen. Um zu bestimmen, woher das Metall der Hand von Prêles tatsächlich kam, war es nötig, Proben aus dem Inneren der Plastik zu entnehmen - natürlich ohne das Objekt allzu stark zu beschädigen. Dazu bohrte das Team ein Loch in die fragile Plastik und konnten so Späne des Materials unterhalb der korrodierten Metalloberfläche entnehmen. Dieser Prozess war nicht ungefährlich - das Artefakt ist äusserst zerbrechlich, für die Bohrung konnte die Hand nicht in einen herkömmlichen Schraubstock eingespannt werden. Ein Negativ des 3D-Modells schaffte Abhilfe. Restauratorin Sabine Brechbühl vom archäologischen Dienst verpackte die Bronzehand in ein Negativ dieses Modells, was den Druck beim Bohren optimal verteilte. Die Späne gingen dann zur Analyse ins Welschland.

Die freigelegte Oberfläche offenbart im Auflichtmikro-skop im polarisierten Licht feine Dendriten, die typisch für gegossene Bronze sind. Bild: Empa

Die Späne wurden dann bei Metallor in Neuchâtel, an der Uni Genf und beim CEZ Archäometrie in Mannheim analysiert. Bisheriges Fazit: Das Metall, aus dem die Hand gefertigt wurde, stammt aus unterschiedlichen Quellen. Die Signatur des Kupfers spricht für einen Abbau im «Massiv Grandes Rousses» in den französischen Alpen, erklärte Barbara Beck von der Universität Lausanne am «Table ronde» des Archäologischen Dienstes Ende Oktober. Allerdings könnte das Metall auch aus dem Val d’Anniviers im Wallis stammen. Das Forscherteam geht davon aus, dass das Gold für das Armband aus Irland oder aus Schleswig-Holstein, das Zinn aus Cornwall oder dem Erzgebirge stammt. Um Bronze herzustellen, ist Zinn nötig, und das gab es nur an wenigen Orten. Die Materialzusammensetzung der Bronzehand liefert also Hinweise auf florierende Handelsbeziehungen in der damaligen Zeit.

Das Alter der Bronzehand konnten die Forscherinnen und Forscher dank dem pflanzlichen Klebestoff bestimmen, mit dem das Goldband an der Hand befestigt worden war. Ganze 3500 Jahre alt ist die Bronzehand von Prêles. Radiokarbondatierungen ergaben, dass das Fundstück in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts v. Chr. hergestellt wurde. Es scheint, dass die Person, die mit dieser Hand begraben worden war, ausgesprochen wichtig gewesen ist. Bei Nachgrabungen fanden Archäologen an der Fundstätte der Hand nämlich nebst den Knochen eines erwachsenen Mannes eine bronzene Gewandnadel, Haarschmuck sowie Reste vom Goldblech, die von der Bronzehand stammen dürften. Also allesamt Grabbeigaben, die darauf hindeuten, dass es sich bei dem Toten um eine Person von Bedeutung gehandelt haben muss.