Flohkrebse: Wundersamer Zuwachs an Biodiversität

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Zwei von über 40 in der Schweiz vorkommenden Flohkrebsarten. (Eawag, Jonas Stein

Zwei von über 40 in der Schweiz vorkommenden Flohkrebsarten. (Eawag, Jonas Steiner)

Bis vor kurzem ging man von rund 20 Flohkrebsarten aus, die in der Schweiz heimisch sind. Ein Projekt des Wasserforschungsinstituts Eawag und der Universität Zürich hat nun gezeigt, dass es über 40 Arten sind. Genau hinschauen lohnt sich, denn nur was man kennt, kann auch geschützt werden.

Die erfreuliche Botschaft über die grosse Vielfalt der Flohkrebse (Amphipoden) ist kaum auf ein effektives Wachstum der Biodiversität zurückzuführen, sondern vielmehr auf das genauere Hinschauen der Forschenden. Sie haben in einem gross angelegten Forschungsprojekt unter der Leitung von Florian Altermatt die Flohkrebse der Schweiz untersucht. Dabei wurde in allen Umgebungen, auch im Grundwasser und in Höhlen, nach den millimeter-grossen Tierchen gesucht und dabei bisher mindestens 40 eigenständige Arten bestimmt. Sechs Arten wurden im Rahmen des Monitorings weltweit erstmals gefunden und neu beschrieben.

Video auf youtube zum Projekt Amphipod.CH
(Eawag; Jonas Steiner, Andri Bryner; 4 min)

Die Forschungsergebnisse wurden schon 2019 in einem Buch über die Flohkrebse der Schweiz in der Reihe Fauna Helvetica zusammengefasst. Jetzt ist auch der online Bestimmungsschlüssel bereit. Auf: ekey.amphipod.ch können Fachleute und interessierte Laien «ihren» Flohkrebs selbst bestimmen.

Die Zeichnungen im Buch zeigen die grosse Vielfalt innerhalb der Flohkrebse. (Eawag, CSCF)

Flohkrebse gehören zu den wichtigsten wirbellosen Organismen im Wasser. Sie haben zentrale ökologische Funktionen, beispielsweise als Nahrung für Fische oder beim Abbau von Laub. Sie haben unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum und die Wasserqualität. So könnten sie noch viel besser als heute für das Gewässermonitoring genutzt werden.

Viele Helferinnen und Helfer

Dass bisher erstaunlich wenig bekannt war über die Flohkrebse liegt nicht nur an der Grösse der Tierchen, sondern auch daran, dass sie teils gut versteckt leben. «Es ist überraschend, wie es auch in Mitteleuropa noch grosse Lücken im Biodiversitätswissen gibt», sagt Florian Altermatt, «einer der Gründe, warum ich vor acht Jahren das Projekt lanciert habe». Die Mithilfe von Höhlenforscherinnen und -forschern sowie von Wasserversorgern im Projekt www.amphipod.ch hilft den Wissenschaftlern daher sehr. «Wir rechnen damit, dass noch einige Arten dazukommen in nächster Zeit», sagt Roman Alther, welcher an der Eawag Abteilung für aquatische Ökologie massgeblich im Projekt mitarbeitet. Aber Alther weiss auch, dass einige der Arten bereits bedroht sind. Umso wichtiger sei das Projekt, damit man eine Grundlage habe, um Veränderungen überhaupt zu bemerken. «Denn», so sagt Alther im kurzen Video, «schützen kann man nur, was man kennt.»

Bilder, Zeichnungen und Verbreitungskarten (hier von Gammarus fossarum) sind zentrale Teile im Buch.

Altermatt, F.; Alther, R.; Fi¨er, C.; ¦vara, V. (2019) Amphipoda (Flohkrebse) der Schweiz. Checkliste, Bestimmung und Atlas, 389 p, Institutional Repository