Gruppenarbeiten per Videokonferenz

Virtuelle Projektwoche an der Fachhochschule Graubünden

15. Mai 2020

Projektwochen leben vom Austausch, den Diskussionen, den gemeinsamen Übungen. Doch was geschieht, wenn all dies wegen der Corona-Krise nicht mehr möglich ist? Die Studierenden des MAS Information Science an der Fachhochschule Graubünden haben die Herausforderung angenommen und ihre Projektwoche virtuell durchgeführt. Dabei erlebten sie nicht nur viele Stunden am Bildschirm, sondern auch einen grossen Team-Spirit. Der krönende Abschluss bildeten die virtuelle Schlusspräsentation im Beisein des Auftraggebers und der anschliessende Online-Apéro.

In der Projektwoche der Quereinsteiger-Ausbildung MAS Information Science bearbeiten die Studierenden jeweils eine konkrete Aufgabenstellung aus der Archivoder Bibliothekspraxis und präsentieren ihre Ergebnisse zum Abschluss der Woche den Auftraggebern. «Trotz Corona wollten wir auch heuer nicht auf diese traditionelle Projektwoche verzichten», sagt Ivo Macek, Studienleiter am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft (SII) an der FH Graubünden. Dass dies erstmals komplett virtuell möglich war, verdankten die Studierenden ein Stück weit auch dem «dankbaren» Projektauftrag des Staatsarchivs Graubünden, wie Macek erklärt.
So ging es bei der Aufgabenstellung in diesem Jahr um eine möglichst flächendeckende Bestandserhebung und Befragung der im Kanton Graubünden ansässigen Kulturarchive und Dokumentationsbibliotheken. «Mit einigen Herausforderungen lässt sich dies sehr gut virtuell, beziehungsweise im Home Office erledigen», so Macek. Recherchieren, Listen erstellen oder einen Kriterienkatalog erarbeiten ist mit einem guten Internetanschluss problemlos auch von zuhause aus möglich. Umständlicher sind Gruppenarbeiten und der Austausch untereinander.

Kreative und ergiebige virtuelle Diskussionen
Und so waren eine übersichtliche Struktur und eine klare Zeiteinteilung etwas vom Wichtigsten für diese Projektwoche. Jeden Morgen um 9 Uhr trafen sich die Studierenden mit Studienleiter Ivo Macek und Co-Betreuer Urs Kappeler zum virtuellen Austausch. «Diese regelmässigen Meetings waren sehr hilfreich», sagt etwa die Studierende Daniela Maag. «Das hat der Woche einen roten Faden gegeben und mir persönlich sehr geholfen, einen angenehmen Arbeitsrhythmus zu finden.» In Gruppen erarbeiteten die Studierenden dann jeweils verschiedene Themenbereiche - «sehr oft am Telefon und in Videokonferenzen, wo wir auch den Bildschirm teilen konnten», wie Maag erzählt. Es seien erstaunlich kreative und ergiebige Diskussionen möglich gewesen.

Wie erwartet gab es jedoch auch den einen oder anderen Wehmutstropfen. «Der persönliche Austausch bei den Gruppenarbeiten hat mir gefehlt», sagt Studierende Sarah Flühler. Und so verunmöglichte die Corona-Pandemie auch den so wichtigen direkten Kontakt mit den Mitarbeitenden der Kulturarchive und Bibliotheken. Weil die Umfragen per Mail durchgeführt werden mussten, war die Möglichkeit für Rückfragen zudem erschwert. «Dass wir mit dem Thema Interesse geweckt haben und das Vorgehen der Studierenden ansprechend war, zeigt jedoch der hervorragende Rücklauf bei der Online-Umfrage», sagt Studienleiter Macek.

Hilfreiche Inputs für das Staatsarchiv
Und so verbrachten die Studierenden nicht nur vor, sondern auch während der Projektwoche Stunden vor dem Bildschirm. In den letzten Tagen konnten sie in regelmässigen virtuellen Rapports mit ihren Betreuenden den Stand ihrer Arbeiten besprechen, bevor dann am Freitag ebenfalls virtuell die Schlusspräsentationen stattfanden - in Anwesenheit des Auftraggebers, des Bündner Staatsarchivars Reto Weiss und seines Stellvertreters, Sandro Decurtins. Abwechselnd präsentierten die Studierenden aus ihren Wohnzimmern heraus die Ergebnisse ihrer Arbeiten: Ihre Empfehlungen für einen Leitfaden, ihre Erkenntnisse über die Bestände und Arbeitsweisen der Kulturarchive und Dokumentationsbibliotheken in Graubünden sowie deren Vermittlungsaktivitäten.
«Ich bin beeindruckt von der engagierten Arbeit der Studierenden und ihrer virtuellen Präsentation», sagt denn auch Staatsarchivar Weiss. Die Ergebnisse seien für die geplante Erarbeitung eines Leitfadens zum Führen von Kulturarchiven sehr hilfreich. «Es ist viel Wertvolles zusammengekommen», so Weiss.

Stolz zeigt sich denn auch der Studienleiter: «Wir hoffen, dass wir mit unseren Arbeiten eine nachhaltige Wirkung erzielen können», sagt Macek. Besonders freue ihn, dass das Experiment «virtuelle Projektwoche» so erfolgreich durchgeführt werden konnte. Vom Kick-off über die Projektteamsitzungen, die Datensammlung und -auswertung bis hin zur Abschlusspräsentation fand alles im virtuellen Raum statt. Rechtzeitig hatte er im Voraus seinen Studierenden per Post ein Apéro-Starterkit zugeschickt, so dass nach der Schlusspräsentation gemeinsam auf die aussergewöhnliche Woche angestossen werden konnte.

Weitere Details:

Master of Advanced Studies (MAS) Information Science: fhgr.ch/mas-is