«Ich habe Gänsehaut»

Das erste Bild des James-Webb-Weltraumteleskops zeigt tausende von Galaxien. NAS

Das erste Bild des James-Webb-Weltraumteleskops zeigt tausende von Galaxien. NASA

Die Nasa hat am 11. Juli das erste Bild, das durch das James Webb-Weltraumteleskop gemacht wurde, veröffentlicht. Am Bau eines der Messinstrumente des Teleskops beteiligt war auch der ETH-Astrophysiker Adrian Glauser. Im Interview erklärt er, was er beim Anblick des Bildes gedacht hat.

Die Nasa hat soeben ein erstes spektakuläres Bild vom James Webb Space Telescope (JWST) veröffentlicht. Was haben Sie dabei empfunden?
Eine grosse Freude und Genugtuung, dass alles so gut funktioniert. Nach fast 20 Jahren Entwicklungszeit ist es ein grosser Moment, nun endlich die ersten wissenschaftlichen Daten zu sehen.

Aus Laiensicht sehen die Bilder sehr spektakulär aus, fast ein bisschen wie eine Szene aus Star Wars. Was sehen Sie als Wissenschaftler?
Galaxien wie Sand am Meer. Dies ist nur ein winziger Ausschnitt des Alls und wir sehen tausende von Galaxien, die teilweise wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden, also 13,1 Milliarden Jahre alte Objekte. Wir sehen Galaxien in allen Farben und Formen, was sich auf die Auswahl der Farbfilter einerseits und auf die Prozesse in den Galaxien und deren Entfernung andererseits zurückführen lässt.

Entsprechen die ersten Bilder Ihren Vorstellungen?
Sie Übertreffen sie! Mit dem James Webb Space Telescope Deep Field - so heisst der Ausschnitt, welcher die NASA am 11. Juli veröffentlicht hat - sehe ich wie alle anderen den Himmel das erste Mal durch ein Fenster, das uns bis dahin verschlossen war. Wir konnten früher nur erahnen, was da zu sehen sein wird. Auf den Bildern, die heute Nachmittag veröffentlicht wurden, sehen wir Galaxien und Nebel in einer Schärfe und Detailgenauigkeit, die mich beinahe sprachlos machen. Ich habe jedenfalls Fall Gänsehaut bekommen.

Was dürfen wir als Laien noch erwarten?
Sehr viel. Das sind nur die allerersten Bilder, eine Art Vorschau auf das, was alles noch kommen wird. Das Hubble-Teleskop hat auch immer wieder neue fantastische Bilder geliefert, so wird es auch bei JWST sein. Aber zu den Bildern kommen all die Spektren und Daten, welche vielleicht nicht so schön aussehen, dafür wissenschaftlich umso interessanter sind.

Was erhoffen Sie sich vom weiteren Verlauf der Mission?
Dass die Grenzen unserer Vorstellung einmal mehr erweitert werden und wir uns Überraschen lassen dürfen von der Natur mit ihrer unglaublichen Schönheit und Vielfalt. Ich persönlich freue mich auf die Erkundung von Atmosphären von Exoplaneten, also Planeten, die um andere Sterne kreisen. JWST wird hier sehr viel Potential haben um diesen Forschungszweig um Grössenordnungen nach vorne zu bringen.

Zur Person

Adrian Glauser ist Senior Scientist am Institut für Teilchenund Astrophysik der ETH Zürich. Er war beteiligt an der Entwicklung eines Verschlussdeckels und Verbindungskabeln für ein Messinstrument des mittleren Infrarotbereichs (MIRI), welches das JWST mitführt. In den vergangenen 14 Jahren hat er an der Kalibrierung des MIRI mitgearbeitet. Glauser ist der Projektverantwortliche für die Schweizer Beteiligung an der Mission.

Peter Rüegg

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