Jeder Spatz zählt

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Unser häufigster Sperling ist der Haussperling. Das Männchen ist mit seinem schw

Unser häufigster Sperling ist der Haussperling. Das Männchen ist mit seinem schwarzen Latz, seinen grauen Wangen und dem grauen Scheitel einfach zu erkennen. Foto © Marcel Burkhardt

Gewusst? Unser Haussperling hat einen nahen Verwandten, den Italiensperling. Er brütet bei uns nur in der Südschweiz. In einem neuen Monitoringprojekt möchte die Schweizerische Vogelwarte den Bestand dieses international bedrohten Spatzen besser überwachen.

Sempach. - Sperlinge gehören zum Landschaftsbild, in Stadt und Land gleichermassen. Die kleinen Vögel sind einfach zu beobachten und wecken mit ihrem drolligen Verhalten auch viele Sympathien. Weniger bekannt ist dagegen, dass in unserem Land mehrere Sperlingsarten vorkommen: Sechs Arten sind es insgesamt, vier davon brüten auch in der Schweiz.

In Dörfern und Städten ist vor allem der Haussperling anzutreffen. Auf dem Land findet man den Feldsperling, der insbesondere im Winter auch in Gärten und an Futterstellen auftaucht. Er ähnelt dem Haussperling, hat aber im Gegensatz zu diesem ganz weisse Wangen mit einem schwarzen Fleck. Anders als beim Haussperling sind Männchen und Weibchen des Feldsperlings identisch gefärbt.

Eine dritte Art ist erst in den letzten Jahren in den Fokus des Interesses gerückt: Der Italiensperling, der den Haussperling in Italien und im Tessin ablöst, und -auch im Wallis und in Graubünden brütet. Er gleicht dem Haussperling stark. Das Männchen hat aber einen komplett rotbraunen Scheitel und weisse Wangen, während die Weibchen der beiden Arten am Aussehen nicht voneinander unterschieden werden können. Nach langen taxonomischen Debatten wird der Italiensperling seit einigen Jahren als eigene Art anerkannt.

Der Italiensperling ist auf der internationalen Roten Liste der gefährdeten Arten als ,,verletzlich" eingestuft, da in Italien lokal Rückgänge von bis zu 50% festgestellt wurden. In der Schweiz geht es dem Italiensperling noch etwas besser. Aber auch hierzulande zeigt sein Bestandstrend nach unten, weshalb er für den Vogelschutz im Tessin sehr wichtig ist. Die Schweizerische Vogelwarte startete deshalb 2020 ein Langzeitmonitoring, um die Bestandsentwicklung des Italiensperlings in der Schweiz besser zu kennen.

Die Ursachen für den Bestandsrückgang scheinen vielfältig. Vermutet wird der Rückgang von Nahrungsquellen durch übermässigen Pestizideinsatz. Auch der Verlust von Nistmöglichkeiten in Dörfern und Städten durch die Renovation alter Gebäude sowie die moderne Bauweise, bei der der Italiensperling keine Nischen zum Brüten mehr findet, scheinen wahrscheinlich. Auch wenn die international bedrohte Art bei uns stellenweise sehr häufig sein kann, ist der Italiensperling auf unsere Toleranz angewiesen und kann mit dem Anlegen eines Naturgartens und der Bereitstellung von Nistkästen gefördert werden.