Jedes fünfte KMU hat wegen der Coronakrise Mitarbeitende entlassen

über ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz hat in den letzten zwölf Monaten Entlassungen ausgesprochen, die Mehrheit davon wegen der Coronakrise. Besonders betroffen sind die Gastronomie und Hotellerie, zeigt das fünfte Coronavirus-KMU-Panel der ZHAW.

35 Prozent der Schweizer KMU mussten in den vergangenen zwölf Monaten Mitarbeitende entlassen. Bei mehr als der Hälfte davon (21 Prozent aller befragten Firmen) war der Grund dafür die Coronakrise. Besonders häufig waren solche Kündigungen in der Gastronomie und Hotellerie. Etwa jedes vierte KMU hält es zudem für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, im kommenden Jahr Entlassungen aussprechen zu müssen. Zu diesen Resultaten kommt die fünfte Erhebung des Coronavirus-KMU-Panels der ZHAW School of Management and Law. Für die Untersuchung befragten die ZHAW-Forschenden Anfang März 251 kleine und mittlere Unternehmen.

«Der Anteil der KMU, die seit Beginn der Krise Mitarbeitende entlassen mussten, ist in den vergangenen sechs Monaten stark angestiegen», erklärt Studienleiter Andreas Schweizer , Dozent für Corporate Finance & Corporate Banking an der ZHAW. «Im Hinblick auf ihre Zukunft sind die KMU dafür etwas weniger pessimistisch als bei unserer letzten Umfrage im September 2020.» So erwarten zwar 53 Prozent, dass sich Covid-19 negativ oder sehr negativ auf ihre Geschäftstätigkeit in den kommenden zwölf Monaten auswirkt. Dieser Wert liegt allerdings tiefer als in den vorhergehenden Umfragen. Rund jedes vierte Unternehmen beurteilt die Wahrscheinlichkeit als gross bis sehr gross, im Lauf der kommenden zwölf Monate in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. In der ersten Befragung im März 2020 waren es noch etwas mehr als die Hälfte.

Die aktuelle Nachfrage nach ihren Produkten stufen 49 Prozent der KMU als eher gut bis sehr gut ein. Das ist leicht weniger als im Herbst 2020. 43 Prozent geben weiter an, als Reaktion auf die Krise ihr Geschäftsmodell angepasst zu haben. «Die Mehrheit dieser KMU kann ihren Umsatzeinbruch dadurch allerdings nicht oder nur geringfügig kompensieren», ergänzt Schweizer.

Rund drei von zehn KMU haben einen vom Bund verbürgten Covid-19-Kredit beansprucht und diesen noch nicht oder nicht vollständig zurückbezahlt. «Die Rückzahlung dieser Kredite könnte für viele Unternehmen zum Problem werden», sagt Schweizer. 22 Prozent der Firmen, die einen Kredit beansprucht haben, gehen nämlich zurzeit davon aus, ihn voraussichtlich oder definitiv nicht vollständig zurückzahlen zu können. Im September 2020 lag dieser Wert noch bei 9 Prozent.

Die seit Anfang März 2021 umgesetzten Lockerungen der Coronamassnahmen wirken sich bei 57 Prozent der KMU weder positiv noch negativ auf die Geschäftstätigkeit aus. Etwa drei von zehn Firmen beurteilen sie als positiv. Kritisch eingeschätzt werden die Massnahmen vor allem in der Gastround Hotelbranche.

Die neue Ausgabe des «ZHAW Corona-KMU-Panels» schliesst an die vier vorhergehenden Befragungen vom März, April, Juni und September 2020 an. Für die aktuelle Studie haben die ZHAW-Forschenden vom 1. bis 10. März 2021 kleine und mittlere Unternehmen aus der ganzen deutschsprachigen Schweiz online befragt. Da ein grosser Teil bereits an den früheren Umfragen teilgenommen hat, wird ein Bild davon vermittelt, wie sich die wirtschaftliche Lage der KMU seit Ausbruch der Pandemie entwickelt. Im Interesse einer möglichst hohen Aktualität wurde auf eine komplett repräsentativ gewichtete Abdeckung sämtlicher Branchen und Unternehmensgrössen verzichtet.