Klimawandel und... Wasser

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Das ausgetrocknete Flussbett der Töss. (Foto: Gottardo Pestalozzi / WSL)
Das ausgetrocknete Flussbett der Töss. (Foto: Gottardo Pestalozzi / WSL)
Mehr Trockenperioden in Sommer und Herbst, gleichzeitig - so paradox es klingen mag - eine steigende Hochwassergefahr und langfristig weniger Schnee im Winter. Der Klimawandel verändert den Wasserhaushalt auf der Erde.

Es ist trocken geworden in der Schweiz Nach einer Studie des SLF hat in den vergangenen Jahrzehnten zwar die Dauer von Dürreperioden abgenommen, aber ihre Intensität hat zugenommen - im gesamten Alpenraum. Ein langfristiger Vergleich zeigt zudem: Schneemangel war in den Jahren 1994 bis 2017 rund 15 Prozent häufiger für niedrige Pegelstände in Schweizer Fliessgewässern verantwortlich als in den Jahren 1970 bis 1993. Fehlt Schnee im Winter, droht im darauffolgenden Sommer eine Trockenheit, wenn dann auch der Niederschlag ausbleibt.

Zwar ist für Schneearmut hauptsächlich fehlender Niederschlag verantwortlich. Die durch den Klimawandel bedingten, wärmeren Temperaturen verschärfen die Situation allerdings zusätzlich. Ist es im Winter zu warm, und es regnet statt zu schneien, wirkt sich das ebenfalls negativ aus: Der Niederschlag ist dann nicht temporär im Schnee gebunden, sondern ein grosser Teil des Wasser geht direkt in die Flüsse und Seen und fliesst ab. Dadurch fehlt der regulierende Effekt der Schneeschmelze für den Wasserhaushalt, sowohl in den Bergen als auch im Flachland.


Der Klimawandel verstärkt die Problematik durch einen weiteren Aspekt: Wird es immer wärmer, verdunstet mehr Wasser, die Böden und Flussbette trocknen schneller aus. Ein Wandel ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Laut SLF-Forschenden wird dieser Trend auch in Zukunft anhalten.

Das hat einen weiteren Effekt: Kommen dann doch Niederschläge, fallen sie auf harten, ausgetrockneten Boden und fliessen rasch ab. Die Gefahr von Hochwassern steigt. Die SLF-Forschungsgruppe Hydrologie und Klimafolgen in Gebirgsregionen untersucht daher unter anderem, wie Trockenheit und Hochwasser zusammenhängen. Das hilft langfristig auch Gemeinden, sich besser vor Extremereignissen zu schützen.

Doch es geht nicht nur um den Schutz der Menschen vor Extremereignisse. Trockenphasen haben auch ökonomische Folgen. Offensichtlich ist das bei der Landund Forstwirtschaft. Denn im Sommer und Herbst leiden die Pflanzen unter der Trockenheit, von Gräsern über Sträucher bis hin zu Bäumen. Hinzu kommt: Bei niedrigen Pegelständen können die Kantone die Entnahme von Wasser verbieten. Landwirtschaftliche Betriebe dürfen dann kein Wasser zum Bewässern entnehmen. Gleiches gilt für Gartenbesitzer.


Auch in der Höhe rechnen Forschende der WSL mit Problemen. Die Alpwirtschaft funktioniert nur, wenn genügend Frischwasser vorhanden ist. Bleibt dieses aus, endet die Saison früher, wie beispielsweise 2022. Im ebenfalls trockenen 2018 mussten Landwirte ihr Vieh sogar zum Teil notschlachten.

Knapp wird es auch für die Elektrizitätswirtschaft. Bleiben Niederschläge aus, geht die Produktion der Wasserkraftwerke zurück. Denn die Pegel in den Speicherseen sinken. Wichtig für die Schweiz sind auch die Wasserstrassen, insbesondere der Rhein. Denn die Häfen in Basel sind der grösste Umschlagplatz für Waren in der Schweiz. Niedrige Pegelstände zwingen die Schifffahrt, langsamer zu fahren und weniger zu laden.



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