Medizinethik in einer globalisierten Welt

Wie ist der Medizintourismus ethisch zu beurteilen? Was bedeutet eine kultursensitive Ethikberatung? Wie soll eine Ärztin reagieren, wenn eine junge Migrantin um die Wiederherstellung ihres Jungfernhäutchens bittet? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die Jahrestagung «Medizinethik in einer globalisierten Welt» der Akademie für Ethik in der Medizin, die vom 2. bis 4. September 2010 an der Universität Zürich stattfindet.

Medizinethische Konflikte unter den Vorzeichen der Globalisierung sind Gegenstand der diesjährigen Jahrestagung, die vom Institut für Biomedizinische Ethik der UZH durchgeführt wird. In Vorträgen und Plenardiskussionen werden zum einen konkrete, praktisch-normative Herausforderungen an Ärztinnen und rzte und Pflegende, Mitglieder von Ethik-Kommissionen, biomedizinische Forschende und Gesundheitspolitikerinnen und -politiker diskutiert. Zum anderen werden aber auch komplexe grundsätzliche Probleme berührt, so etwa die Frage nach einem «kleinsten gemeinsamen Nenner» in der Medizinethik und der diesbezüglichen Rolle von Menschenrechten, nach dem angemessenen Umgang mit kultureller Differenz oder den Ansprüchen globaler Gerechtigkeit.

Hauptvortragende sind international bekannte Expertinnen und Experten. Das Eröffnungsreferat bestreitet die Medizinethikerin Farhat Moazam, die nach vieljähriger Tätigkeit als Chirurgin und Ethikerin in den USA in ihr Heimatland Pakistan zurückgekehrt ist und sich besonders mit ethischen Problemen der Transplantationsmedizin befasst. Am zweiten Konferenztag erörtern hochkarätige Vertreter der (Medizin-)Ethik (Peter Schaber, Claudia Wiesemann, Ivan Ilkilic) und der Rechtsphilosophie (Kurt Seelmann), welche Rolle Konzepte wie Menschenrechte und Autonomie als Grundlagen einer universalen Bioethik spielen. Abschliessend werden die renommierte Medizinjournalistin Martina Keller, der Koordinator für Transplantationsfragen an der Weltgesundheitsorganisation, Luc Noel sowie der Medizinrechtler Jochen Taupitz die ethischen Implikationen des Handels mit menschlichen Geweben diskutieren.

Die Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin greift aktuelle gesellschaftliche und ethische Fragen der Medizin auf. Fachleute aus Medizinethik und Medizinrecht diskutieren mit Vertretern aus Heilberufen, Politik und Gesellschaft. Die Akademie für Ethik in der Medizin ist eine interdisziplinäre und interprofessionelle medizinethische Fachgesellschaft und hat ihren Sitz in Göttingen.