Mehr Einsatz für die SDGs

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Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030. ( un.org)

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030. ( un.org)

Die Sustainable Development Goals (SDGs) umfassen die wichtigsten Wegmarken für nachhaltige Entwicklung. Im Hochschulalltag sind die 17 Ziele aber noch zu wenig verankert. Das muss sich ändern, findet Christine Bratrich.

In Australien toben verheerende Buschbrände. Die Menschen in Éthiopien, Kenia und Somalia leiden unter einer beispiellosen Heuschreckenplage. Und in der Schweiz sind Gemeinden verunsichert, weil ihr Trinkwasser an manchen Orten so stark durch Pestizide verunreinigt ist, dass Brunnen geschlossen werden.

Die drei Beispiele zeigen: Nachhaltigkeit ist längst mehr als ein abstraktes, normatives Konzept. Sie betrifft uns alle, ganz konkret, hier und jetzt. Für Millionen von Menschen geht es bereits heute um die Existenz.

Wir Hochschulen stehen in der Pflicht

Um der Nachhaltigkeit einen weltweit gültigen Zielund Zeitrahmen zu geben, verabschiedeten die Vereinten Nationen (UN) die «Agenda 2030». Darin verpflichteten sich alle 193 UN-Mitgliedsstaaten einstimmig, die 17 «Sustainable Development Goals» (SDGs) umzusetzen.1 Die Ziele umfassen 169 Unterziele und schliessen ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichermassen ein. Die Themen reichen von Klimaschutz und Biodiversität über Bildung, Gesundheit und Gleichstellung bis hin zu Wirtschaftswachstum, Frieden und Gerechtigkeit.

Bei der Umsetzung dieser Ziele tragen die Universitäten eine besondere Verantwortung: Wir bilden die Entscheidungsträgerinnen von morgen aus. Unsere Forschenden schaffen Fakten in einer von Fake News verblendeten Welt. Häufig finden technische oder soziale Innovationen ihren Anfang im akademischen Umfeld. Es ist unsere Aufgabe, wissenschaftliche Erkenntnisse im Dialog mit der Gesellschaft einzuordnen und innovative Lösungen voranzutreiben. Und nicht zu Letzt ist es unser Auftrag und Anspruch, auf dem eigenen Campus vorbildlich zu handeln und unseren operativen Betrieb nachhaltig zu gestalten.

Zwar setzen sich an der ETH Zürich heute schon viele einzelne Akteure, wie zum Beispiel Kompetenzzentren, Departemente oder betriebliche Einheiten, für mehr Nachhaltigkeit und die Umsetzung der SDGs ein (siehe auch diesen Blogbeitrag ). Nur leider haben wir an unserer Hochschule (noch) kein gemeinsames Verständnis darüber, welchen Beitrag wir zusammen für die SDGs leisten können und wollen.

Diesbezüglich sehe ich Nachholbedarf: Viele Studierende kennen das Prinzip der SDGs noch nicht. Von knapp 4000 Lehrveranstaltungen im Herbst 2019 und Frühling 2020 erwähnen 100 das Thema Nachhaltigkeit in ihrer Kursbeschreibung oder bei den Lernzielen. Weniger als 30 dieser Lehrveranstaltungen führen das Thema im Titel, und nur eine nennt explizit die SDGs.

Wir müssen reden ’ und handeln

Es ist daher dringend, dass sich noch mehr Forschende und Lehrende aktiv und fächerübergreifend für die SDGs einsetzen. In diesem Sinne wollen wir im beginnenden Frühlingssemester einen konkreten Beitrag leisten. Erstmals startet eine ETH-weite Ringvorlesung zu den Zielen der Agenda 2030, in der Studierende und Forschende unseren Beitrag zu den SDGs offen und kritisch mit Menschen aus der Praxis diskutieren.

Das geplante Programm stimmt uns positiv: Mit 16 ETH-Dozierenden und 22 Gästen aus Wirtschaft, Gesellschaft, NGOs und Politik konnten wir viele engagierte Menschen gewinnen, die sich für eine nachhaltige Zukunft einsetzen. Darunter Personen aus dem globalen Norden und Süden, junge Führungskräfte und alte Hasen, etablierte Firmen und neu gegründete Start-ups.

Wir laden auch Sie ein, gemeinsam mit uns über unsere Verantwortung bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele zu diskutieren.

Die Ringvorlesung «Sustainable Development Goals in Context» ist öffentlich und findet im Frühlingssemester 2020 jeweils mittwochs zwischen 17:15h und 19:00h im Hauptgebäude der ETH Zürich im Raum HG E7 statt. Weitere Informationen sowie das gesamte Programm finden Sie hier: https://ethz.ch/sdg

Dr. Christine Bratrich