Mehrheit der KMU sieht Zertifikatspflicht nicht als Nachteil

Drei Viertel der Schweizer KMU bewerten die Zertifikatspflicht neutral oder positiv. In der Gastronomie und Hotellerie dagegen schätzen fast 60 Prozent die Auswirkungen als negativ ein. Das zeigt das sechste Coronavirus-KMU-Panel der ZHAW.

39 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz beurteilen die seit Mitte September eingeführte Zertifikatspflicht als positiv oder sehr positiv. Weitere 36 Prozent schätzen die Auswirkungen für den eigenen Betrieb als weder gut noch schlecht ein. Negative oder sehr negative Folgen beobachtet jedes vierte KMU und knapp ein Fünftel fühlt sich dadurch gegenüber anderen Branchen benachteiligt. Zu diesen Resultaten kommt die sechste Erhebung des Coronavirus-KMU-Panels der ZHAW School of Management and Law. Für die Untersuchung befragten die ZHAW-Forschenden von Mitte bis Ende September 201 kleine und mittlere Unternehmen.

«Insgesamt sehen viele KMU also keine grossen Nachteile in der Zertifikatspflicht. Die Wahrnehmung ist aber von Branche zu Branche sehr unterschiedlich», erklärt Studienleiter Andreas Schweizer von der ZHAW-Fachstelle Corporate Performance and Sustainable Financing. Am kritischsten eingestellt sind die Gastronomie und Hotellerie: 58 Prozent der befragten Firmen in diesem Bereich bewerten die Konsequenzen als negativ oder sehr negativ.

Nach wie vor belastend wirkt sich die Pandemie auf die Beschäftigung in den KMU aus: In den letzten sechs Monaten mussten 27 Prozent der Umfrageteilnehmer Mitarbeitende entlassen, die Mehrheit (19 Prozent) tat dies wegen der Coronakrise. «Dieser Wert ist höher als der Anteil der KMU, die schon im März 2021 mit bevorstehenden Kündigungen rechneten», sagt Schweizer. Besonders betroffen waren Unternehmen in der Maschinenund Elektroindustrie, in sonstigen Dienstleistungen wie Reisebüros oder im Detailhandel. Zwischen März 2020 und März 2021 hatten bereits 35 Prozent der KMU Mitarbeitende entlassen. Für die kommenden 12 Monate hält ein Fünftel Kündigungen für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich.

Gleichzeitig schätzen die KMU ihre generellen Aussichten besser ein als früher: Noch rund vier von zehn Firmen erwarten, dass Covid-19 ihre Geschäftstätigkeit in den kommenden 12 Monaten negativ beeinflussen wird. Das ist der tiefste Wert seit Beginn der Pandemie. Die Mehrheit erwartet keine weiteren Auswirkungen oder sieht die künftige Situation positiv (39 bzw. 23 Prozent). Zudem schätzen zwei Drittel die gegenwärtige Nachfrage nach den eigenen Produkten und Dienstleistungen als eher gut bis sehr gut ein. «Eine grosse Herausforderung ist dabei jedoch die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Halbfabrikaten», sagt der ZHAW-Forscher. «51 Prozent der KMU beurteilen diese als eher schlecht bis sogar existenzbedrohend. Das sind mehr als im März 2020.»

Einen vom Bund verbürgten Covid-Kredit haben 43 Prozent der befragten Unternehmen beansprucht. Etwas mehr als zwei Drittel davon haben diesen noch nicht vollständig zurückbezahlt. Sieben Prozent der kreditnutzenden KMU geben an, ihn auch künftig nicht zurückführen zu können. Das sind deutlich weniger als im März 2021 (24 Prozent). Allerdings verzichtet ein Teil der Unternehmen auch bewusst vorerst auf eine Rückzahlung: Vier von zehn Firmen mit offenem Kredit möchten ihn stattdessen für künftige Liquiditätsengpässe nutzen.

Die neue Ausgabe des «ZHAW Corona-KMU-Panels» schliesst an die fünf vorhergehenden Befragungen vom März, April, Juni und September 2020 sowie März 2021 an. Aktuell haben die ZHAW-Forschenden vom 15. bis 26. September 2021 kleine und mittlere Unternehmen aus der ganzen deutschsprachigen Schweiz online befragt. Da diese bereits an früheren Umfragen teilgenommen haben, zeigt die Untersuchung die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage der KMU seit Ausbruch der Pandemie. Im Interesse der Aktualität wurde auf eine vollständig repräsentativ gewichtete Abdeckung sämtlicher Branchen und Unternehmensgrössen verzichtet.


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