Meilenstein der Vogelkunde

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Die Alpenbraunelle ist aus vielen tiefer gelegenen Regionen verschwunden. Damit

Die Alpenbraunelle ist aus vielen tiefer gelegenen Regionen verschwunden. Damit steigt die Wichtigkeit hochalpiner Gebiete wie der Schweiz für das Überleben der Art. Foto © Marcel Burkhardt

Der zweite europäische Brutvogelatlas ist erschienen. Er beschliesst das grösste je durchgeführte Citizen-Science-Projekt im Bereich Biodiversität: Rund 120 000 Personen haben in rund 50 Ländern Vögel gezählt. Die Vogelwarte war massgeblich an der Erstellung beteiligt.

Sempach/Barcelona/Prag. - Der zweite europäische Brutvogelatlas (EBBA2) zeigt: In Europa brüten 596 Vogelarten. Die artenreichsten Regionen liegen in Osteuropa und Russland. Hier gibt es noch ausgedehnte Wälder und Feuchtbiotope, aber auch deutlich weniger intensiv bewirtschaftete Landwirtschaftsgebiete als im Westen. Seit der letzten internationalen Volkszählung der Vögel vor 30 Jahren wurden in ganz Europa viele Vogelarten durch Intensivierung des Landwirtschaftsgebiets weiter zurückgedrängt. Zugenommen haben Arten, die von einem verbesserten Schutz profitieren konnten, wie der Seeadler. Das zeigt, dass ein verbesserter Schutz Wirkung hat.

Der Klimawandel und die Rolle der Schweiz
Insgesamt haben viele Arten ihren Verbreitungsschwerpunkt nach Norden verschoben. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf den Einfluss des Klimawandels. Insbesondere für arktische Vogelarten könnte dies zum Problem werden, da sie nicht weiter nach Norden vordringen können. Einige Arten haben sich auch in die Höhe verschoben. Dabei gab es Verluste in den weniger hohen Gebirgen Europas. Vogelarten, die wie die Alpenbraunelle über der Waldgrenze brüten, leiden besonders: Ihr Lebensraum schrumpft, weil die Waldgrenze wegen des Klimawandels ansteigt. Mit dem Verschwinden der Vögel aus diesen Gebirgszügen erhalten die Alpen eine immer stärkere Bedeutung für den Erhalt dieser spezialisierten Vogelwelt. Die Schweiz muss als zentrales Alpenland ihre internationale Verantwortung wahrnehmen und den Schutz der alpinen Biodiversität verbessern.

Diese und viele weitere Erkenntnisse aus dem neuen Standardwerk konnten nur dank dem immensen Einsatz von rund 120 000 Personen gewonnen werden, die in rund 50 Ländern Vögel gezählt haben, teilweise fernab jeglicher Zivilisation. Zwei Mitarbeitende der Schweizerischen Vogelwarte waren massgeblich am Projekt beteiligt: Pietro Milanesi erstellte die modellierten Verbreitungskarten. Verena Keller war als Vorstandsmitglied des European Bird Census Council (EBCC) für die Leitung des Koordinationsteams verantwortlich. Sie ist damit auch die Erstautorin des zweiten Europäischen Brutvogelatlas.