Natur braucht Stadt: Themenjahr soll Biodiversität fördern

Unterschlupfmöglichkeiten für Igel, Fledermäuse oder Bienen in der Stadt? Die So

Unterschlupfmöglichkeiten für Igel, Fledermäuse oder Bienen in der Stadt? Die Sonderausstellung im BOGA zeigt biodiversitätsfördernde Kleinstrukturen zum Selbermachen. Bild: BOGA/ Deborah Schäfer

Im Siedlungsraum gibt es viel Potenzial, dem Biodiversitätsverlust entgegenzuwirken. Stadtgrün Bern und der Botanische Garten der Universität Bern (BOGA) führen deshalb von Ende April bis Ende Oktober mit Unterstützung von zahlreichen Organisationen und städtischen Ämtern das Themenjahr «Natur braucht Stadt - Mehr Biodiversität in Bern» durch. Vielfältige Aktivitäten und Praxishilfen sollen möglichst viele Bernerinnen und Berner motivieren, naturnahe Lebensräume anzulegen.

Das Insektensterben, bedrohte Wildpflanzen und der Rückgang des Singvogelbestandes, all diese Nachrichten schrecken viele Menschen auf. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger erkundigen sich bei der Fachstelle Natur und Ökologie von Stadtgrün Bern, was sie tun können, um diese Tendenz aufzuhalten. Mittlerweile ist klar: Seit Jahren schreitet der Biodiversitätsverlust nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit rasant fort und viele Arten gehen für immer verloren. ’Die Biodiversität in der Stadt, die erheblich zur gesamten Biodiversität beiträgt, ist stark unter Druck. Ihre Förderung ist zudem sehr wichtig, weil die meisten Menschen Natur im Alltag vor allem als Stadtnatur erfahren’, sagt Markus Fischer, Direktor des BOGA.

Je mehr Menschen sich daher engagieren und zusätzliche naturnahe Flächen schaffen, desto besser für die Artenvielfalt. Ein eigener Garten ist dabei zwar hilfreich, aber nicht nötig. Artenvielfalt lässt sich auf jedem Fenstersims, Balkon und auf jeder Aussenfläche fördern, ob auf dem Boden, an Wänden oder auf dem Dach. Wer sich engagieren möchte, hat jedoch oft nach kurzer Zeit viele konkrete Fragen: Welche Massnahmen eignen sich für mich? Habe ich genügend Platz? Kann ich den gewünschten Lebensraum selbst anlegen und pflegen oder muss das ein professioneller Gartenbaubetrieb machen? Und wieviel kostet das?

Biodiversität fördern - das Themenjahr zeigt Möglichkeiten

Das Themenjahr ’Natur braucht Stadt - Mehr Biodiversität in Bern’ bietet von Ende April bis Ende Oktober 2021 eine breite Palette an Praxishilfen und Aktivitäten: Sieben Stadtspaziergänge zu naturnahen Lebensräumen, ein breitgefächertes Ausstellungsund Rahmenprogramm sowie einen interaktiven Stadtplan. Die Sonderausstellung ’Von Nischen und Königreichen’ im BOGA zeigt Kleinstrukturen und Nisthilfen und bietet hilfreiche Tipps für die Umsetzung zu Hause. Welche Tierarten in Bern vorkommen und gefördert werden können, kann man im Naturhistorischen Museum und im Tierpark erfahren, alle standortheimischen Sträucher sind in der Parkanlage Elfenau ausgestellt.

Das ausführliche Praxishandbuch ’Natur braucht Stadt - Mehr Biodiversität in Bern’ dient als Grundlage für alle, die selbst einen naturnahen Lebensraum schaffen möchten. ’Viele Leute möchten die Biodiversität erhalten und fördern’, sagt Marieke Kruit, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, ’wir wollen der interessierten Bevölkerung die Möglichkeit geben, selber aktiv zu werden’. Neu gibt es eine Auszeichnung für naturnahe Gärten, für die man sich bei der Stadt bewerben kann. Mit der Mitmach-Aktion KlimaBalkon ruft das Amt für Umweltschutz ausserdem dazu auf, Balkone mit einheimischen Pflanzen zu begrünen und damit etwas gegen die Auswirkungen des Klimawandels in der Stadt zu tun. Die Abkehr vom Raubbau an der Natur bedingt auch einen Kulturwandel: Drei Kunstprojekte im öffentlichen Raum nähern sich dem Thema aus ungewohnter Perspektive. Eine Übersicht über das Themenjahr gibt es auf www.bern.ch/naturbrauchtstadt.

Breite Partnerschaft für mehr Biodiversität in Bern

Die Stadt Bern und der BOGA setzen sich seit Jahren dafür ein, den Biodiversitätsverlust aufzuhalten. Bern hat seit 2012 als erste Schweizer Stadt ein Biodiversitätskonzept. Wo es möglich ist, schafft Stadtgrün Bern in den öffentlichen Grünräumen neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere und pflegt diese fachgerecht: Neue Wildhecken, neue Teiche, Blumenwiesen oder ’wildes Grün’ entlang der Strassen sind Beispiele dafür. Die Ziele des Konzepts werden darüber hinaus in allen städtischen Planungen und Projekten berücksichtigt. ’Vieles deutet darauf hin, dass sich der Anteil naturnaher Lebensräume in den vergangenen acht Jahren erhöht hat’, hält Marieke Kruit fest, ’aber wir haben das Ziel noch längst nicht erreicht’.

Der BOGA macht mit seinen Ausstellungen, Führungen, Lesungen und weiteren Aktivitäten auf die Gefährdung der Biodiversität aufmerksam, vermittelt ihre wertvolle Bedeutung für den Menschen und zeigt Möglichkeiten der Biodiversitätsförderung auf ( www.boga.unibe.ch ). Auch die Universität Bern setzt in ihrer Forschung und Lehre einen Schwerpunkt im Bereich der Nachhaltigkeit. Doch die Anstrengung öffentlicher Stellen allein reichen nicht aus. Markus Fischer, Direktor des BOGA: ’Sie dienen als Multiplikatoren, um das Engagement möglichst vieler Einzelner anzuregen und um konkrete Handlungsbeispiele aufzuzeigen. Es ist sehr vielversprechend, dass wir das im Themenjahr gemeinsam und langfristig angehen’.

Wertvoller urbaner Lebensraum

Städte haben eine wichtige Bedeutung als Lebensraum für einheimische Pflanzen und Tiere. Ein Blick in die schweizerischen Floraund Fauna-Datenbanken zeigt, dass 67 Prozent der Tierarten und 45 Prozent der einheimischen Wildpflanzen im Siedlungsgebiet vorkommen. Die Siedlungsfläche allein wird nicht ausreichen, um gefährdete Arten zu erhalten. Doch von den städtischen Lebensräumen ausgehend, könnten sich die Arten eine wieder lebensfreundlicher gewordene Landschaft zurückerobern. Aber auch in den Städten ist die Vielfalt der Pflanzenund Tierarten und der Lebensräume bedroht. Die Verdichtung der Siedlungsgebiete muss daher gleichzeitig mit Biodiversitätsfördermassnahmen vorgenommen und die zunehmende Versiegelung der Böden verhindert werden.

Quelle: Gemeinsame Medienmitteilung der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün und des Botanischen Gartens der Universität Bern

Hinweis an die Medienschaffenden: Die Bilder und Faktenblätter können auch unter www. bern.ch/medienmitteilungen heruntergeladen werden.