Neues Buch: Biodiversität zwischen Wasser und Land

Flussauen, wie hier die Sense bei Plaffeien, gehören zu den artenreichsten Leben
Flussauen, wie hier die Sense bei Plaffeien, gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in der Schweiz. (Foto: Florian Altermatt, Eawag)
Unterwegs auf blau-grünen Pfaden entlang von Gewässern, über Moore und durch Auen - Im Buch «Biodiversität zwischen Wasser und Land» von Eawag und WSL führen acht Exkursionen durch blau-grüne Lebensräume der Schweiz.

«Dort wo aquatische und terrestrische Lebensräume ineinanderfliessen, sich gegenseitig durchdringen und bereichern, entfaltet sich das Leben in einer unglaublichen Vielfalt», sagt Florian Altermatt, Leiter der Eawag-Forschungsgruppe Räumliche Dynamiken und an der Universität Zürich. «Hier gibt es nicht nur unzählige Arten und Lebensräume zu entdecken, sondern auch eine Vielzahl an Funktionen und Prozessen». Dazu zählen etwa Nahrungsnetze, Stoffflüsse, Schutzfunktionen vor Naturgefahren und Reinigungsprozesse des Wassers.

Auf den Exkursionen lassen sich in einer Karstlandschaft verschiedene Quelltypen und ihre Bewohner ausfindig machen. Entlang der Wege können das Verlanden von Seen und das vielgestaltige Mosaik von blaugrünen Lebensräumen wie Flachund Hochmoore, Feuchtwiesen und Bruchwälder erkundet werden. Mit etwas Glück lassen sich nicht nur Biberspuren sondern auch der eifrige Dammbauer selber erspähen. Tintenstriche in den Gletscherlandschaften der Alpen bekommen mit den Erklärungen im Buch eine neue Bedeutung. Zahlreiche Fotos machen zudem das unterirdische Leben im Grundwasser sichtbar wie die Flohkrebse oder pflanzliches und tierisches Plankton, das von Auge kaum erkennbar ist. Selbst in Städten und Agglomerationen finden sich für die Erholung der Menschen wichtige blau-grüne Lebensräume.

«Unterwegs sieht man aber auch die Einflüsse des Menschen auf die Lebensräume zwischen Wasser und Land, zum Beispiel die Begradigung von Flüssen, Wasserkraftwerke oder die strikte Trennung von Wasser und Land entlang vieler Seeufer», sagt Rolf Holderegger, Leiter der WSL-Forschungseinheit Biodiversität und Naturschutzbiologie und an der ETH Zürich. «Feuchtgebiete wurden durch Entwässerung zu Ackerflächen oder Flussauen durch Verbauung zu kanalisierten Flüssen mit trockenem Hinterland».

Die Gefährdung der Landschaft wird so direkt sichtund erfahrbar. Neben dem Wechselund Zusammenspiel von aquatischen und terrestrischen Lebensräumen beleuchtet das Buch auch die komplexen Netzwerke der zahlreichen Interessengruppen, etwa Politik, Energieproduktion,ÖLandwirtschaft, Naturschutz und Bevölkerung. Das Buch zeigt gleichzeitig Möglichkeiten auf, wie sich Lebensräume zwischen Wasser und Land ganzheitlich schützen und erhalten lassen, zum Beispiel durch die Förderung der Dynamik in Auengebieten oder durch das Wiedervernässen von trockengelegten Flächen.

Das Buch richtet sich an die Fachpraxis, an Studierende und an die interessierte Bevölkerung. Der erste Teil des Buchs vermittelt theoretische Grundlagen. Im Kernteil werden schliesslich acht Exkursionen in charakteristische «blau-grüne» Landschaften unternommen, die Ökologische Zusammenhänge vermitteln und die Nutzung durch den Menschen einordnen.
Bärbel Zierl