Onlineshopping im Ausland bei Schweizerinnen und Schweizern immer beliebter

Die ZHAW und die HWZ haben im Auftrag der Schweizerischen Post Anbieter und Kundschaft des Schweizer Onlinehandels befragt. Die Studien zeigen, dass Schweizer Onlinehändler vermehrt Zusatzleistungen anbieten müssen, um gegen die Konkurrenz aus dem Ausland anzukämpfen.

Schweizer Onlinehändler bieten häufig Zusatzleistungen wie Online-Sendungsverfolgung (48 Prozent) oder Vorankündigung des Zustellzeitpunkts der Sendung (34 Prozent) an. Auch der Anteil an Onlinehändlern, die kostenlosen Versand (2019: 54 Prozent; 2018: 51 Prozent) und Gratis-Retoure (2019: 28 Prozent; 2018: 25 Prozent) anbieten, nahm im Vergleich zum Vorjahr leicht zu. Dies zeigt eine Befragung von Schweizer Onlinehändlern, welche 2019 von der ZHAW School of Management and Law im Auftrag der Schweizerischen Post durchgeführt wurde. Damit reagieren die Schweizer Onlinehändler auf die zunehmende Beliebtheit von ausländischen Marktplätzen wie zum Beispiel AliExpress. Auch für Onlinekunden werden diese Zusatzleistungen immer zentraler: Die Sendungsverfolgung (76 Prozent) und die Vorankündigung der Sendung (74 Prozent) sind für Onlineshopper sehr wichtig, hingegen die Zustellung am gleichen Tag eher weniger. Dies zeigt der E-Commerce Stimmungsbarometer der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich.

35 Prozent der Onlinehändler nutzen zusätzliche digitale Marktplätze, um Verkäufe zu generieren, vor allem über Digitec oder Galaxus. Die Digitec Galaxus AG konnte durch das Siroop-Aus im Vergleich zum Vorjahr weiter an Marktanteil gewinnen (2019: 37 Prozent; 2018: 34 Prozent). 33 Prozent der Onlinehändler nutzen digitale Markplätze, um sich den Eintritt in den ausländischen Markt zu vereinfachen. Neben den eigenen Onlineshops, Marktplätzen und Ladenflächen vertreibt die Hälfte der Händler auch über Google Shopping und Facebook Marketplace. «Auch verkaufen Schweizer Onlinehändler zunehmend über Messenger wie WhatsApp», erklärt Studienautor Darius Zumstein von der ZHAW. Laut Umfrage sind das bereits ein Sechstel der Anbieter. Zudem sind Shopping Days bei Onlinehändlern beliebt: Fast die Hälfte beteiligt sich am Black Friday.

Bei den Konsumentinnen und Konsumenten sind Ricardo (80 Prozent), Amazon (76 Prozent) und Digitec Galaxus (67 Prozent) aktuell noch deutlich beliebter als die Anbieter von asiatischen Waren wie Wish (40 Prozent) und AliExpress (2019: 35 Prozent; 2016: 21 Prozent). Andererseits wird dabei auch sichtbar, dass der Einkauf von asiatischen Waren auf ausländischen Marktplätzen bei den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten an Akzeptanz gewonnen hat. Auf eBay wird dagegen seltener eingekauft (2019: 49 Prozent; 2016: 58 Prozent).

Benutzerfreundlichkeit stellt für Onlineshopper immer seltener ein Hindernis beim Einkaufsvorgang dar (2019: 53 Prozent; 2016: 66 Prozent). Auch der Einkauf mit dem Smartphone wird immer einfacher. So bieten bereits 45 Prozent der Onlinehändler «Mobile Payment» an wie beispielsweise TWINT (2019: 31 Prozent; 2018: 24 Prozent). Dies entspricht einem steigenden Bedürfnis der Kundschaft, welche die Zahlung mit dem Smartphone immer häufiger bevorzugt: Waren es 2016 lediglich sechs Prozent, sind es 2019 bereits 23 Prozent. Die Auswertungen zeigen, wie die mobilen Zahlmöglichkeiten zu Lasten der Rechnung gehen (2019: 75 Prozent; 2016: 85 Prozent). Rechnung und Kreditkarte bleiben aber die Standardzahlungsangebote in Onlineshops (je 83 Prozent). Dies kommt den Bedürfnissen von Konsumentinnen und Konsumenten entgegen, denen eine zweckmässige Zahlungsabwicklung besonders wichtig ist (87 Prozent) und die hauptsächlich per Rechnung oder mit der Kreditkarte bezahlen.

Über 74 Prozent der Schweizer Onlinehändler verkaufen ihre Produkte hauptsächlich in der Schweiz, weil die Barrieren des Exports hoch sind. Als Herausforderung für den internationalen Vertrieb werden vor allem Zölle (69 Prozent), Versand und Logistik (58 Prozent) und hohe Kosten für Lohn und Lager in der Schweiz (57 Prozent) angesehen. «Die Zölle und Zollabwicklung sind im Digital Commerce die grösste Hürde für den Export», so Zumstein. «Zudem hindern ausländische Gesetze die Schweizer Hersteller und Händler am Export.» Für die meisten Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten scheint es hingegen keine Rolle zu spielen, ob die Ware in der Schweiz oder im Ausland online eingekauft wird: 70 Prozent der Befragten haben in den letzten zwölf Monaten in deutschen Onlineshops eingekauft, 41 Prozent in China.

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