Open Science in der Human-Ressource-Management-Forschung

Manuela Morf ist Lehr- und Forschungs­beauftragte am Center für Human Resource M
Manuela Morf ist Lehr- und Forschungs­beauftragte am Center für Human Resource Management (CEHRM).
Das Projekt «Karrieren 4.0 - erfolgreich in der Gig Economy» hat untersucht, wie flexible Arbeitskräfte beim Erreichen ihrer beruflichen Ziele besser unterstützt werden können. Die Projektleiterin Dr. Manuela Morf erklärt, welche Rolle Open-Science-Praktiken in ihrer bisherigen Forschung spielen und gibt einen Ausblick zu deren zukünftigen Anwendung.

Flexible Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Gig Economy, beispielsweise aus projektbasierter Temporärarbeit und Freelancing, haben die Möglichkeit, ihre Karrieren über die Grenzen eines Unternehmens hinaus zu gestalten. Diese weltweit an Relevanz gewinnende Arbeitsform verlangt viel Eigeninitiative und Networking-Fähigkeiten. Das Ziel des Projektes war, spezifische Verhaltensempfehlungen in Form von Aufgaben zu entwickeln und zu testen, um flexible Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der Erlangung ihres Erfolgs zu fördern, wobei diese ins Projekt aktiv einbezogen wurden.

Das Projekt wurde im Rahmen des « Spark »-Programms des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert, welches insbesondere neuartige und unkonventionelle Forschung unterstützt. Dr. Manuela Morf , Lehrund Forschungsbeauftragte am Center für Human Resource Management (CEHRM) , erklärt, wie durch einen transparenten und partizipativen Ansatz alltagstaugliche Empfehlungen erarbeitet werden konnten und gibt einen Ausblick zur zukünftigen Anwendung von Open-Science-Praktiken.

Manuela Morf, Warum ist Open Science für Ihr Forschungsgebiet wichtig?

Manuela Morf: In der Human Ressource Management-Forschung sind Menschen mehr als Forschungssubjekte - sie sind kreative Ideengebende, die Problemfelder aufdecken, engagierte Unterstützende beim Ausfüllen von Fragebögen und direkte Nutzniessende von Erkenntnissen zum effektiven Personalmanagement. Ihre Beteiligung zeugt vom Wunsch, zum Wissensfortschritt beizutragen. Dabei erwarten sie einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren Daten. Open Science ist hierbei essenziell, da durch deren Anwendung ethische Prinzipien unterstützt, die Beiträge der Teilnehmenden gewürdigt und die Verbreitung von Erkenntnissen gefördert wird. Durch Open Science wandelt sich die Forschung im Bereich Human Ressource Management also zu einem glaubwürdigen Unterfangen, das sich durch Wissensaustausch und umfassenden Nutzen auszeichnet.

Wie setzen Sie Open Science in der Praxis um?

Das Projekt «Karrieren 4.0 - erfolgreich in der Gig Economy» ist ein illustratives Beispiel für unsere offen gestaltete Forschung. In diesem partizipativen Projekt lag der Fokus darauf, Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die flexiblen Arbeitskräften wie Temporären und Freelancern zu Karriereerfolg verhelfen. Da die traditionelle Karriereforschung hauptsächlich auf hierarchische Karrieren innerhalb einer Organisation ausgerichtet ist, haben wir mit Mitgliedern des Vereins der Digitalen Nomaden Schweiz zusammengearbeitet. Diese Gruppe repräsentiert erfolgreiche flexible Arbeitskräfte. Gemeinsam entwickelten wir in Workshops ein Forschungsdesign zur Erhebung von Daten mittels einer Karrieretrainings-App und testeten unsere Ideen in der Praxis. Dieser Ansatz erlaubte es uns, alltagstaugliche Empfehlungen zu erarbeiten und bestehende Theorien im Kontext flexibler Beschäftigungsformen zu erweitern und zu validieren. Die Ergebnisse und Dokumentationen des Projekts sind auf der öffentlich zugänglich, was die Verbreitung und Anwendung von Wissen in der Human Ressource Management-Forschung unterstützt.

Was sind die wichtigsten Entwicklungen, die Sie in den nächsten Jahren in Bezug auf Open Science erwarten?

Die zunehmende öffentliche Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen fördert die Glaubwürdigkeit in Disziplinen wie dem Human Ressource Management. Heute ist die Projektfinanzierung bereits oft an Open-Science-Standards gebunden, besonders in den Bereichen Datenveröffentlichung und Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen. Initiativen wie Agora , ein SNF-Instrument zur Förderung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, verbessern die Verbreitung von Forschung für ein breites Publikum. Sie verdeutlichen jedoch auch, dass die effektive und breitenwirksame Kommunikation von Forschung noch nicht als Kernbestandteil des wissenschaftlichen Auftrags gesehen wird. Das zeigt sich auch in begrenzten Ressourcen in diesem Bereich. Trotz dieser Herausforderungen sind positive Trends erkennbar.

Unter «Open Science» versteht man möglichst offene und transparente Prozesse in der Wissenschaft. Dazu gehören der freie Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen (Open Access), der transparente und soweit möglich offene Umgang mit Forschungsdaten (Open Research Data), die Offenlegung von Code (Open Source) oder der Einbezug der Gesellschaft in die Wissenschaft (Citizen Science). Mit der kürzlich verabschiedeten Open Science Policy (s. Newsmeldung ) unterstreicht die Universität Luzern ihr Engagement für transparente und zugängliche Forschung und bietet ihren Angehörigen zusammen mit der Zentralund Hochschulbibliothek Unterstützung bei der Umsetzung von Open Science.

In loser Folge geben Forschende der Universität Luzern Einblicke zu Rolle und Stellenwert von Open Science in ihren Projekten. Bisher erschienen:

Open Science in Kinder­krebs­forschung und Psychologie

Open Science im internationalen Privatrecht