Pixel statt Pinsel: Datenkunst an der Hochschule Luzern

by Kirell Benzi

by Kirell Benzi

Data Art verbindet Informatik und Kunst. Sie schafft aus der Welt der Zahlen und Ziffern faszinierende farbige Gebilde, die ihren tieferen Sinn geschickt verbergen. Kirell Benzi , der im neuen Bachelor Data Design & Art lehren wird, ist einer der Vorreiter in dieser noch neuen Kunstrichtung.

Data Design & Art ist die schweizweit erste Studienrichtung, die sich vollumfänglich mit dem visuellen und lösungsorientierten Nutzen von Daten beschäftigt. An der Schnittstelle zwischen Inhalt, Design, Kunst und Technologie setzen sich Datendesigner mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinander. Als Generalisten denken sie vernetzt und multimedialen Formaten. Sie entwirren das Datengeflecht und entwerfen klare, visuelle Informationen. Datenkünstler wiederum lassen sich von realen Daten inspirieren und experimentieren mit neuen Darstellungsformen. In der Verbindung von Data Design und Data Art entstehen inspirierende und involvierende Formen der visuellen Information und der räumlichen Interaktion.

Einen Pinsel hatte Kirell Benzi das letzte Mal als Kind in der Hand. Seit er als Teenager Fotos digital verfremdete und zu abstrakten Bildern umwandelte, fasziniert ihn die Verbindung von Kunst und Informatik. Als Softwareexperte mit Künstlerseele entwickelt er Algorithmen, füttert lernende Maschinen mit Datensätzen und kreiert daraus faszinierende Werke wie aus einer anderen Welt. Dabei thematisiert er, was ihn interessiert und beschäftigt: Weltwirtschaft, Biodiversität oder Umweltverschmutzung ebenso wie das Phänomen Pokémon, unser Universum, oder Covid19. Die Grundlage seiner Werke sind Daten und reine kalte Logik – und doch lösen die unwirklich schönen Visualisierungen Emotionen aus. Benzi wundert das nicht. Für ihn ist klar: auch Algorithmen haben eine Seele.

Hier ein paar Kostproben aus seinem Schaffen:

Evading Confinement

Die Corona-Krise hat unsere Welt im Handumdrehen verändert. Plötzlich waren alle im Lockdown und in den eigenen vier Wänden gefangen. In der Zeit entstand dieses Video. Es basiert auf verschiedenen Landschaftsbildern, aus denen Künstliche Intelligenz eine neue, eigene Welt geschaffen hat. ,,Die Arbeit ist entstanden als Hideaway und hat eine tröstliche Botschaft: es sind schwierige Zeiten, aber wir werden sie überstehen." Im Stil der Ölbilder alter Meister gehalten, symbolisiert die Arbeit eine Verbindung zwischen der idealisierten Vergangenheit und der virtuell erweiterten Welt der Zukunft.

Globalization

In diesem Werk zeigt Kirell Benzi die globalen Verbindungen der Weltwirtschaft auf. Jeder Knoten repräsentiert eine Stadt. Europa ist in Dunkelorange dargestellt. Der Punkt in der oberen rechten Ecke steht für London. In der gegenüberliegenden Ecke befindet sich Chicago. Die USA erscheint in weiss, die Städte Asiens sind hellorange gefärbt. Das Werk ist in Zusammenarbeit mit Benjamin Leffel entstanden.

When the Music is Good

Das Montreux Jazz Festival ist eines der bekanntesten Musikfestivals der Welt. Dieses in Zusammenarbeit mit dem Artlab der EPFL Lausanne entstandene Daten-Netzwerk zeigt, wer mit wem spielte. Am Rande des Rings befinden sich jene, die ausschliesslich mit ihrer eigenen Band auftraten. Die Stars des Festivals hingegen, die zusätzlich mit anderen Bands und Künstlern Konzerte gaben, befinden sich im Zentrum des Rings. Mit seinen 53 Konzerten ist George Duke (orange) der Künstler mit den meisten Auftritten am Festival, dicht gefolgt vom dem legendären Gitarristen Santana (lila).

Wie man es von einem Data Artist erwarten würde, sammelt Kirell Benzi selbst Daten zu seiner Kunst. Hier geht’s zu seiner Umfrage.

Quick and dirty-Interview mit Kirell Benzi

Data Art ist faszinierend, weil es die Komplexität der wissenschaftlichen Forschung auf ästhetische Weise visualisiert.

Die Inspiration für ein neues Werk finde ich in der Natur.

Algorithmen haben für mich eine Seele, weil sie von Menschen geschaffen werden.

Der aufregendste Moment im kreativen Entstehungsprozess einer Arbeit ist für mich, wenn ich unerwartete Verbindungen zwischen den Daten entdecke.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Data Art verwendet wird, um wissenschaftliche Themen zu erklären.

Die Botschaft hinter meiner Kunst ist die innere Schönheit der Daten aufzudecken.

Künstliche Intelligenz sollte besser «Lernende Maschine» genannt werden. Intelligenz steckt keine dahinter.

Kunst ist essentiell für die Gesellschaft, weil sie uns dazu anregt, über den Tellerrand hinauszudenken.

Wenn ich meinen Beruf für einen Tag ändern könnte, wäre ich am liebsten Astrophysiker.

Am besten kann ich am Abend und in der Nacht arbeiten, dann ist alles ruhig.

Daten sind für mich eine Möglichkeit, das Leben rationaler zu betrachten.

Der lustigste Kommentar über meine Kunst kam von einer älteren Dame: «Ich mag Big Data nicht, aber so wie du sie erklärst, ist es in Ordnung.»

Die verrückteste Idee, die ich noch realisieren will: Eine Data Art Show vor grossem Publikum.

Ich bin mehr Künstler als Wissenschaftler, weil ich mit meinem Werk positive Emotionen auslösen will.

Ich bin mehr Wissenschaftler als Künstler, weil mich Ursache und Wirkung besonders fasziniert.

Mein nächstes Projekt wird das Publikum überraschen, weil es eine wichtige Rolle darin spielen wird.