R. Geigy-Preis 2020 geht an Tobias Schindler

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Tobias Schindler, Tansania, 2013

Tobias Schindler, Tansania, 2013

Tobias Schindler erhält den mit 20’000 CHF dotierten R. Geigy-Preis 2020. Die Basler R. Geigy-Stiftung würdigt damit seine Verdienste bei der Entwicklung neuer Diagnostika im Kampf gegen Armutskrankheiten wie Malaria und die COVID-19-Pandemie in Afrika. In Gedenken an den Biologen und Gründer des Schweizerischen Tropenund Public Health-Instituts (Swiss TPH), Rudolf Geigy, verleiht die Stiftung alle zwei Jahre diesen Preis an junge Forschende, die sich durch hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der vernachlässigten Tropenkrankheiten auszeichnen.

Eine exakte Diagnose von Fiebererkrankungen ist in Afrika keine Selbstverständlichkeit. Noch immer werden Patientinnen und Patienten mit Fieber routinemässig gegen Malaria behandelt. Tobias Schindler, Postdoktorand am Swiss TPH, entwickelte entwickelte zusammen mit Partnern vom Ifakara Health Institute (IHI) eine molekulare Diagnostik-Plattform für den exakten Nachweis von Malaria in Tansania und Äquatorialguinea. Während der COVID-19-Pandemie in Äquatorialguinea nutzten Schindler und sein Team ihre Infrastruktur zur Diagnose und Behandlung der verheerenden Atemwegserkrankung. Dafür verleiht ihm die R. Geigy-Stiftung den mit CHF20’000 dotierten R. Geigy-Preis.

"Ganz im Sinne Rudolf Geigys leistete Tobias Schindler unter zum Teil schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Diagnose von Malaria und dem spontanen Kampf gegen die verheerende COVID-19-Pandemie in Afrika", würdigt Stiftungspräsident Marcel Tanner den Preisträger.

Molekulare Diagnostik für einen Phase-II-Impfversuch in Tansania

Tobias Schindler und sein Team vom IHI entwickelten eine Plattform mit modernsten diagnostischen Test zu einer verbesserten Malaria-Diagnostik. Diese bildete die Grundlage für eine klinische Studie (Phase II) mit einem abgeschwächten Lebendimpfstoff des amerikanischen Unternehmens Sanaria. Ziel von Tobias Schindler und Claudia Daubenberger, Immunologin und Einheits-Leiterin am Swiss TPH, war der Aufbau einer Testumgebung, die eine kontrollierte Malaria-Infektion zuliess. Den Probandinnen und Probanden wurden infektiöse Malaria-Erreger, sogenannte Sporozoiten, injiziert. Und sie wurden gegen die Krankheit behandelt, unmittelbar nachdem die Malariaparasiten im Blut nachweisbar waren. "Der Impfstoff-Versuch stellte hohe Anforderungen an die Diagnostik", erinnert sich Schindler. Die Probanden mussten Tag und Nacht überwacht werden, um sie beim geringsten Anzeichen einer Infektion rasch zu behandeln.

Kampf gegen das Corona-Virus in Äquatorialguinea

Tobias Schindler und das Swiss TPH waren daran, die Diagnostik-Plattform von Tansania nach Äquatorialguinea zu transferieren, als in Äquatorialguinea das Corona-Virus verheerend durchs Land zog. "Es war Glück im Unglück", meint deshalb Tobias Schindler. Glück, dass man bereits ein gutes Referenzlabor, eine bestens ausgerüstete Infrastruktur und ausgebildetes Personal vor Ort hatte, mit dessen Hilfe man Corona-Patienten testen und behandeln konnte. Glück auch, dass die Regierung gewillt war, etwas gegen die Pandemie zu unternehmen. Tobias Schindler und sein Team waren Tag und Nacht vor Ort und testeten die Menschen auf die Infektion."Uns beeindruckte, wie reibungslos die Zusammenarbeit zwischen dem Swiss TPH, der Regierung Äquatorialguineas, der WHO und dem IHI lief", sagt Tanner.

Mit einem blauen Auge davongekommen

Bis jetzt ist das westafrikanische Land mit einem blauen Auge davongekommen. Die offizielle Statistik verzeichnet rund 5100 Infektionen und 85 Todesfälle seit dem Ausbruch der Pandemie (Stand: 22.11.2020). Auch wenn die Dunkelziffer wohl höher liegt: Tobias Schindler sieht auch die positiven Aspekte der Gesundheitskatastrophe: "Wir haben gesehen, dass vieles machbar ist, wo viele vorher vom Gegenteil überzeugt waren. Dass man rasch lokale Expertinnen und Experten ausbilden und die Bevölkerung zeitig auf die Infektion testen kann", sagt er.