Schwall und Sunk " Fachtagung in Solothurn

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Die bedarfsgerechte Stromerzeugung aus Wasserkraft­nutzung führt zu Abflussschwankungen in den genutzten Fliessgewässern - dem Schwall und Sunk. Die dadurch verursachten Probleme sind eine Herausforderung für den Gewässerschutz und die Wasserwirtschaft. An einer Fachtagung in Solothurn haben heute Experten aus der Wissenschaft, der Wasserkraftnutzung, dem Gewässer­schutz und der Verwaltung über die Problematik, mögliche Verbesserungsmassnahmen und Erfahrungen aus der Praxis berichtet.

Der Betrieb der Speicherkraftwerke richtet sich nach dem Elektrizitätsverbrauch. Wenn Turbinen der Kraftwerke ihren Betrieb aufnehmen, wird die natürliche Wasserführung im Fliessgewässer erhöht. Sinkt der Strombedarf, werden die Turbinen gedrosselt oder ganz abgestellt und die Wassermenge nimmt ab. Diese kraftwerksbedingten Abflussschwankungen werden mit Schwall und Sunk bezeichnet. Dabei kann der Maximalabfluss (Schwall) bis zu 40 Mal grösser sein als der Minimalabfluss (Sunk).

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren für die ökologische Qualität und Funktionsfähigkeit eines Fliessgewässers gehören der Abfluss und dessen zeitliche Veränderung. Für den Lebensraum und die Lebensgemeinschaft im Gewässer stellen diese kurzfristigen Abflussschwankungen eine Störung dar, wie sie natürlicherweise nicht auftreten würde.

In der Schweiz sind diverse Fliessgewässerstrecken von Schwall und Sunk beeinträchtigt. Dafür verantwortlich sind schätzungsweise 130 Speicherkraftwerke.

Die negativen Auswirkungen lassen sich durch verschiedene Massnahmen minimieren. Dazu zählen betriebliche und bauliche Massnahmen bei den Kraftwerken oder Eingriffe in die Flussmorphologie. Solche Massnahmen werden heute zum Teil bei Neukonzessionen, bzw. Konzessionserneuerungen angeordnet (gestützt auf das Bundesgesetz vom 21. Juni 1991 über die Fischerei). Bis heute haben nur wenige Speicherkraftwerke wirksame Massnahmen zur Minderung von Schwall und Sunk umgesetzt. Weitere Projekte sind in Planung. Eine präzisierende und zielorientierte rechtliche Regelung wird momentan im Rahmen verschiedener politischer Bestrebungen (Initiative «Lebendiges Wasser» und indirekter Gegenentwurf «Schutz und Nutzung der Gewässer») diskutiert.

Die heute im Landhaus in Solothurn durchgeführte Veranstaltung verfolgte das Ziel, einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten, Überlegungen und Bestrebungen zur Minderung der Auswirkungen von Schwall und Sunk in der Schweiz und dem nahen Ausland zu schaffen.

Im Rahmen der Fachtagung wurde die Problematik von Schwall und Sunk aus der Perspektive der Energiewirtschaft und der Ökologie dargestellt, es wurden konkrete Massnahmen und Überlegungen vorgestellt, um die Auswirkungen zu minimieren und es wurde über Erfahrungen mit schwalldämpfenden Massnahmen berichtet.

Mehr als 150 Interessierte aus Wissenschaft, Verwaltung und Privatwirtschaft haben die Fachtagung besucht.

Wasser-Agenda 21 ist ein Netzwerk wichtiger Akteure der Schweizer Wasserwirtschaft. Die Gründungsmitglieder decken ein breites Spektrum der im Wasserbereich aktiven Behörden und Organisationen ab: das Bundesamt für Umwelt BAFU, das Bundesamt für Energie BFE, das Wasserforschungs-Institut des ETH-Bereichs Eawag, die Konferenz der Vorsteher der Umwelt­schutzämter der Schweiz KVU, der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches SVGW, der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA, der Schweizerische Wasserwirtschaftsverband SWV sowie der WWF und Pro Natura als Umweltschutzorga­nisationen. Das Netzwerk ist als Verein organisiert. Der Vorstand wird vom BAFU präsidiert und die Geschäftsstelle ist an der Eawag angesiedelt.
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Stefan Vollenweider, Geschäftsführer Wasser-Agenda 21, stefan.vollenweider [a] wa21 (p) ch

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