Schweizer Harvard-Professor: Ein bisschen so werden wie die Fachhochschulen

Der bekannte Professor für Strategie an der Harvard Business School, Felix Oberholzer-Gee, referierte an der Hochschule für Wirtschaft FHNW zum Thema «Neuausrichtung der Harvard Business School am Beispiel der Curriculums-Entwicklung».

Felix Oberholzer hielt am 11. Januar 2011 an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Olten ein Referat über die Neuausrichtung des Harvard Curriculums, das ab nächsten Herbst die über 100-jährige Geschichte der berühmten Fallstudien-Methode (Case Studies) ablösen wird. Unter dem Titel «Rethinking the MBA» erläuterte er, wie die Dominanz des an Fallstudien geschulten theoretischen Denkens (Thinking) ergänzt werden soll durch die Schulung praktischer Umsetzungs-Skills (Doing) und der Auseinandersetzung mit ethischen Fragen (Being).

Die 10-Sekunden Version der neuen Harvard-Philosophie laufe laut Oberholzer darauf hinaus, «dass wir ein bisschen so werden wollen wie die Schweizerischen Fachhochschulen», die im Übrigen exzellent positioniert seien für die Schulung des mittleren Managements in den kommenden Jahren.

Interdisziplinäres Teamwork, Befragungen von Kundinnen und Kunden in ihrem alltäglichen Umfeld und ethische Fragestellungen sollen künftig nicht nur gelehrt, sondern ganz konkret umgesetzt und erfahren werden, in dem etwa Studierende das Geld von Kommilitonen anlegen und diesen gegenüber Rechenschaft schuldig seien über die Vermögensentwicklung. Es sei nämlich empirisch erwiesen, so Oberholzer, dass die Art der Anlagestrategie stark abhängig davon sei, ob der Anlageberater seine Kunden persönlich kenne oder nicht.

Das Geben und Entgegennehmen von Feedbacks, die Kunst, andere zu motivieren oder die Fähigkeit, «das Wesentliche in einer Minute zu verkaufen» sind weitere Fähigkeiten, die ab nächstem Semester an der Harvard Business School intensiv vermittelt werden. Und dazu gehört natürlich – last but not least – auch die Gründung von Start Up’s.

Die drei wichtigsten Punkte der neuen Harvard-Philosophie:

Der entscheidende Treiber für die Ausrichtung des Curriculums, so Oberholzer, seien aber die Rückmeldungen aus den Unternehmen über die Qualitäten der durch die Schule ausgebildeten Mitarbeitenden. «Das ist die wichtigste Art der Validierung», so Oberholzer weiter.

Der Schweizer Felix Oberholzer-Gee ist Professor für Strategie an der Harvard Business School und wurde u.a. 2006 mit dem Harvard Business School Faculty Teaching Award für den besten Lehrer in den Kernfächern der MBA Executive Programme geehrt. Oberholzer, der an der Universität Zürich studierte und dort seinen Master summa cum laude abschloss und anschliessend promovierte, ist der einzige Schweizer unter den Harvard Professoren der Business School.

Er setzt sich zusammen mit dem Direktor der Hochschule für Wirtschaft FHNW, Prof. Dr. Ruedi Nützi und Professoren der China Europe International Business School CEIBS für das FH-Campus Projekt in Jinan ein, das nach dem Vorbild der Schweizerischen Fachhochschulen realisiert werden soll.