Schweizer Holzwolle - ein Erosionsschutz mit Zukunft

In einem mehrjährigen Innosuisse-Forschungsprojekt hat die FH Graubünden die Eignung von Schweizer Holzwollevliesen im Erosionsschutz geprüft. Besonderes Augenmerk galt der Kombination mit einer biodiversitätsfördernden Begrünung aus lokalem Saatgut. Nun ist der Schlussbericht da und zeigt klar: einheimische Holzwollevliese sind eine überzeugende und zukunftsweisende Lösung im Kampf gegen die Erosion.

Das Forschungsprojekt des Instituts für Bauen im alpinen Raum der FH Graubünden zielte darauf ab, die Eignung von Holzwollevliesen in Kombination mit hochwertigen, ebenfalls lokal gewonnenen Saatgutmischungen im Hinblick auf die Erosionsschutzwirkung zu untersuchen und weiter zu optimieren. Es wurde in Zusammenarbeit mit der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) und den Wirtschaftspartnern Lindner Suisse und Ö+L durchgeführt.

Als Versuchsflächen wurden insgesamt vierzehn Standorte in der Schweiz von neu angelegten Böschungen ausgewählt. Pro Standort wurden je vier verschiedene Typen von Holzwollevliesen nach einem einheitlichen Design verlegt. Die vier Typen unterscheiden sich einerseits in den verwendeten Holzarten, andererseits im Netz, in das die Holzwolle eingearbeitet ist. In Laborversuchen an der FH Graubünden wurden die Wasseraufnahmefähigkeit und die Zugfestigkeit dieser Holzwolletypen im Voraus geprüft. Für die Begrünung wurden zwei verschiedene lokal gewonnene Saatgutmischungen verwendet.

Laborund Feldversuche

Im Ergebnis zeigten die Labortests signifikante Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Holzwolletypen in Bezug auf die Wasseraufnahmefähigkeit und die Zugfestigkeit. Die Unterschiede wirkten sich allerdings im Feld nicht signifikant weder auf den Begrünungsgrad noch auf die Erosion aus. Neben dem generellen Schutz durch die Holzwolle und dem Einsatz von geeignetem Saatgut wirkten sich vor allem Standortfaktoren auf den Begrünungserfolg und den Erosionsschutz aus, insbesondere Humusgehalt, Hangneigung, Exposition, Höhenlage sowie Hangstabilität. Dabei zeigte sich auch, dass Holzwollevliese zwar gut vor oberflächlicher Erosion zu schützen vermögen, jedoch erwartungsgemäss keine mitteltiefe Erosion verhindern können.

Ob sich die etablierte Vegetation bei Verwendung von autochthonem Saatgut wie postuliert längerfristig besser hält als mit nicht spezifisch lokalund standortangepassten Handelsmischungen, konnte aufgrund der zu kurzen Versuchsdauer nicht eruiert werden. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes werden am 29. Oktober 2019 im Rahmen einer Fachtagung an der FH Graubünden vorgestellt und diskutiert.

Fokus auf den alpinen Raum

Im alpinen Lebensraum sind Bauwerke und deren Umgebung aufgrund von klimatischen Bedingungen und Naturgefahren extremer Belastungen ausgesetzt als anderswo. Auch sind die klimatischen und topografischen Voraussetzungen während der Bauphase anspruchsvoller und die Distanzen oft gross. Zum anderen finden sich vor Ort spezifische Baumaterialien wie Holz sowie Bodenverhältnisse deren Potenzial in der Bautechnik noch nicht erschöpft ist und die weiter erforscht werden müssen.

Das Institut für Bauen im alpinen Raum der FH Graubünden geht den Fragen nach, welche Bauten im alpinen Raum historisch gewachsen sind, welche Baulösungen und -systeme nachhaltig sind und sich unter den spezifischen Bedingungen in den Alpen bewähren, und welche Einflüsse durch Naturgefahren vermieden bzw. kontrolliert werden können. Darüber hinaus beschäftigt sich das Institut mit gestalterischen Fragen zur nachhaltigen Erhaltung alpiner Dorfbilder, um den Tourismus im alpinen Raum dauerhaft attraktiv zu machen.

Weitere Details:

  • Forschungsprojekt «Nachhaltiger Erosionsschutz mit Holzwolle»: www.fhgr.ch/fhgr/leb­ensraum/institut-fuer-bauen-im-alpinen-raum-ibar/projekte/nachhaltiger-erosionsschutz-mit-holzwolle/
  • Fachtagung «Nachhaltiger Erosionsschutz mit Holzwolle»: www.fhgr.ch/event/de­tail/d0248080-a1d4-e911-a2bf-005056a78021/

Fachhochschule Graubünden

Die FH Graubünden ist eine innovative und unternehmerische Fachhochschule mit über 2000 Studierenden. Sie bildet verantwortungsvolle Fachund Führungskräfte aus. Als regional verankerte Fachhochschule überzeugt sie mit ihrer persönlichen Atmosphäre über die Kantonsund Landesgrenze hinaus. Die FH Graubünden bietet Bachelor-, Masterund Weiterbildungsangebote in Architektur, Bauingenieurwesen, Digital Science, Management, Mobile Robotics, Multimedia Production, Photonics, Service Design sowie Tourismus an. In diesen Disziplinen betreibt sie auch angewandte Forschung und trägt mit dieser zu Innovationen, Wissen und Lösungen für die Gesellschaft bei. Die FH Graubünden ist seit dem Jahr 2000 Teil der FHO Fachhochschule Ostschweiz. Mit der vom Bundesrat gesprochenen Beitragsberechtigung wird sie per 1. Januar 2020 die achte öffentlich-rechtliche Fachhochschule der Schweiz sein. Bereits 1963 begann ihre Geschichte mit der Gründung des Abendtechnikums Chur. fhgr.ch