Schweizer KMU fürchten eine zweite Welle

Die KMU in der Schweiz sehen ihre wirtschaftliche Zukunft deutlich optimistischer als vor einigen Monaten. Gleichzeitig hält mehr als die Hälfte eine zweite Infektionswelle für wahrscheinlich. Das zeigt das dritte «ZHAW Coronavirus-KMU-Panel».

Eine Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz rechnet mit einer zweiten Welle bei der Ausbreitung des Coronavirus im Land: 59 Prozent schätzen die Wahrscheinlichkeit dafür innerhalb der nächsten zwölf Monate als gross oder sehr gross ein. Gleichzeitig beurteilen die KMU nach dem Ende des Lockdowns ihre wirtschaftliche Lage positiver als noch im März und April. Das zeigen die Resultate der dritten Erhebung des Coronavirus-KMU-Panel der ZHAW School of Management and Law. Für die Untersuchung befragten die Forschenden über 480 Firmen im Zeitraum vom 23. bis zum 29. Juni 2020. In dieser Periode begannen die Fallzahlen von Infektionen in der Schweiz wieder zu steigen.

«Besonders unter den KMU im Bereich Finanzund Versicherungsdienstleistungen ist die Erwartung einer zweiten Welle sehr verbreitet. Einen erneuten Lockdown befürchten die kleinen und mittleren Unternehmen hingegen mehrheitlich nicht», sagt Andreas Schweizer , Dozent für Corporate Finance & Corporate Banking an der ZHAW School of Management and Law. 19 Prozent der befragten Firmen halten einen zweiten Lockdown für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich. Mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen würde in diesem Fall mit negativen oder sehr negativen Folgen für ihr Geschäft rechnen.

«Neben solchen Unsicherheiten hat sich die Stimmung der KMU in den letzten Wochen ansonsten deutlich aufgehellt - sowohl in Bezug auf ihre Geschäftstätigkeit als auch ihre finanzielle Lage», erklärt Schweizer. So beurteilen inzwischen 54 Prozent der KMU die aktuelle Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen als eher gut bis sehr gut. Dieser Wert lag im Frühling noch unter 30 Prozent. Zudem ist der Anteil der Unternehmen, die befürchten, in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, von über der Hälfte im März und rund einem Drittel im April auf 21 Prozent gesunken. 54 Prozent der Unternehmen erwarten zwar weiterhin eine negative Entwicklung der Geschäftstätigkeit in den kommenden zwölf Monaten, das sind aber 16 Prozent weniger als in der letzten Erhebung. Noch rund jedes vierte KMU rechnet damit, Mitarbeitende entlassen zu müssen, im Vergleich zu 36 Prozent im April.

Als grösste Herausforderung in der näheren Zukunft nennen knapp die Hälfte der Unternehmen die sich verändernde Kundennachfrage und etwa jedes sechste eine sich wandelnde Marktund Konkurrenzsituation. «Solche Veränderungen können beispielsweise darin bestehen, dass Kundinnen und Kunden in noch höherem Ausmass Produkte und Dienstleistungen online beziehen oder vermehrt lokale und Bio-Erzeugnisse nachfragen», führt Schweizer aus.

Die dritte Ausgabe des ZHAW Corona-KMU-Panels schliesst an die vorhergehenden Befragungen vom 26. März und 29. April 2020 an. Für die Studie haben die Forschenden KMU aus der ganzen deutschsprachigen Schweiz online befragt. Ein Teil der Unternehmen hat bereits an den früheren Umfragen teilgenommen. Dadurch vermittelt das Panel ein Bild davon, wie sich die wirtschaftliche Lage der KMU in der Coronakrise entwickelt. Im Interesse einer möglichst hohen Aktualität wurde auf eine repräsentativ gewichtete Abdeckung sämtlicher Branchen und Unternehmensgrössen verzichtet.