Swiss China Update 2019

Wie soll man sich eine Partnerschaft zwischen der Schweiz und China konkret vorstellen? Kann die Schweiz als Innovationsweltmeisterin von einer solchen Zusammenarbeit profitieren oder ist eher das Gegenteil der Fall?

Einige Antworten wurden am 19. Juni 2019 am zweiten Swiss China Update an der Hochschule für Wirtschaft FHNW gegeben. 180 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten in Olten nach Referaten von Qinghua Zhao, Generalkonsul der Volksrepublik China und Beatrice Ferrari, Leiterin Bilaterale Beziehungen SBFI in drei Foren - Wissenschaft, Wirtschaft und Partnerschaft - über diese Fragen.

Wissenstransfer

«China und Swisswater - Export von Wissen ist keine Einbahnstrasse» zeigte zum Beispiel auf, dass China einen hohen Leidensdruck im Bereich Umwelt, aber wenig eigenes Wissen darüber hat. Die Schweiz hingegen hat 50 Jahre Erfahrung, ist sauber und glaubwürdig, was gegenseitige Chancen eröffnet: Während Schweizer Unternehmen in China neue Technologien ausprobieren und implementieren, können sie vor Ort neue Ansätze im Bereich Projektmanagement und Bauwesen kennen lernen.

Schutzmassnahmen

Technologieschutz oder der Schutz von geistigem Eigentum wurde ebenfalls thematisiert. Erfahrungen der Nanosurf AG zeigten konkret auf, dass ein Schutz über Patente schlecht funktioniert. Effektivere Massnahmen sind kritische Produktionsschritte in der Schweiz zu belassen und Software zu schützen. Genauso wichtig ist es aber, in den Aufbau der Partnerschaft zu investieren und auf den gemeinsamen Erfolg zu fokussieren.

Partnerschaft

In der Städtepartnerschaft Basel-Shanghai dient der Kanton Basel-Stadt auf politischer Ebene als Unterstützer für Interessengruppen in der Region. Ein Beispiel ist ein neues Projekt zur Förderung des Austauschs von Nachwuchschirurgen zwischen Basel und Shanghai oder das Young Manager Programm in Zusammenarbeit mit der FHNW. Städtepartnerschaften müssen auf einer klaren Strategie basieren, Erwartungen der Partner klar formuliert und ein Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen vorhanden sein.

Vertrauen

Die Panel-Diskussion mit Christian Etter, vormals Delegierter des Bundesrates für Handelsverträge und Botschafter im SECO, Dr. Reto von Schulthess, CEO Swisswater Ltd. und Ursula Renold, Präsidentin des Fachhochschulrates FHNW stand unter der Frage «Wie funktioniert echte Innovationspartnerschaft?». Fazit: Geschäftsbeziehungen mit China basieren weniger auf Verträgen als auf einer Vertrauensbeziehung. Letztere aufzubauen braucht einen langen Atem und Tugenden wie Bescheidenheit, Höflichkeit, Zuvorkommen - Tugenden die der Schweiz weltweit zugesprochen werden und in der Zusammenarbeit mit China einen Vertrauensvorschuss bringen.

Ausstellung

Einen besonderen Rahmen bietet die während der Veranstaltung eröffnete Ausstellung «Otto Meister - ein Schweizer Pionier in China». Otto Meister, geboren 1873 in Horgen, Diplom als Ingenieur an der ETH Zürich, arbeitete von 1903 bis 1909 am Yunnan-Teil der Yunnan Vietnam Bahn mit - einem der spektakulärsten Eisenbahnprojekte des letzten Jahrhunderts. Die Ausstellung zeigt Fotos, private Korrespondenz und historische Dokumente aus dieser Zeit. Die Ausstellung ist bis 13. September 2019 während der Öffnungszeiten des FHNW Campus Olten frei zugänglich.

Das nächste Swiss China Update findet am 18. Juni 2020 statt.
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