Swiss TPH-Symposium «Klimawandel und Gesundheit»

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Rund 400 Teilnehmer trafen sich in Basel, um den Zusammenhang zwischen Klimawand

Rund 400 Teilnehmer trafen sich in Basel, um den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit zu erörtern (Foto: Dominik Plüss/Swiss TPH).

Der Klimawandel hat nicht nur Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch Folgen für die globale Gesundheit. Was genau diese Folgen sind und wie man sie mildern kann, waren die Fragen, die am diesjährigen Swiss TPH-Wintersymposium diskutiert wurden. Experten aus der Wissenschaft, der öffentlicher Verwaltung, internationalen Organisationen und der Privatwirtschaft nahmen vom 5. bis 6. Dezember in Basel am Symposium zum Thema Klimawandel und Gesundheit teil.

"Kristie, vielen Dank, dass Du nicht nach Basel gekommen bist - Du hast das Wort," sagte Nino Künzli, Swiss TPH, als er eine der ersten Referentinnen begrüsste: Kristie Ebi von der Universität Washington. Ganz im Sinne des Themas brachte das diesjährige Symposium viele Neuerungen mit sich - darunter Video-Conferencing und Live-Streaming - welche den ökologischen Fussabdruck der Veranstaltung um geschätzte 28 Tonnen CO2 reduzierten.

Obgleich sie von der anderen Seite des Globus sprach, machte Kristie Ebi ihren Standpunkt laut und deutlich: "Jede Aktion zählt, jedes bisschen Erwärmung zählt, jedes Jahr zählt, jede Entscheidung zählt!" Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten zwischen 2030 und 2050 jährlich etwa 250’000 Todesfälle auf den Klimawandel zurückzuführen sein, wobei besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen betroffen sind.

"Eine der grössten Gefahren für die globale Gesundheit"

"Die verschiedenen Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit lassen sich nicht mehr leugnen, er wird zu einer der grössten Gefahren für die globale Gesundheit dieses Jahrhunderts," sagte Guéladio Cissé, Swiss TPH und Co-Organisator des Symposiums. "Die Auswirkungen sind vielfältig und lassen sich nicht nur auf extreme Wetterereignisse zurückzuführen. Temperaturen beeinflussen beispielsweise auch die Wasserqualität und damit auch Krankheiten, die durch Wasser und Lebensmittel übertragen werden, und schaffen einen Nährboden für Krankheiten, die durch Vektoren wie Mücken übertragen werden."

Pie Müller, Leiter der Forschungsgruppe Vector Control, sprach über die Verbreitung der asiatischen Tigermücke in der Region Basel. "Die Mücken sind an kältere Temperaturen angepasst aber vielerorts ist es noch zu kalt für sie, um die Winter zu überstehen. Der Klimawandel wird daher zu einem treibenden Faktor für die Ausbreitung der asiatischen Tigermücke, da immer mehr Gebiete zu geeigneten Lebensräumen für sie werden," erläuterte Müller.

Deepali Patel von Gavi, der Impfallianz, sprach über das Risiko von neu auftretenden klimasensitiven Infektionskrankheiten. "Gavi möchte besser auf klimabedingte Epidemien reagieren, in dem wir einen besseren Zugang zu Impfungen ermöglichen, Investitionen in Lagerbestände unterstützen und Ländern dabei helfen, Abfälle aus Impfkampagnen korrekt zu entsorgen, " sagte Patel.

Mehrere Referentinnen und Referenten sprachen über die Auswirkungen von Hitze auf die Mortalität. Martina Ragettli, Swiss TPH, wies darauf hin, dass die Kantone in der Schweiz unterschiedlich auf die letzten heissen Sommer reagiert hätten, was die Schweiz zu einer interessanten Fallstudie machte. So beobachtete sie eine weniger ausgeprägte wärmebedingte Sterblichkeitsrate in Kantonen mit Hitze-Aktionsplänen, was auf die Wirksamkeit solcher Anpassungsmassnahmen hindeutet.

"Reichtum ist die beste Strategie zur Eindämmung des Klimawandels"

Der zweite Tag des Symposiums konzentrierte sich auf Anpassungsund Minderungsmassnahmen. Roland Hohmann vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) präsentierte die Risiken des Klimawandels in der Schweiz wie zum Beispiel Hitzestress und reduzierte Arbeitsproduktivität. Darauf aufbauend erarbeitete das BAFU Anpassungsmassnahmen mit Aktionsplänen und einem Tool Kit zur Vorbereitung der Bevölkerung auf den Fall einer Hitzewelle.

Ein Land wie die Schweiz dürfte über die Mittel verfügen, um dem Klimawandel zu begegnen; so sagte Gerardo Sanchez Martinez vom UN-Umweltprogramm: "Die beste Strategie, um den Klimawandel zu mildern, ist es, reich zu sein." Aber was ist mit Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen? Janine Kuriger von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) forderte: "Wenn wir nicht an Anpassungsund Minderungsmassnahmen arbeiten, werden wir schätzungsweise 100 Millionen zusätzliche Menschen in die Armut treiben und können die Ziele für nachhaltige Entwicklung nicht erreichen."

Martin Röösli, Swiss TPH und Co-Organisator des Symposiums, schloss: "Der Klimawandel betrifft chronische Krankheiten, Infektionskrankheiten, die psychische Gesundheit, die Ernährungssicherheit und die Arbeitsproduktivität. Die wichtigste Frage für die Forschung ist es, wie die Gesundheit der Bevölkerung in Zeiten des Klimawandels verbessert werden kann. Auf der einen Seite müssen wir den Klimawandel eindämmen, indem wir so schnell wie möglich Netto-Null-Emissionen erreichen. Andererseits muss sich das Gesundheitssystem auf die Veränderungen vorbereiten und die entsprechenden Ressourcen bereitstellen."