Ultraschnelle Laser so präzise und zuverlässig wie eine Schweizer Uhr

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Florian Emaury, CEO von Menhir Photonics, präsentiert ein ultraschnelles, kompak

Florian Emaury, CEO von Menhir Photonics, präsentiert ein ultraschnelles, kompaktes und robustes Lasersystem. ( Florian Bachmann / ETH Zürich)

Mit ultraschnellen Lasern den Markt bewegen. Das ist der Traum von Florian Emaury, dem CEO und Gründer der Firma Menhir Photonics. Ihr Ansatz: robuste Laser, die hochpräzis und zuverlässig sind - und dazu eine starke Präsenz in Märkten und in sozialen Medien.

Wer «Laser» hört, denkt vielleicht an einen Laserpointer oder an ein Laserschwert wie es Darth Vader und die Jedi-Ritter im «Krieg der Sterne» benutzen. Mit spektakulären Lichteffekten hat der Laser des ETH Spin-offs Menhir Photonics nichts am Hut. Rein äusserlich handelt es sich um ein hübsches, blaues Kästchen mit einer silbernen Schalung.

Tatsächlich ist dieses Lasergerät so robust wie es aussieht: selbst wenn man mit dem Hammer draufschlägt, erzeugt es weiter Laserstrahlen - schliesslich funktioniert es so präzise und zuverlässig wie eine Schweizer Uhr und bleibt dabei so stabil wie ein gallischer Hinkelstein (was «Menhir» auf Deutsch übersetzt bedeutet).

Präzis und zuverlässig, stabil und robust - für Florian Emaury, den CEO von Menhir Photonics und einer der drei Gründer des Unternehmens, sind das Schlüsseleigenschaften seines Lasergeräts. «Auch wenn man unseren Laser schüttelt oder draufschlägt, beeinträchtigt das seine Leistung nicht», sagt der Franzose.

Am Puls der Lasertechnologie

Marktabklärungen hätten ergeben, dass in der Industrie eine Nachfrage bestehe für diese Art bezugsfertiger, kompakter Laser - und zwar in sehr unterschiedlichen Anwendungsbereichen: Neben dem wissenschaftlichen Gebrauch in Forschungslabors eigneten sich diese Laser auch für industrielle Anwendungen in der Synchronisationselektronik, Mikrowellenerzeugung und Telekommunikation sowie für raue Umgebungen wie sie in der Luftund Raumfahrt vorkommen, da sie sehr unterschiedliche Druckverhältnisse und Erschütterungen aushielten.

Die Laser von Menhir Photonics sind nicht nur robust und zuverlässig, sie sind auch ultraschnell und erzeugen ein sehr reines Licht. Bei der blauen Komplettbox handelt es sich um einen sogenannten gepulsten Laser. Dieser Lasertyp erzeugt einen dicht gebündelten, hoch intensiven Laserstrahl, indem er einzelne Laserpulse extrem schnell aufeinanderfolgen lässt.

In diesem Sinn setzt Menhir Photonics auf ultrakurze Pulse, die nur ein paar Hundert Femtosekunden lang sind. Zum Vergleich: Eine Femtosekunde beträgt 0,000 000 000 000 001 Sekunden. Ein Augenzwinkern dauert 1 Sekunde. Im Endeffekt erzeugt dieser Femtosekundenlaser ein hochreines Laserlicht, dessen Intensität kaum schwankt - also «rauscharm» ist, wie die Physiker sagen.

Vom kleinen System zum grossen Markt

Für die Laser von Menhir Photonics hat Florian Emaury eine klare Geschäftsstrategie: «Photonik ist eine Schlüsseltechnologie, und wir entwickeln Laser mit dem Ziel, sie in komplette Industriesysteme zu integrieren.» Mit anderen Worten: Die Laser von Menhir Photonics sind keine endgültige Lösung für sich, sondern zentrale Grundbauteile zur Entwicklung von Gesamtanlagen. Zum Beispiel für komplexe Teilchenbeschleuniger oder für die Zeitmessung und Synchronisation von Satelliten.

Weil sie eben sehr zuverlässig arbeiten, lassen sich Menhir Photonics-Laser etwa als Referenz-Uhren in den Beschleunigeranlagen einsetzen. Aufgrund ihrer Stabilität und hohen Präzision kann man sie als sehr präzise «photonische Metronome» ansehen, die sich für jegliche Anwendung eignen, für die eine hohe Präzision erforderlich ist wie zum Beispiel für GPS oder für die Telekommunikation.

Anstatt Laser für einen Markt zu entwickeln, der sich längst gefestigt hat, tragen die Lasersysteme von Menhir Photonics selber zur Entwicklung von Märkten bei, die noch sehr fragmentiert sind, jedoch ein grosses Potenzial haben. Es gibt viele Firmen und Produkte nebeneinander und niemand dominiert. Wer früh in einen Markt eintritt, kann ihn eher mitgestalten und die Marktentwicklung unterstützen sowie mit Innovationen einen Wettbewerbsvorteil erlangen oder diesen erhalten.

Das weiss Florian Emaury aus Erfahrung - aus seinen früheren Erfahrungen mit einem Start-up und aus seinen industriellen Erfahrungen bei zahlreichen Laser-Herstellern weltweit. Heute hat Menhir Photonics Kunden aus der ganzen Welt. Das erste Geschäft schloss er in China ab, seither folgte Verkäufe in Deutschland, in den USA und eben neulich in der Schweiz.

Ein Dreierteam im Stream des Lebens

Florian Emaury arbeitet nicht allein. Menhir Photonics stützt sich auf ein ganzes Team mit einem umfassenden Fachwissen. Er und seine Partner, Roger Valentin und Benjamin Rudin, die ebenfalls ETH-Absolventen sind, verfügen zusammen über 30 Jahre Berufserfahrung. Benjamin Rudin und Florian Emaury kennen sich aus ihrer Zeit an der ETH. Florian Emaury arbeitete mit Ursula Keller zusammen, die diese Technologie seit 20 Jahren massgeblich vorantreibt. Bei der ETH-Professorin schloss er vor vier Jahren mit einer Doktorarbeit über Ultrakurzpuls-Laser ab.

Auch Benjamin Rudin erhielt seinen Doktortitel bei Ursula Keller, als er über ultraschnelle Laserquellen promovierte. Er ist ein unverzichtbarer Teil des Teams. Als Chief Technical Officer (CTO) ist Benjamin Rudin für das Design und die Überwachung der Laserprodukte verantwortlich und bringt modernste Innovationen in das Unternehmen ein. Roger Valentin ist ETH-Doktor der Elektrotechnik und Experte für das Design und die Produktion analoger und digitaler Elektronik für photonische Systeme. Er ist verantwortlich für die Abteilung Elektronik und Mechanik bei Menhir Photonics.

Florian Emaury selbst widmet einen Gutteil seiner Arbeitszeit den Kundenbeziehungen und der Marktkommunikation: «Als junges Unternehmen müssen wir eine starke Präsenz zeigen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.» Nicht nur real, auch virtuell. Auf LinkedIn zum Beispiel, einem sozialen Netzwerk für Geschäftskontakte, postet er regelmässig Neuigkeiten über die Produkte und Messeauftritte von Menhir Photonics, ebenso auf Twitter.

Den «Hammer-Test» hat er auf YouTube verbreitet: «Man kann nicht zu viel kommunizieren. Selbst wenn man denkt, dass man sein Produkt zu sehr anpreist, erreicht man wahrscheinlich nur einen kleinen Teil der potenziellen Kunden», sagt Emaury. Das Leben in sozialen Medien spielt sich im «Feed» ab, im ständigen Fluss vorbeiziehender Bilder, Videos und Kurztexte. In diesem Strom will Florian Emaury die Präsenz des Unternehmens aufrechterhalten und eine gute Beziehung zu den Kunden pflegen.

Florian Meyer