Verbesserung des Tuberkulose-Screenings in abgelegenen Gebieten

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Tuberkulosepatienten finden und behandeln ist in abgelegenen Gebieten eine gross

Tuberkulosepatienten finden und behandeln ist in abgelegenen Gebieten eine grosse Herausforderung. (Foto: Niklaus Labhardt/Swiss TPH)

Jedes Jahr sterben weltweit 1,5 Millionen Menschen an Tuberkulose (TB). In abgelegenen Gebieten ist die Diagnose und die Behandlung besonders schwierig. Heute kündigt das Schweizerische Tropenund Public Health-Institut (Swiss TPH) zusammen mit internationalen Partnern den Start des 4-jährigen TB TRIAGE+ Projekts an. TB TRIAGE+ wird neue diagnostische Ansätze evaluieren, um die aktive Fallsuche von TB-Patienten in abgelegenen Gebieten im südlichen Afrika effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Das Projekt wird von der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP) finanziert.

Tuberkulose (TB) ist nach wie vor die Infektionskrankheit, die weltweit am meisten Todesfälle fordert. Vor allem in schwer zugänglichen Gebieten bleibt die Diagnose und Behandlung von TB eine grosse Herausforderung. In Gebieten mit hohem Vorkommen wird ein Drittel der Patienten nie diagnostiziert. Um diese Patienten zu finden, zu diagnostizieren und zu behandeln, führen mehrere Länder aktive Fallsuchkampagnen durch. Während solcher Kampagnen wird die Bevölkerung nach Symptomen gefragt, die auf TB hinweisen, und, wenn sie positiv sind, mit einem molekularen Sputumtest, dem Xpert MTB/RIF, getestet.

"Es ist arbeitsintensiv und kostspielig, jede Person, die unspezifische TB-Symptome aufweist, mit Xpert MTB/RIF zu testen, zumal die meisten Personen nicht an TB erkrankt sind", sagt Klaus Reither, Leiter der Einheit «Clinical Research» am Swiss TPH und Projektleiter von TB TRIAGE+. "Eine viel effizientere und kostengünstigere Methode wäre es, zuerst einen Triage-Test durchzuführen, um Menschen auszuschliessen, die höchstwahrscheinlich nicht TB haben. Der molekulare Test müsste dann nur noch bei den übrigen Personen durchgeführt werden."

Das TB TRIAGE+ Projekt wird die Exaktheit, Wirkung und Kosteneffizienz neuer Fallsuch-Methoden auf Gemeindeebene eruieren, um potenzielle Tuberkulosepatienten besser zu triagieren. Das Herzstück von TB TRIAGE+ ist eine gross angelegte, cluster-randomisierte klinische Studie in den ländlichen Gemeinden Lesotho und KwaZulu-Natal in Südafrika, die stark von TB- und HIV-Epidemien betroffen sind. TB TRIAGE+ wird vom EDCTP mit 3,19 Millionen Euro finanziert und beginnt am 1. Januar 2020.

Neuartige Röntgenanalyse und Blutmarker zur Untersuchung von Patienten

"Ziel der Hauptstudie von TB TRIAGE+, an der 35.000 Menschen teilnehmen werden, ist es, eine geeignete Triage-Methode zu identifizieren, die den Zugang zu Diagnose und Behandlung verbessert und die Diagnosekosten substantiell reduziert", sagt Reither.

Einerseits wird das Projekt die automatisierte Röntgenanalyseplattform (CAD4TB) testen, die innerhalb von Sekunden erkennen kann, ob es Anzeichen einer Lungen-TB gibt. "CAD4TB hat sich zu einem Hochdurchsatz-Screening-Tool entwickelt, das viele Menschen in kurzer Zeit auf TB testen kann. In Kombination mit einem tragbaren Röntgengerät werden wir die Röntgenbilder auch in den entlegensten Gebieten durchführen und analysieren können", so Reither. Andererseits wird der C-reactives Protein Test, ein Blutmarker für Entzündungen und Infektionen, auf sein Potenzial für die Triagierung überprüft. In der Studie werden beide Tools mit dem aktuellen Behandlungsstandard verglichen.

Über TB TRIAGE+

Neben der grossen klinischen Studie will TB TRIAGE+ auch eine Reihe von Forschungsfragen im Zusammenhang mit Triage-Tests und der aktiven TB-Fallsuche beantworten. Das Projekt wird auch Forschungskapazitäten und neue Netzwerke für zukünftige Forschungsprojekte aufbauen.

Swiss TPH leitet TB TRIAGE+ in Zusammenarbeit mit SolidarMed (Lesotho/Schweiz), dem Human Sciences Research Council (Südafrika), dem Institute of Tropical Medicine in Antwerpen (Belgien), dem Radboud University Medical Center, Nijmegen (Niederlande), der Charité Universitätsmedizin Berlin (Deutschland) und dem Universitätsspital Basel (Schweiz).