Vollendung des Generationenprojekts V-Bahn

Anfang Dezember 2020 ging der Eiger Express in Betrieb. Die spektakuläre Seilbahn führt von Grindelwald Terminal zur Station Eigergletscher und ist der zweite Arm der V-Bahn. ABB hat für den Eiger Express - wie auch für die Gondelbahn auf den Männlichen - die Antriebslösungen beigesteuert.

Die Aussicht durch die beheizten Panaromafenster der Kabinen ist einmalig. Links die legendäre Eigernordwand. Rechts das Lauberhorn. Hinten der Talkessel mit Grindelwald. Vorne die Station Eigergletscher, wo es entweder auf die Piste, den Wanderweg oder weiter hoch zum Jungfraujoch geht.

Fast 30 km/h schnell
Der am 5. Dezember 2020 in Betrieb genommene Eiger Express beeindruckt auch durch seine technischen Daten: Die Gondeln verkehren mit einer Geschwindigkeit von 8 Metern pro Sekunde, also knapp 29 Stundenkilometern. Éblich sind 6 Meter pro Sekunde. Das fällt den Fahrgästen spätestens bei der rasanten Einfahrt in die Station Eigergletscher auf, wo die Gondel kontrolliert auf die Stationsgeschwindigkeit abgebremst wird. So legt die Bahn eine Fahrstrecke von knapp 6,5 Kilometern und eine Höhendifferenz von 1385 Metern in lediglich 15 Minuten zurück.

Vier Elektromotoren mit Frequenzumrichtern
Die Antriebslösung für diese spektakuläre Seilbahn hat ABB geliefert: vier Elektromotoren mit einer Leistung von je 500 Kilowatt, jeweils angetrieben von einem rückspeisefähigen Frequenzumrichter vom Typ ACS 880.

Qualität von ABB für höchste Verfügbarkeit
«Für unseren Endkunden, die Jungfraubahnen, hat die maximale Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit des Eiger Express oberste Priorität. So hat sich unsere Unternehmensgruppe für den Einsatz von Motoren und Frequenzumrichter von ABB entschieden. Wir sind von deren Qualität überzeugt und kennen ABB aus Erfahrung als verlässliche Partnerin», so Raphael Reinle, verantwortlicher Projektleiter bei Garaventa. Die Garaventa AG ist der Schweizer Teil der Doppelmayr/Garaventa Gruppe, welche den Eiger Express realisierte. Deren Tochterunternehmen Frey AG zeichnet für die elektrische Steuerung verantwortlich und hat die Antriebslösung von ABB integriert.

Weiterbetrieb auch bei Ausfall eines Motors
Der Verfügbarkeit der Bahn dient die Auslegung mit den vier Motoren/Frequenzumrichtern, die in der Station Eigergletscher installiert sind. Selbst wenn einer dieser Antriebsstränge ausfallen sollte, fährt der Eiger Express weiter. Mit der etwas geringeren Geschwindigkeit von 6 Metern pro Sekunde, aber bei voller Auslastung.

Kraftakt beim Ausrangieren
In den 44 Gondeln der Seilbahn können 2200 Personen pro Stunde befördert werden. «Die grösste Leistung muss das System beim Ausgaragieren aus dem Terminal in Grindelwald Grund bringen, wenn talwärts noch keine Gondeln als Gegengewicht wirken», erklärt Reinle. Für das Garagieren, mit dem die Gondeln bei Betriebsschluss vor den Umwelteinflüssen geschützt werden, stehen ebenfalls Dutzende Frequenzumrichter von ABB im Einsatz.

Energie beim Abbremsen in der Station wird genutzt
16 rückspeisefähige ABB-Umrichter sind zudem für das Beschleunigen und Abbremsen der Gondeln bei der Bergund Talstation installiert. Die dabei anfallende kinetische Bremsenergie wird in elektrische Energie umgewandelt und ins Netz rückgespiesen. Bei einer voll besetzten Gondel lassen sich so jeweils rund 30 Wattstunden rekuperieren. Die zurückgewonnene Bremsenergie bei einem Umlauf der 44 Gondeln - jeweils Bergund Talstation - beträgt etwa 2,5 Kilowattstunden. Auf das gesamte Betriebsjahr hochgerechnet, kommt so einiges an rekuperierter Energie zusammen.

Föhnsturm macht der Bahn nichts aus
Der Eiger Express ist eine 3S-Bahn, welche die Vorteile einer Gondelmit jener einer Pendelbahn zu einer kuppelbaren Umlaufbahn kombiniert. Die beiden Tragseile sorgen für eine hohe Stabilität auch bei starkem Wind. «Das konnten wir am Eröffnungstag hier live erleben und bestätigen. Der Föhn blies mit bis zu 100 Stundenkilometern ins Tal. Es war wirklich eindrücklich, wie ruhig die Gondeln blieben. Im Innern spürten wir kaum etwas vom Sturmwind», erinnert sich Reinle.

Gondeln generieren selbst Energie
Diese Gondeln sind die derzeit wohl modernsten Seilbahnkabinen der Welt. Die 26 Sitzplätze können ebenso beheizt werden wie die Panoramaverglasung - damit im Winter die Aussicht ungetrübt bleibt. Zwei Bildschirme bieten den Fahrgästen Informationen. Die Energie dafür wird von jeder Gondel selbst erzeugt, mit neuentwickelten Laufrollengeneratoren. Die acht Rollen versorgen so jede Kabine unterwegs mit 4 Kilowatt Leistung.

Der zweite Schenkel der V-Bahn
Der Eiger Express ist der zweite Schenkel der V-Bahn. Er teilt sich mit der Ende 2019 eröffneten Männlichenbahn den modernen, an das öffentliche Bahnnetz angeschlossene Grindelwald Terminal. Mit einer Länge von 6100 Metern ersetzte die 10er-Gondelbahn Grindelwald-Männlichen im Rahmen des Projekts V-Bahn die alte Gondelbahn aus dem Jahr 1978. Sie hat mit 111 Gondeln die Beförderungskapazität von 900 auf 1800 Gäste pro Stunde verdoppelt und die Fahrzeit von 30 Minuten auf 19 Minuten verkürzt. Angetrieben wird sie von zwei 800-Kilowatt-Motoren von ABB mit je einem rückspeisefähigen Frequenzumrichter.

Investition von 470 Millionen Franken
Die Bezeichnung «Generationenprojekt» wird der V-Bahn gerecht. Ganze 470 Millionen Franken haben die Jungfraubahnen dafür im Berner Oberland investiert. Damit verkürzt sich etwa die Reisezeit auf das Jungfraujoch um eine Dreiviertelstunde, was die Attraktivität vom «Jungfraujoch - Top of Europe» als Schweizer Tourismushighlight weiter erhöht.

Eine Woche vor Plan
Die Bauzeit für die beiden Bahnen belief sich auf genau 908 Tage. Dabei konnte die Eröffnung des Eiger Express, mit der das Projekt vollendet wurde, gar um eine Woche vorgezogen werden, trotz coronabedingten Herausforderungen 2020. Möglich machte das eine gute Koordination unter allen beteiligten Firmen. «Auch ABB hat ihre Motoren und Frequenzumrichter absolut fristgerecht geliefert», zieht Raphael Reinle ein positives Fazit.

V-Bahn im Éberblick: Hauptkomponenten des Grossprojekts V-Bahn sind der Eiger Express, die Männlichenbahn und der gemeinsame, an das öffentliche Bahnnetz angeschlossene Grindelwald Terminal. Zudem wurden die Jungfraubahn, die Wengernalpbahn und die Berner Oberland-Bahn mit neuem Rollmaterial ausgestattet. Die Rundreise ab Interlaken zum Jungfraujoch ist während des ganzen Jahres möglich. Durch den Eiger Express sind die Gäste letztlich schneller auf dem Jungfraujoch oder im Skigebiet.

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