Wahlhilfeplattform fördert das Panaschieren

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Wahlhilfeplattform fördert das Panaschieren
«Smartvote» verändert das Wahlverhalten in der Schweiz nur minim, wie neue Forschungsergebnisse zeigen. Die Beteiligung steigt nicht. Und auch das Panaschieren, das zwar häufiger zur Anwendung kommt, macht am Ende bei den Wahlresultaten keinen Unterschied.

Mit Wahlhilfeplattformen können Bürgerinnen und Bürger herausfinden, welche Parteien oder Kandidierenden am besten zu ihnen passen. Aber verändern solche Internettools durch den einfacheren Zugang zu Information auch das Wahlverhalten? Eine neue Studie unter Beteiligung von Forschenden der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universit Luzern hat gezeigt, dass Smartvote - die in der Schweiz am weitesten verbreitete Plattform - unter dem Strich wenig Einfluss auf den Ausgang von Wahlen hat.

«Smartvote wird im Durchschnitt von 15 bis 20 Prozent der Wählenden genutzt», sagt Lukas Schmid, Mitautor und für empirische Methoden an der Universität Luzern. «Die meisten davon sind eher jung, geniessen eine hohe Bildung und haben ein hohes politisches Vorwissen und Interesse.» Auf der Plattform können sie einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen. Anschliessend erhalten sie eine Liste der Kandidierenden, die am ehesten mit den eigenen Positionen Übereinstimmen. 2019 war Smartvote in 21 Kantonen verfügbar.

Nutzende bereits wahlfreudig

«Wir konnten zeigen, dass Smart­vote zwar keinen Einfluss auf die Wahlbeteiligung hat - wohl aber das Wahlverhalten verändert», so Schmid. Das Team hat die kantonalen und nationalen Wahlen zwischen 1995 und 2018 analysiert. Nachdem das Tool in einem Kanton verfügbar wurde, stieg die Wahlbeteiligung nicht signifikant. «Das lässt den Schluss zu, dass Menschen, die Smartvote verwenden, ohnehin schon geneigt sind, an Wahlen teilzunehmen.» Auch sich über eine Wahlhilfeplattform zu informieren, benötige Zeit und politisches Vorwissen.

Jedoch steige dadurch die Tendenz, eine Parteiliste zu verändern. Meistens werden dabei Kandidierende auf die Liste einer anderen Partei eingetragen. «Die Einführung von Smartvote führt also zu einer diverseren Wahl», so Schmid. «Dieser Effekt ist aber zumindest für die Regierungsparteien ein Nullsummenspiel.» Die Gewinne und Verluste durch dieses sogenannte Panaschieren gleichen sich im Endeffekt wieder aus. «In einem nächsten Schritt wollen wir genauer untersuchen, wie sich Smartvote auf die Wahlchancen von Frauen und Minderheiten auswirkt.»

Christine Benesch (HWZ Hochschule für Wirtschaft), Rino Heim (Universität Luzern), Mark Schelker (Universität Fribourg) und Lukas Schmid (Universität Luzern)
Do Voting Advice Applications Change Political Behavior?
The Journal of Politics, 2023 Open-Access-Abruf des Aufsatzes Minimal angepasste Zweitpublikation; Originalartikel erschienen in «Horizonte. Das Schweizer Forschungsmagazin».



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