Wen interessiert die Wissenschaft?

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Nicht alle Männer und Frauen stehen Wissenschaft und Forschung gleich gegenüber. In der Schweiz lassen sich dabei vier Interessensgruppen unterscheiden, wie eine Studie der Universitäten Zürich und Freiburg aufzeigt. Die Palette reicht vom Wissenschaftsenthusiasten bis hin zum Wissenschafts-Desinteressierten. Trotz der grossen Unterschiede unterstützen aber alle vier Gruppen die Förderung von Wissenschaft und Forschung.
Der 2016 veröffentlichte «Wissenschaftsbarometer Schweiz» lieferte ein klares Bild: Schweizerinnen und Schweizer interessieren sich für grundsätzlich für Wissenschaft und Forschung und finden auch, dass diese Unterstützung verdienen. «Dieser Hauptbefund bedeutet aber nicht, dass alle Schweizerinnen und Schweizer die gleiche Einstellung zur Wissenschaft haben“, betont Julia Metag, Professorin an der Universität Freiburg. „Ein differenzierteres Meinungsbild ergibt sich durch eine Gruppierung der Bevölkerung». Prof. Metag und ein vierköpfiges Forschungsteam haben diese Gruppen in einer neu veröffentlichten Studie rekonstruiert und konnten dabei vier Typen von Schweizerinnen und Schweizern definieren, die sich in ihrer Einstellung zur Wissenschaft unterscheiden.

Enthusiasten und kritisch Interessierte
Zwei der vier Typen bekunden ein grosses Interesse für die Wissenschaft: Für die so genannten «Sciencephilen» spielt Wissenschaft gar eine wichtige Rolle im Leben. Sie sind überzeugt, dass Wissenschaft nicht nur sehr nützlich ist, sondern auch viele Probleme lösen kann und wird. Die «Sciencephilen» machen rund 28 Prozent der Bevölkerung aus, sind mehrheitlich männlich, im Schnitt 47 Jahre alt und gut ausgebildet. Die zweite Gruppe (17 Prozent) ist ebenfalls sehr an Wissenschaft interessiert, nimmt jedoch eine kritischere Grundhaltung ein. Diese «kritisch Interessierten» finden, dass man der Wissenschaft klare Grenzen setzen muss, da sie auch viele moralische und ethische Probleme mitbringt. Trotz aller Skepsis sind sie aber noch immer stärker als der Schweizer Durchschnitt dafür, dass Wissenschaft öffentlich unterstützt werden sollte.

Grösste Gruppe sind «passive Unterstützer»
Knapp 42 Prozent der Bevölkerung bilden die grösste Gruppe: Die «passiven Unterstützer». Menschen dieses Typs vertrauen der Wissenschaft grundsätzlich und sind der Meinung, sie verbessere im Grossen und Ganzen unser Leben. Jedoch haben sie kein ausgeprägtes Interesse daran, sich vertieft mit Wissenschaft auseinanderzusetzen, geschweige denn, sich einmal an einem Projekt, als sogenannte «Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler» zu beteiligen. Zu dieser Gruppe gehören vor allem Frauen, der Alter im Durchschnitt bei 46 Jahren liegt. Die kleinste Gruppe - rund 13 Prozent der Bevölkerung - ist die der «Desinteressierten». In ihrem Leben spielt Wissenschaft so gut wie keine Rolle. Entsprechend denken sie auch nicht, es lohne sich über Wissenschaft informiert zu sein. Ihr Vertrauen in die Wissenschaft ist von vier Typen das am wenigsten ausgeprägte, weswegen sie auch der Meinung sind, dass sich die Gesellschaft zu sehr auf die Forschung verlasse. Entsprechend ist die öffentliche Unterstützung von Wissenschaft und Forschung von Seiten der Desinteressierten am geringsten. Sie ist aber nicht negativ, sondern eher auf der Kippe. Auch in dieser Gruppe sind die Frauen in der Mehrheit, das Durchschnittsalter beträgt 45 Jahre.

Andere Typen, anderer Medienkonsum
«Die vier Typen wurden anhand von Einstellungen zu Wissenschaft und Forschung konstruiert. Schaut man jedoch auf den Medienkonsum, so zeigen sich auch dort systematische Unterschiede zwischen den Typen», erklärt Tobias Füchslin, Kommunikationswissenschaftler der UZH.

Am klarsten spiegeln sich diese Unterschiede in der Vielfalt der Medienkanäle, welche die vier Typen nutzen. Die beiden interessierten Typen - «Sciencephile» und «kritisch Interessierte» - nutzen viele Kanäle und kommen über das Fernsehen, Radio und die Presse mit Wissenschaft in Kontakt. Noch öfter machen sie sich jedoch das Internet zu Nutze und informieren sich aktiv auf Wikipedia und wissenschaftlichen Webseiten. Die «Desinteressierten» kommen dagegen kaum durch Medien in Kontakt mit Wissenschaft. Mit einer Ausnahme: Das Radiound TV-Angebot des SRF erreicht diese Gruppe genau so oft wie alle anderen drei Einstellungstypen.

Hintergrund des Projektes
Das Langzeitprojekt «Wissenschaftsbarometer Schweiz» erhebt, was die Schweizer Bevölkerung über wissenschaftliche Themen denkt, und wie unterschiedliche Informationsquellen von Massenmedien über Facebook und Twitter bis hin zu Familie und Freundeskreis die Wahrnehmung von wissenschaftlichen Themen beeinflussen.

Mittels einer repräsentativen, alle drei Jahre stattfindenden Telefon-Befragung der Schweizer Bevölkerung werden aktuelle Wandlungsprozesse der Wissenschaftskommunikation und ihres Publikums nachvollzogen. Befragt wurden 1051 Personen - 651 in der Deutschschweiz, 200 in der Westschweiz und 200 im Tessin.

Link: www.wissenschaftsbarometer.ch - Auf Twitter: @wissbarometerCH

Literatur
Mike Schäfer, Tobias Füchslin, Julia Metag, Silje Kristiansen, Arian Rauchfleisch (2018): The different audiences of science communication: A segmentation analysis of the Swiss population’s perceptions of science and their information and media use patterns. Public Understanding of Science. DOI: 10.1177/0963662517752886