Wie das Start-up-Ökosystem der ETH funktioniert

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Wie das Start-up-Ökosystem der ETH funktioniert

43 Spin-offs wurden 2023 an der ETH Zürich gegründet, so viele wie noch nie. Was steckt hinter dahinter? Eine Spurensuche entlang einer typischen Gründerkarriere.

Mathematik, Theorien, Fachwissen: In den ersten Jahren büffeln ETH-Studierende Grundlagen. Das zeichnet sie aus und bildet später auch das Fundament für die vielen Spin-off-Gründungen. Kaum ist aber das erste Jahr Überstanden, folgen Projektarbeiten, in denen Studierende lernen, in Lösungen zu denken. In vielen Studiengängen sind sie fester Teil des Lehrplans.

Studierende bauen etwa Elektroautos, Wasserstoffflieger oder Tunnelbohrmaschinen und lernen dabei, Projekte selbstständig zu führen und immer wieder kreative Lösungen zu entwickeln. Das stärkt Selbstvertrauen und Unternehmergeist.

Den Mut, Ideen zu verfolgen und dabei auch zu scheitern, fördert die ETH aktiv. Im Student Project House lernen Studierende - wenn sie wollen - in einem geschützten Rahmen und ohne Notendruck Neues zu entwickeln.

Vernetzen und Ideen testen

Dabei arbeiten sie immer in fachübergreifenden Teams zusammen. Das Student Project House bringt sie von Anfang an mit Vertreter:innen der Industrie in Kontakt, damit sie ihre Ideen testen und an echten Bedürfnissen ausrichten können.

Neben der strategischen Förderung von unternehmerischem Denken engagieren sich die Studierenden selbst um Entrepreneurship. Der von Studierenden gegründete und betriebene Entrepreneur Club organisiert Innovationswettbewerbe, inspiriert Studierende bei sogenannten «FuckUp-Nights» und bringt bei Anlässen Studierende mit Startups und Industrievertretern in Kontakt.

Diese Vernetzung ist massgeblich für den Erfolg unternehmerischer Ideen von ETH-Studierenden. Die ETH pflegt daher ein Netzwerk und Ökosystem, das Gründer:innen den Boden bereitet. Teil davon ist das schweizweite Programm Talent Kick, das Studierende bereits vor dem Abschluss unterstützt, Mitgründer:innen zu finden und praktische Erfahrungen als Unternehmer zu sammeln.

Von der Doktorarbeit zum Produkt

Weitere Beispiele sind ESA BIC, das Förderprogramm der ETH und der European Space Agency (ESA) für Startups mit Bezug zur Raumfahrt. In den Bereichen Medizin und Robotik fördert Wyss Zürich rund ein Dutzend junge Gründerinnen der ETH und der Universität Zürich.

Doch nicht nur die Unterstützung von Studierenden ist ein wichtiger Baustein im Ökosystem der ETH-Start-up-Förderung. Junge Forschende, die Ergebnisse ihrer Doktoroder Masterarbeit kommerzialisieren möchten, können sich auf sogenannte Pioneer Fellowships bewerben.

Jährlich erhalten zwischen 12 und 15 Forschende 150’000 Franken und während 18 Monaten Coaching, unternehmerische Ausbildung und Zugang zu ETH-Infrastruktur, also je nach Bedarf zu Laboren, Werkstätten, Rechnerkapazität oder Räumlichkeiten. Finanziert wird das Programm durch Donator:innen via die ETH Foundation.

Unterstützung bei Patenten, Lizenzen und Grants

Das unternehmerische Ökosystem der ETH hat sogar eigene Navigatoren: Wer gründen möchte, findet Beratung und Unterstützung bei der Gruppe ETH Entrepreneurship. Diese lotst die jungen Forschenden zu den geeigneten Programmen, Grants und Kontakten im Gründer-Ökosystem. Auch für Fragen zu geistigem Eigentum, Lizenzen und Patenten steht ein eigenes Team bereit. Dieses prüft ebenso die Anerkennung von Start-ups als offizielle ETH-Spin-offs.

Auch wenn unternehmerische Ideen ausserhalb der Hochschule bereits Fuss gefasst haben, bietet die ETH noch Support. Anerkannte ETH-Spin-offs werden in den oft entscheidenden Jahren nach der Gründung durch Beratung, Lizenzierung von ETH-Technologien und Kontaktvermittlung unterstützt, zum Beispiel beim "Investor-Summit" einem neuen Investoren-Anlass, den die ETH gemeinsam mit der Bank UBS organisiert.

Eine umfassende Analyse der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2020 hat ergeben, dass ETH-Spin-offs leistungsfähiger sind, mehr Arbeitsplätze schaffen und auch häufiger Übernommen werden als durchschnittliche Schweizer Start-ups.

Dieser Text ist in der Ausgabe 24/02 des ETH-Magazins Globe erschienen.

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Michael Walther