Wie verändert Klimapolitik die Gesellschaft?

Referentin Lena Maria Schaffer (Foto: Simon Leibundgut)
Referentin Lena Maria Schaffer (Foto: Simon Leibundgut)
In der dritten Ausgabe der «LUKB-Veranstaltungsreihe» gab die Luzerner Politologin Lena Maria Schaffer spannende Einblicke in ihre Forschungsarbeiten. Trotz des grundsätzlichen Konsens über die Notwendigkeit von Klimaschutz in der Bevölkerung zeigen sich Widerstände gegen ambitionierte Klimapolitik.

Die Universität Luzern ziehe Wärme aus dem Vierwaldstättersee und verfüge über Solarpanels auf dem Dach, erklärte Rektor Bruno Staffelbach in seiner Einführung zur dritten Ausgabe der «LUKB-Veranstaltungsreihe». Doch was Fragen rund um das Klima für die Universität Luzern zentral mache, sei die Tatsache, dass neben naturwissenschaftlichen Perspektiven das Thema auch in den Humanwissenschaften stark an Bedeutung gewonnen habe. Wie die Politologie sich mit Klimafragen auseinandersetzt, zeigte Lena Maria Schaffer, Professorin Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Interund Transnationale Beziehungen, in ihrem Vortrag.

Allgegenwart von CO2

Eingangs betonte Schaffer, dass in der Vergangenheit die Menschheit globale Umweltprobleme bereits in den Griff bekommen hat - beispielsweise durch Schwefeldioxide verursachten sauren Regen oder das durch die Freisetzung von FCKW entstandene Ozonloch. Der globale Umgang mit dem Klimawandel gestalte sich aber aus verschiedenen Gründen als anspruchsvoller: CO2 sei allgegenwärtig, durch das Verbrennen von Fossilen Energieträgern werden ständig und Überall Unmengen von Treibhausgassen freigesetzt. Diese sind hauptverantwortlich für die globale Erderwärmung, die durch zahlreiche Studien klar belegt ist. In der Schweiz sei der Klimawandel durch Auswirkungen wie häufigerem Auftreten von Starkregen, weniger Schnee, einer höheren Nullgradgrenze, schmelzenden Gletschern und mehr Hitzetagen spürbar.


Das Klima sei, so Schaffer, ein globales öffentliches Gut - oder besser: ein «public bad». Unabhängig davon, wo klimaschädliche Gase ausgestossen werden, fördere dies die globale Erwärmung, gleichzeitig trage eine Reduktion weltweit zur globalen Lösung des Problems bei. Nationalstaaten könnten das Problem also nicht alleine lösen, für die Erarbeitung und Durchsetzung von globalen Lösungen gäbe es allerdings keine zentrale Autorität. Dass von Emissionseinsparungen alle profitieren, schaffe dazu noch Anreize zum Trittbrettfahren, erklärte Schaffer.

Entwicklungen auf internationaler Ebene

Vor diesem Hintergrund habe sich der Klimawandel in den letzten Jahrzehnten zu einem der drängendsten Probleme auf der internationalen und nationalen politischen Agenda entwickelt, führte die Politologin aus: Um den Klimawandel auf internationaler Ebene anzugehen, wurde 1992 das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) verabschiedet. Im Verlauf der folgenden Dekaden kamen weitere dazu. Das Pariser Abkommen von 2015 hat erstmalig alle Staaten auf ein gemeinsames Ziel vereint: Punkto Erwärmung soll man klar unter 2° Celsius bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen, wäre eine ambitionierte Klimapolitik nötig. Auf nationaler Eben könne man zeigen, dass eine solche an Wichtigkeit gewinne, aber auch auf Wiederstände trifft.

Positionierung politischer Parteien

In einer Studie, welche diese Entwicklung über mehrere Jahrzehnte in vier Ländern auf nationaler Ebene verglich, konnte Schaffer zusammen mit ihrem Team zeigen, dass sowohl eine erhöhte Salienz - also Wichtigkeit - als auch eine verstärkte Positionierung zum Thema Klimaund Energiepolitik festgestellt werden kann. So waren die Positionierungen von linken wie auch rechten Parteien im Zeitraum von 1995-1999 relativ ähnlich, im Zeitraum von 2015-2019 sind die Positionen mit Blick auf die Notwendigkeit und das erforderliche Tempo der Energiewende hingegen weit auseinandergedriftet.

Doch auch auf individueller Ebene sind Haltungen nicht in Stein gemeisselt. Schaffer untersuchte in einer experimentellen Befragung die Einstellung von Individuen zu «Ambitionierte Klimapolitik. Konkret ging es um die Totalrevision des CO2-Gesetzes 2020. Diese sollte die Klimapolitik mit Blick auf das Pariser Abkommen neu regeln und bisherige Massnahmen verschärfen. Für die Studie wurden 4000 Personen in der Schweiz in den zwei Wochen vor der Verabschiedung der Totalrevision des CO2-Gesetzes im September 2020 befragt.

Mehr Wissen fördert Zustimmung

Die Befragten wurden einerseits in Mieterinnen und Mieter sowie Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer unterteilt und anderseits über unterschiedliche Fakten informiert. Dabei zeigte sich, dass die Unterstützung für die Revision von unter 50 Prozent um 13 Prozentpunkte anstieg, wenn Personen darüber informiert wurden, welche Bevölkerungsgruppen von dem Gesetz profitieren würden. Die Zustimmung wuchs dabei interessanterweise unabhängig davon, ob man selbst zu einer der Gruppen gehört, die vom Gesetz profitieren würde.

Grundkonsens nicht verlieren

Im Anschluss an das Referat moderierte Rektor Bruno Staffelbach ein Gespräch zwischen der Referentin und Daniel Salzmann, CEO der Luzerner Kantonalbank, sowie dem Publikum. Schaffer betonte, dass wir den gesellschaftlichen Grundkonsens mit Bezug auf den Klimawandel nicht verlieren dürfen. Daniel Salzmann legte dar, in welchen Bereichen sich die Luzerner Kantonalbank bereits engagiert und welche ambitionierten Ziele sie mit Blick auf Klimaschutz verfolgt.