,,Wilde Tage" an der Vogelwarte

20’000 Brutpaare weniger: In nur einer Menschengeneration büsste der Graus

20’000 Brutpaare weniger: In nur einer Menschengeneration büsste der Grauschnäpper in unserem Land einen Drittel seines Bestands ein. Er schätzt alte Bäume in Gärten und Parks und kann mit Nisthilfen gefördert werden. Auch im Garten der Vogelwarte brütet er regelmässig. Foto © Marcel Burkhardt

Typische Vögel unserer Dörfer und Städte sind auf dem Rückzug. Mit ihrer Aktion ,,Wilde Tage" vom 20.-28. Juni lädt die Vogelwarte in ihrem Besuchszentrum deshalb dazu ein, mehr Natur vor die eigene Haustür zu holen. Denn schon kleine Massnahmen können viel bewirken: Dank einheimischen Gewächsen und artenreichen Blumenwiesen sind 25 Vogelund über 50 Wildbienenarten im Garten der Vogelwarte zu Hause.

Sempach. - Naturnahe Gärten und Parks mit einheimischen Bäumen und Sträuchern, bunten Blumenwiesen sowie Verstecken und Nistplätzen: Das ist die Lebensgrundlage für Schmetterlinge, Wildbienen, Igel, Vögel und viele weitere Tiere. Und es steigert das menschliche Wohlbefinden, wie verschiedene Untersuchungen zeigen. Doch trotz der Zunahme der überbauten Fläche in der Schweiz sind die Bestände typischer Siedlungsvögel wie Stieglitz, Mehlschwalbe und Grauschnäpper in den letzten 20 Jahren zum Teil massiv zurückgegangen. Allzu oft verhindern die schlechte Planung von Grünräumen und die wenig naturgerechte Organisation deren Pflege sowie übertriebener Ordnungssinn, dass sich die Natur in unseren Städten und Dörfern entfalten kann.

Tipps aus erster Hand
Doch was kann man vor der eigenen Haustüre unternehmen, um mehr Lebensraum für die Tierwelt und Wohlfühloasen für uns Menschen zu schaffen? Inputs hierfür liefert die Aktion ,,Wilde Tage", welche die Vogelwarte Sempach vom 20.-28. Juni durchführt: Im wohl grössten begehbaren Vogelnest der Schweiz und in Kurzführungen an den Wochenenden erhalten die Gäste Informationen und Tipps zum Thema Naturgarten. Im Garten des Besuchszentrums kann man sich anschliessend gleich selbst vom Reiz einer naturnahen Umgebung überzeugen.

Höchste Zeit für mehr Natur im Garten
Dass Vögel gerne naturnahe Gebiete rund ums Haus besuchen, zeigt sich im Naturgarten der Vogelwarte beispielhaft: ,,Letztes Jahr brüteten hier 25 Vogelarten", freut sich Felix Tobler, Leiter des Besuchszentrums und fügt an: ,,Die Vögel finden hier Nistplätze und ein reiches Insektenangebot". Apropos Insekten: In einer 2019 durchgeführten Untersuchung konnten 51 Wildbienenarten im Vogelwarte-Garten nachgewiesen werden. Zehn davon sind gefährdet und stehen auf der Roten Liste der Wildbienen der Schweiz. Das Beispiel zeigt: Höchste Zeit, etwas für die Natur in unserer nächsten Umgebung zu tun. Und: Schon relativ kleine Änderungen können viel bewirken!


Vom 6. Juni bis 4. Oktober kann im Besuchszentrum der Vogelwarte Sempach die Freiluftausstellung zum Naturgarten besucht werden. Vom 20.-28. Juni geben Fachleute an den Wochenenden Infos, Tipps und Kurzführungen. Details unter www.vogelwarte.ch/besuch.