World Toilet Day: Urin als Wertstoff behandeln

Ein aktuelles Forschungsprojekt der Eawag aus Nepal illustriert am heutigen Welt-Toiletten-Tag (World Toilet Day), wie die Verbesserung der Siedlungshygiene mit einem wirtschaftlichen Nutzen kombiniert werden kann. Aus dezentral gesammeltem Urin wird ein lokal wieder verwend- barer Dünger produziert. Das Projekt - bisher aus Eawag Eigenmitteln finanziert - hat gezeigt, dass die Herstellung von Struvitpulver aus Urin tech- nisch machbar und für die Beteiligten ein Erfolg ist.

Steigende Energiepreise haben auch dazu geführt, dass weltweit die Preise für Dünger stark ansteigen. In Nepal zum Beispiel, hat sich der Preis für einige Dünger 2007 in kurzer Zeit versiebenfacht. Das Projekt STUN (Struvite from Urine in Nepal) der Eawag hat die Machbarkeit der Urindünger- produktion aus dezentral gesammeltem Urin untersucht.

Aus dem von Trenntoiletten mit kleinen Sammeltanks eingesammelten Urin wird durch Fällung mit Magnesium Struvit produziert. Struvit ist nach der Entwässerung im Filtersäcken und Trocknung an der Sonne ein geruchloses Pulver oder Granulat, das im Land- und Gartenbau ideal eingesetzt werden kann. Struvit ist auch als MAP bekannt ­? für Magnesium-Ammonium-Phosphat (MgNH4PO46H2O).

Auch soziale und ökonomische Aspekte untersucht

In der Gemeinde Siddihipur im Kathmandu-Tal hat das Projekt der Eawag Abteilung für Wasser und Siedlungshygiene in Entwicklungsländern (Sandec) nicht nur die technische Seite der lokal verankerten Urindüngerproduktion untersucht, sondern auch die sozialen und ökonomischen Aspekte unter die Lupe genommen. Das Ziel ist, gleichzeitig die Siedlungshygiene zu verbessern und einen Beitrag zu leisten an die unabhängige Nahrungsmittelproduktion im Inland. Denn heute muss Nepal sämtlichen Dünger importieren - oft zu Preisen, die für die Selbstversorgerbauern nicht erschwinglich sind.

Der im Projekt STUN entwickelte, handbetriebene Urin-Reaktor und die sieben Schritte der Sruvit-Produktion. Klicken zum vergrössern oder Download als pdf .

Folgeprojekt mit grösseren Urinmengen

Das Pilotprojekt 2008/9 hat nachgewiesen, dass die Struvitproduktion im kleinen Massstab machbar ist, vor allem in Gegenden, wo heute schon Trenntoiletten vorhanden sind. Um die Urindüngerherstellung betriebswirtschaftlich noch effizienter und für Private interessanter zu machen, sollten auch grössere Volumina verarbeitet werden können, zum Beispiel aus Sportstadien oder öffentlichen Toiletten. Zudem ist eine preisgünstige Versorgung mit Magnesium zu finden, denn heute muss dieses noch von Indien importiert werden. In der zweiten Projektphase werden wir daher erforschen, wie optimal mit grösseren Urinmengen umgegangen wird und welche Hygieneaspekte bei der Verarbeitung und dem Einsatz des Struvits berücksichtigt werden müssen.

Dieses 5-Minuten lange Video (mp4-Format) zeigt die Struvitproduktion in Siddhipur. Mit deutschen Untertiteln.

Unsere Projektpartner:

mehr Infos: www.sandec.ch/stun

Mailanfragen bitte direkt an: struvite.nepal(at)eawag.ch