
Die aufgeweckten Sperlinge teilen eine lange Geschichte mit uns Menschen. Zu Unrecht werden sie auf unauffälliges Gefieder oder scheinbar monotones Tschilpen reduziert. Auch sie haben unsere Zuwendung verdient, nicht zuletzt, weil sie regional selten werden.
Vor rund 10 000 Jahren begann der Mensch mit dem Ackerbau, und zu dieser Zeit zog es einen kleinen, braunen Vogel in seine Nähe: der Haussperling. Seither gestaltet sich die Beziehung holprig: Der gefiederte Nachbar galt in Europa als Bettler oder Teufel, gegen den man regelrecht Kriege führte. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei, doch brütet er in Storenkästen, geht er manchen auch heute auf die Nerven. Andererseits wird er gefüttert und steht Pate für Kita-Namen. Sein Verwandter, der Feldsperling, ist in Asien ein geschätztes Motiv für die Kunst. Kaum eine Vogelgruppe ist so eng mit uns Menschen verbunden wie die Sperlinge.
Hausund Feldsperling sind wahrscheinlich die bekanntesten, aber bei weitem nicht die einzigen Vertreter dieser grossen Familie. In den Alpen treffen wir auf den Schneesperling, der es schafft, Schnee und Eis zu trotzen. Und das Tessin hat mit dem Italiensperling seine eigene Sperlingsart.
In der Schweiz geht es den Sperlingen meistens gut, in anderen europäischen Regionen nehmen sie dramatisch ab. In Paris waren im Jahr 2017 noch 11 Prozent der Haussperlinge von 2003 vorhanden, und in England beträgt die Zahl der Feldsperlinge nur noch 2 Prozent des Bestands von 1965. Die Liste liesse sich fortsetzen. Daher haben es auch häufige Arten wie Hausund Feldsperling verdient, dass wir uns um sie kümmern: Zum Beispiel, indem wir in unseren Gärten einheimische Sträucher oder Wildstauden pflanzen und Pestizide meiden. Allgemein fühlen sich Sperlinge dort wohl, wo wir der Natur Raum geben, wilde Ecken und Unordnung zulassen.
EIN TAG NUR FÜR DIE SPATZEN
Am 20. März ist der Welttag des Spatzen. Er geht auf eine Initiative der indischen Nature Forever Society im Jahr 2010 zurück und wird seither jährlich in verschiedenen Teilen der Welt gefeiert. Auch häufige Vögel wie die Sperlinge verdienen unsere Aufmerksamkeit, weil sie mancherorts zu kämpfen haben und sie nicht mehr überall so häufig sind, wie es den Anschein haben mag. Die Schweizerische Vogelwarte widmet den Sperlingen das nächste Themenheft, welches im April erscheint.

