Eine umfassende Datenpolitik ist notwendig, um die wirtschaftlichen und sozialen Vorteile der Daten für das Land und seine Bürgerinnen und Bürger zu erhalten, so das Fazit einer Studie des Center for Digital Trust (C4DT).
Daten sind ein echter strategischer Trumpf für die Schweiz. Als zentrales Element der digitalen Wirtschaft sind sie für den zukünftigen Wohlstand und die Souveränität des Landes von entscheidender Bedeutung. Ihr Zugang ist jedoch oft auf isolierte Silos beschränkt, oder, wenn sie breiter verfügbar sind, erweist es sich aufgrund mangelnder Interoperabilität als unmöglich, sie zu verknüpfen, was ihre gemeinsame Nutzung und damit eine Sekundärnutzung verhindert. Obwohl für viele Datensätze ursprünglich technische Standards und Normen festgelegt wurden, werden diese nicht immer systematisch oder einheitlich angewendet. Um das volle Potenzial dieser "Daten" nutzen zu können, braucht die Schweiz einen geeigneten Rahmen und regulatorische Massnahmen, die den Austausch erleichtern. Aus diesem Grund sollte eine umfassende Datenpolitik integraler Bestandteil der Wirtschafts-, Industrie- und Infrastrukturprogramme des Landes sein, so das Fazit einer aktuellen Studie des Center for Digital Trust (C4DT).
"Daten sind eine wesentliche Infrastruktur, deren volles Potenzial nur mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen ausgeschöpft werden kann", kommentiert Mélanie Kolbe-Guyot, eine der Autorinnen der Studie. Der Schweiz ist es bereits in der Vergangenheit gelungen, solche Rahmenbedingungen zu schaffen, insbesondere in den Bereichen Eisenbahn, Energie und Kommunikation, und damit die Grundlage für Industrialisierung und Wohlstand zu legen. Eine ähnliche Vision ist heute für das digitale Zeitalter erforderlich"
Während der Austausch von Daten für Unternehmen, Forschung und Regierungen immer dringender wird, fehlt es in der Schweiz noch an einer Politik, die diesen Bereich als wesentlich anerkennt und die Regeln für ein robustes Management festlegt. Dies behindert die Entwicklung vertrauenswürdiger Datenräume - d.h. digitaler Umgebungen, in denen Einzelpersonen, Unternehmen und die Gesellschaft bereit sind, ihre Daten anzuvertrauen und sie auf interoperable, sichere und standardisierte Weise auszutauschen, während sie gleichzeitig die Kontrolle über diese Informationen behalten. Viele Herausforderungen bleiben bestehen, wie z. B. das Fehlen einer klaren politischen Führung und Koordination innerhalb der zahlreichen digitalen Projekte. Darüber hinaus ermutigt das Fehlen eines tragfähigen Geschäftsmodells und eines definierten Rechtsrahmens die Datenbesitzer nicht, ihre Daten zu teilen. Im Vergleich dazu hat die Europäische Union mit dem Data Act eine koordinierte Strategie und transparente Regulierungen verabschiedet. Nun liegt es an der Schweiz, sich daran zu orientieren.
Sicherung des wirtschaftlichen Wohlstands der Schweiz
Die "digitale Selbstbestimmung" bezeichnet die Fähigkeit von Individuen, autonom und souverän über die Verwendung ihrer Daten zu entscheiden. In der Schweiz stellt sie einen alternativen Ansatz zum umfassenderen Begriff der digitalen Souveränität dar und umfasst sowohl personenbezogene Daten als auch sensible Unternehmensdaten.
Heute ist die Verwendung dieses Konzepts als Grundlage für die Entwicklung vertrauenswürdiger Datenräume unzureichend, da es sich hauptsächlich auf das bestehende Spannungsverhältnis zwischen Datenschutz und Zugänglichkeit von Daten konzentriert und den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wert der Datennutzung weitergehend vernachlässigt. Es ist ein umfassenderer Ansatz erforderlich, der das Öffentliche Interesse und die wirtschaftlichen Aspekte des Datenaustauschs stärker betont. Anschliessend sollte eine Strategie zur Regulierung von Bereichen wie Originaldatensätzen, Datenräumen, Standardisierung und sekundärer Nutzung von personenbezogenen Daten festgelegt werden.
Wie steht es um den Datenschutz?
Die Förderung des Zugangs zu und des Austauschs von Daten ist nicht unvereinbar mit dem Datenschutzgesetz, das in der Schweiz im September 2023 in Kraft tritt. Inspiriert von der Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union, legt es klare Regeln für einen verantwortungsvollen Umgang mit personenbezogenen Daten fest. Diese Garantien stellen keineswegs ein Hindernis dar, sondern sind eine Voraussetzung für die Schaffung eines Klimas des Vertrauens in die weiter gefassten Praktiken des Datenaustauschs.
Was jedoch noch fehlt, ist eine umfassende strategische Vision, wie die Schweiz die verantwortungsvolle Nutzung und Wiederverwendung von Daten ermöglichen sollte. Dabei geht es weniger um den Schutz individueller Daten, der bereits gut geregelt ist, als vielmehr darum, wie Daten von Unternehmen und Sektoren auf wertschöpfende Weise geteilt und wiederverwendet werden können. Die Entwicklung vertrauenswürdiger Datenräume würde die Infrastruktur bereitstellen, um diese Möglichkeiten zu nutzen und so langfristig wirtschaftlichen Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern.
VerweiseDie Schlussfolgerungen in diesem Artikel stammen aus dem C4DT Insight Report Nr. 2 "Datenstrategie, -Politik und -Regulierung für die Schweiz, 2025".
