Mehr als nur leistungsstarke Weizensorten

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Weizenzüchtung Agroscope Changins / Sélection de blé Agroscope à Changins

Weizenzüchtung Agroscope Changins / Sélection de blé Agroscope à Changins

In der Schweiz und im Ausland ist das Ansehen der Weizenzüchtung von Agroscope gross – die hohe Qualität der Sorten ist der Grund dafür. Aber das Züchtungsprogramm befasst sich mit weit mehr als «nur» mit der Sortenzüchtung.

Die Branche schätzt die leistungsstarken Sorten
Durch das Züchtungsprogramm des Bundes, das Agroscope in enger Zusammenarbeit mit der Firma DSP betreibt, wurden 2011 in der Schweiz zehn und im Ausland zwei Weizensorten registriert. Seit 2001 wurden in der Schweiz und in achtzehn Ländern rund um den Globus fast hundert Sorten registriert. Alle Weizensorten, die aktuell von Swissgranum mit der Klasse Top und 1 empfohlen werden, stammen aus diesem Programm. Obschon in der Schweiz auch alle anderen Sorten des europäischen Katalogs angebaut werden können, werden auf rund 75% der Weizenflächen Sorten von „Agroscope/DSP“ angebaut. Die Spezialisierung dieses Züchtungsprogramms auf Weizen mit hervorragender Backqualität ist sicher einer der Hauptgründe für diesen Erfolg und erklärt vermutlich, weshalb einige der Sorten auch in der biologischen Landwirtschaft Anklang finden.


Sorten und mehr...
Die Sortenzüchtung ist ein unerlässliches Element, um die Brotweizenproduktion in der Schweiz zu erhalten. Ohne eine grosse Anzahl eigener inländischer Sorten bestünde das Risiko, dass der kooperativ organisierte Saatgut-Bereich der Schweizer Produktion entgleitet. Doch neben der Marktversorgung mit Weizensorten hat das Zuchtprogramm auch noch andere Funktionen. Es leistet einen Beitrag zur Ausbildung im Bereich der Züchtung oder der Pathologie an Fachhochschulen, Universitäten oder an der ETHZ. Es bietet einen Rahmen für Bachelor-,
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Master oder Doktorarbeiten. Es wird Forschung im Bereich der Züchtung betrieben, oft in Zusammenarbeit mit Hochschulen. Dank ihrem fundierten Fachwissen warnen die Züchter in erster Linie die Branche aber auch die Gesellschaft vor möglichen Problemen, beispielsweisse vor Bedrohungen durch neue Virulenzen oder Schädlinge. Zudem können auch das BLW und die Politik im Zusammenhang mit oft brennenden Themen wie genetischen Ressourcen, Saatgutregelungen oder GVO auf die Fachkenntnisse der Agroscope-Experten zurückgreifen.
Das Züchtungsprogramm des Bundes ist weltweit vernetzt. Dabei werden viele pflanzliche Genressourcen ausgetauscht. Und die Experten aus der ganzen Welt teilen ihr Wissen miteinander. Agroscope-Fachleute stellen auch den internationalen Züchtungsprogrammen und Versuchsnetzen eigene Sorten zur Verfügung, etwa dem CIMMYT und dem ICARDA.

Die Züchter benötigen nämlich eine hohe Vielfalt. Durch das Züchtungsprogramm wird die Verwaltung der genetischen Ressourcen ermöglicht und dies seit seiner Entstehung vor über hundert Jahren. Diese Ressourcen wurden seither zugunsten der Züchtung aber auch der Allgemeinheit erweitert, vermehrt und charakterisiert.

Besondere Züchtungsziele
Ein öffentliches Züchtungsprogramm verfolgt meist längerfristige Züchtungsziele, die den verschiedenen Branchenbereichen dienen und eher im Interesse der Allgemeinheit als des Einzelnen stehen.
Die Resistenzzüchtung gegen Krankheiten erfordert fast die Hälfte unserer Züchtungs- und Forschungsmittel. Sie dient selbstverständlich den Landwirtinnen und Landwirten, ermöglicht aber auch, dass in der Produktion so wenig Mykotoxine und Pestizide wie möglich eingesetzt werden können. Dies kommt schliesslich dem Wohle der Konsumentinnen und Konsumenten und der Umwelt zu Gute. Die Bereitstellung von resistenten Sorten hat sicher zum Erfolg der „Extenso“-Produktion des Schweizer Weizens beigetragen.

Der Fokus liegt nicht nur auf aktuellen Krankheiten, es sind auch Bestrebungen im Gange, potenziell gefährliche Krankheiten zu bekämpfen, etwa Schwarzrost, Viruskrankheiten oder Krankheiten, die vor allem die Bio-Produktion betreffen, etwa Stinkbrand beimWeizen.

Andere Ziele wie die Auswuchs-, Kälte- oder Trockenheitsresistenz stehen im Zusammenhang mit der Klimaanpassung. Obschon diese Ziele schwierig zu erreichen sind, ist der Nutzen als gross einzustufen, und zwar für die Landwirtinnen und Landwirte, aber vor allem für die Produktionsstabilität. Diese Ziele werden von kommerziellen Züchtern häufig vernachlässigt, da der Vorteil einer diesbezüglich verbesserten Sorte gegenwärtig weder in einem normalen, problemlosen Jahr noch in einem extremen Jahr, wenn keine Sorte überlebt, bemerkbar würde. Agroscope nimmt sich dieser Ziele an und erweitert die Diversifikation der genetischen Ressourcen – dank molekularen Markern und gezieltem Aussetzen an Stress-Bedingungen werden Züchtungen selektioniert, die erwünschte Gene besitzen.

Die Sortenzüchtung für Backqualität hat sich den neuen Bedürfnissen der verarbeitenden Branche (Müller, Bäcker) aber auch der Konsumentinnen und Konsumenten angepasst und orientiert sich dazu an laufenden Studien über den Geschmack des Brotes oder über den Nährwerte der Sorten.

Um Weizensorten für einen bestimmten Zweck zu züchten, müssen die Bedürfnisse aller Akteure berücksichtigt werden – von den Saatgutzüchtenden bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Da die Zucht ein langfristiger Prozess ist, muss man die möglichen künftigen Veränderungen bedenken und diesen zuvorkommen, ohne sich von zu kurzfristigen Zuchtzielen verleiten zu lassen. Wie die Ergebnisse aus über einem Jahrhundert Weizenzucht zeigen, ist ein Züchtungsprogramm des Bundes die beste Lösung, um dies zu erreichen.


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