Lust am Sehen, weniger am Zeigen: Das Basler Bürgertum und die Fotografie

Esther Stutz untersucht in ihrer Dissertation einen der umfangreichsten Fotobest
Esther Stutz untersucht in ihrer Dissertation einen der umfangreichsten Fotobestände der Schweiz: Das Archiv der Fotografendynastie Höflinger. (Bild: Universität Basel, Florian Moritz)
Das Aufkommen der Porträtfotografie im 19.Jahrhundert weckte beim Basler Bürgertum den Reiz am Visuellen und ermöglichte neue Formen der Selbstdarstellung. Wie die neue Technik die Wahrnehmung des Einzelnen beeinflusste, untersucht die Medienwissenschaftlerin Esther Stutz exemplarisch am Archiv der Fotografendynastie Höflinger. Schlicht und zurückhaltend - nicht unbedingt Eigenschaften, welche man mit den reichen Gesellschaftsschichten des 19. Jahrhunderts in Verbindung bringt. Für Basel ist diese Beschreibung im Vergleich zu Paris und Städten im Deutschen Reich allerdings sehr zutreffend. 'Das Basler Bürgertum hat nach aussen seinen Luxus nicht präsentiert, sondern gab sich eher zurückhaltend', erklärt Esther Stutz, die in ihrer Dissertation das Verhältnis von Bürgertum, Fotografie und Wahrnehmung untersucht. 'Man zeigte das Geld nicht.' Das konnte die Doktorandin an den Carte de Visite beobachten - etwa jasskartengrosse Porträtfotos, welche die wohlhabenden Baslerinnen und Basler ab 1860 massenhaft von sich anfertigen liessen. 'Sie stellen sich sehr gemässigt dar - keine prunkvollen Kleider, sondern so, wie sie sich auch auf der Strasse gezeigt haben', erklärt Stutz. Statt auf der Strasse zeigten die Basler ihren Reichtum lieber erst in den eigenen vier Wänden: 'Die Alben, in welchen sie ihre Fotos aufbewahrten, waren sehr aufwendig gefertigt - aus edlen Materialien mit Goldverschlüssen und Schnitzereien im Leder. Daran sieht man dann wieder, dass doch viel Geld vorhanden war.' Frühes Interesse an der Fotografie
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